Drama Marschbahn : Wie lange noch?

<p>Ersatz aus guten alten Zeiten nur mit dem Unterschied, dass heute in diesen Zügen  vieles nur noch alt, aber nicht mehr gut ist.</p>
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Ersatz aus guten alten Zeiten nur mit dem Unterschied, dass heute in diesen Zügen  vieles nur noch alt, aber nicht mehr gut ist.

Alte Züge auf der Sylt-Strecke sollten längst Vergangenheit sein. Doch sie fahren immer noch: Schmutzig, unbeheizbar und defekt

shz.de von
30. Januar 2018, 05:02 Uhr

Sonntag morgen 8:20. Die Regionalbahn nach Hamburg-Altona steht bereit, wird pünktlich abfahren und pünktlich ankommen. Am selben Tag abends um 18:40 geht es pünktlich zurück nach Sylt. So weit, so gut. Doch was die Fahrgäste im Zug – morgens wie abends – erwartet, ist Dreck, Kälte, abgewetzte Tische, speckige Sitze, nicht schließbare Abteiltüren, abgerissene Vorhänge, defekte, unbenutzbare Toiletten, volle Mülleimer – und große Fensteraufkleber, auf denen Sprüche zu lesen sind, die wohl witzig sein sollen, aber nur die Zornesröte der Passagiere zum Glühen bringen. „Während Sie Ihre besten Tage vor sich haben, hab ich meine schon hinter mir“, kann man da fett lesen. Etwas kleiner geschrieben steht unter dem versuchten Witz „Wir bitten um Nachsicht. Dies ist ein Ersatzzug. Weitere Infos unter bahn.de/netz-west“.

Sollte man im Zug versuchen, diese weiteren Infos aufzurufen, stellt man schnell fest, dass es im Zug kein Wlan gibt...

„Mit solchen Waggons transportiert man nicht Menschen, die man Fahrgäste nennt, sondern solche, die man verschrecken will“, empört sich eine Dame, die eigentlich 1. Klasse gebucht hatte, aber den Wagen dafür nicht fand und sich dann über die Allgegenwärtigkeit von Schmutz und den desolaten Zuständen im Zug ärgert. „Alt ist ja nicht schlimm, aber sauber und gepflegt könnte es doch sein“.

Dann kommt die Durchsage, dass leider das WC nur im Wagen XY funktioniert, die anderen Toiletten seien defekt, die Bahn bitte um Entschuldigung.

„Eigentlich sollten die Züge sauber sein, denn dafür haben wir die Reinigungskräfte extra verstärkt“, wundert sich Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis, als wir bei ihm nachfragen, wie sich solche Zustände erklären lassen. Die bis zu 30 Jahre alten Wagen, die die DB Regio immer mal wieder auf dem Streckennetz Hamburg-Sylt einsetzt, seien der Tatsache geschuldet, dass die Industrie nach wie vor große Liefer- und Qualitätsprobleme bei den neueren Wagen habe. Zudem weist Herr Meyer-Lovis daraufhin, dass viele der Forderungen, die der Kreistag Nordfriesland in einem Sieben-Punkte-Plan im November 2017 der Bahn ins Aufgabenheft geschrieben hatte, weitestgehend abgearbeitet seien.

Allerdings komme es durch die technisch notwendigen Überprüfungsintervalle bei den Wagen und Loks immer mal wieder zum Einsatz der alten Schienenfahrzeuge. Die sollten allerdings funktionstüchtig sein – auch was die Toilettennutzung und die Klimaanlagen betrifft. „Sauber und gepflegt müssen sie sowie sein“, betont der Bahnsprecher. Er freut sich aber, dass die Bahn am Sonntag auf der Stecke pünktlich war.

„Aktuell dürften jetzt keine dieser sehr alten Wagen unterwegs sein. Der Sonntag war da wohl eine Ausnahme“. So richtig Entwarnung, was Wagenqualitäten und Pünktlichkeit betrifft, mag er aber nicht geben. „Doch wir fahren sehr viel stabiler als noch im vergangenen Jahr“.

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