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Interview : Wie es im Rathaus weiter gehen soll

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nikolas Häckel im Interview: Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt spricht über seine Pläne, Unruhe im Bauamt und Fragen der Loyalität.

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erstellt am 10.Okt.2015 | 05:21 Uhr

Gut fünf Monate ist Nikolas Häckel nun schon Bürgermeister der Gemeinde Sylt. In diesem Zeitraum hat er in der Inselverwaltung Veränderungen angestoßen, die auf der Insel auch auf Kritik gestoßen sind. Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht er über geplante Umbauten , über Gegenwind und Loyalität – und darüber, wie stark er momentan seinen Rückhalt innerhalb der Verwaltung einschätzt.

Die Gemeindevertretung hat jüngst beschlossen, dass die Gemeindeverwaltung räumlich zusammenrücken soll. Unter anderem dadurch, dass die ehemalige Feuerwache in Westerland abgerissen wird und dort ein an das Rathaus angedockter Verwaltungs-Neubau entsteht. Was ist Ihre Haltung zu diesen Plänen?

Ich halte das für genau richtig. Meine Idee ist außerdem, dass wir eine Stabsstelle einrichten, die sich nur um das Thema „Zentralisierung der Verwaltung “ kümmert. Dazu hatten wir diese Woche ein erstes Gespräch mit Mitarbeitern des Kommunalen Liegenschaftsmanagements und der Gemeindeverwaltung.

Wie können Sie sich die Zentralisierung räumlich vorstellen?

Die Verwaltungsräumlichkeiten müssen vom ehemaligen StoV-Gelände weg, das ist klares Ziel der Politik und der Verwaltung. Primär geht es darum, die alte Feuerwache zu ersetzen, um dort einen klugen Verwaltungsbau hinzubekommen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir eventuell auch durch Vermietung des Erdgeschosses an Betriebe eine Refinanzierung dieses Neubaus ermöglichen können. Das sind aber meine persönlichen Ideen. Es muss alles in Ruhe klug durchdacht werden. Denn dieses Areal soll ja langfristig für die Inselverwaltung genutzt werden.

Bis wann sollen diese Pläne denn umgesetzt sein?

Wir haben den klaren Auftrag bekommen, dass bis 2018 etwas passieren soll. Ich persönlich denke, es wird 2019, habe jetzt aber natürlich das hehre Ziel, meinen Auftrag bis 2018 auch umzusetzen.

Gehen wir von der räumlichen Neustrukturierung zu Ihren Plänen für die Neuordnung der Verwaltung selbst. Dass Sie unter anderem das Bauamt zerschlagen wollen und dass sich die Zahl der Ämter von sieben auf drei „Superämter“ verringern soll, hat ja vor ein paar Monaten ordentlich für Aufregung gesorgt. Was ist denn der aktuelle Stand der Dinge?

Es ist unruhig geworden durch die Berichterstattung. Dadurch, dass ein interner Prozess nach außen vermittelt worden ist. Es ist auch unruhig geworden dadurch, dass Begriffe geprägt worden sind wie „Superämter“. Es ist unruhig geworden dadurch, das Personen genannt worden sind, die diesen Superämtern vorstehen sollen. All das ist jetzt in der Diskussion draußen. Wir haben innen eine ganz andere Diskussion. Wir reden innen wirklich sachlich, fachlich – da ist nicht die Rede von Superämtern, sondern von klugen Strukturen, die uns weiter bringen. Der Prozess läuft. Doch die Unruhe einzufangen, das hat uns viel Zeit gekostet. In Kürze werde ich die Ergebnisse mit dem Personalrat und der Politik besprechen, um daraus eine kluge Lösung zu entwickeln.

Wann, glauben Sie, ist das so weit?

Ich würde mir wünschen, dass wir die neue Organisationsform zum 1. Januar in Kraft setzen. Dies setzt voraus, dass wir bis dahin einen gemeinsamen Weg gefunden haben. Ich habe immer gesagt, dass meine Idee eine Arbeitsidee ist – dazu da ist, um diskutiert zu werden.

Nach der Aufregung: Haben Sie für Ihre Arbeitsidee nun Akzeptanz innerhalb der Verwaltung gefunden oder nicht?

Jede Veränderung macht Angst, bringt Unruhe und Widerstand. Ich denke schon, dass ich für einige Ideen klare Zustimmung finde. Wir reden bewusst zunächst nur über die Organisationsform. Die Personaldiskussion kommt später. Denn wenn ich immer daran denke, welche Person dadurch betroffen ist, komme ich nie zu einer sachlichen Entscheidung. Auch wenn man immer dabei ein bisschen die Menschen im Kopf hat, das ist ganz klar. Das ist nicht immer einfach, aber es geht ums Große, Ganze.

Nun sagt der eine oder andere Gemeindevertreter jetzt schon laut: Eine Zerschlagung des Bauamtes – das ist ja Teil Ihrer Arbeitsidee – gibt es mit mir nicht. Glauben Sie, dass Sie in Sachen Neuordnung des Bauamtes gegen den Gegenwind ankommen?

Genauso wie ich ergebnisoffen mit einer Arbeitsidee ins Rennen gehe, erwarte ich auch von der Politik ergebnisoffenes Diskutieren. Diese Aussage mag die Haltung einer Person sein. Es ist doch aber jetzt noch gar nicht bekannt, warum ich eventuell diesen Weg gehen wollen würde.

Dann wurde auch schon der Verdacht laut, dass Sie als ehemaliger Kronshagener Bauamtsleiter auch das Sylter Bauamt höchstpersönlich leiten wollen.

In der Arbeitsidee, die ja auch Ihnen vorliegt, ist das nicht so. Nun reden wir vollkommen neu über Ideen – was nachher das Ergebnis sein wird, weiß ich nicht. Ich bin ergebnisoffen. Für alles.

Verstehe, das wäre also auch eine Option?

Ich kann es mir natürlich rein zeitlich sehr schwer vorstellen. Ein ganzes Bauamt mit Planung und Tiefbau – dafür zuständig zu sein, das würde ich zeitlich gar nicht schaffen. Deshalb hätte ich persönlich Sorgen, die man mir nehmen müsste, wenn diese Idee umgesetzt werden soll. Dann müsste man eine Entlastung auf anderer Seite schaffen. Mehr als Arbeiten kann auch ich nicht. Man wird ja sonst immer von allen Seiten gebremst, so nach dem Motto: „Herr Häckel, machen Sie langsam“. Das passt dann nicht zusammen.

Gehen wir auf menschlichere Ebene. Zwei Szenen: Es gab vor ein paar Wochen eine Diskussion zwischen Ihnen und Ihrem Tiefbauamts-Abteilungsleiter, während der sie gegenseitig ihre Qualifikationen angezweifelt haben. Im Ortsbeirat Archsum zweifelte der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm öffentlich die 40-60-Regelung an. Stehen Ihre Leute nicht hinter Ihnen, sind sie nicht loyal?

Zum Tiefbauabteilungsleiter kann ich lediglich sagen, dass ich Personalien intern klären werde. Ich denke aber, wir sollten uns als Verwaltung intern eine Meinung bilden und diese dann gemeinsam nach außen vertreten.

Bei Herrn Kerkamm ist es natürlich die Frage, in welcher Rolle er gerade spricht. Das ist für ihn ja auch eine schwierige Situation. Spricht er als Gemeindevertreter der CDU oder in der Rolle des stellvertretenden Bürgermeisters? Wenn Zweiteres der Fall ist: Ich würde erwarten, dass der amtierende Bürgermeister – und das ist Herr Kerkamm, wenn er mich vertritt – die Beschlusslage vertritt. Und die 40-60-Regelung ist mehrheitlich beschlossen. Auch mit Stimmen der CDU.

Wie ist die Stimmung Ihnen gegenüber allgemein zu bewerten?

Ich glaube, ich habe schon einen großen Rückhalt innerhalb der Verwaltung. Natürlich ist ein Amt in großer Unruhe, gar keine Frage ...

... das Bauamt...

... das Amt, das nach Ihren Begrifflichkeiten zerschlagen werden soll. Diese Unruhe nehme ich auch wahr, aber die müssen wir auch aushalten. Wir sind da wirklich in einer Findungsphase. Und das dann auch mal in gewissen Bereichen Unruhe herrscht – das ist so, und dazu stehe ich auch.

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