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Ärger über Autozüge : Wie die Bahn den Frieden auf der Urlaubsinsel gefährdet

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Nicht nur die Pendler werden unter den Verspätungen leiden. Ganz SH ist in Gefahr. Ein Kommentar von Friederike Reußner.

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erstellt am 06.Feb.2016 | 07:00 Uhr

Westerland | Sylts Pendler gehen auf die Barrikaden, weil sie beklagen, die Zahl der Verspätungen seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember habe deutlich zugenommen. Dem jedoch widerspricht – zumindest auf den ersten Blick – die Statistik des Verkehrsbetriebs des Landes Schleswig-Holstein, nah.sh: Demnach sind 86 Prozent der Züge zwischen Hamburg und Westerland seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember pünktlich, also höchstens fünf Minuten zu spät gefahren. Das ist keine grandiose Zahl – aber auch nicht so dramatisch, wie der eine oder andere vor dem Wechsel befürchtet hatte.

Regen sich die Sylt-Pendler also nur künstlich auf? Nein, denn erstens kommt auch laut dieser Statistik jeder siebte Zug deutlich zu spät. Zweitens ärgern sich die Pendler ja nicht nur über die aktuelle Lage, sondern sie sorgen sich um die Zukunft. Darüber, was passiert, wenn im Frühjahr Bahnkonkurrent RDC auch noch Züge über den Hindenburgdamm rollen lässt. Und diese Sorge teilt bekanntermaßen auch die Landesregierung: Dass der Insel der Verkehrskollaps droht, sobald RDC den Betrieb aufnimmt, hat schließlich der für den Verkehr zuständige Staatssekretär bereits im Dezember in einem Brandbrief verkündet. Aber seitdem hat sich nichts geändert.

Ein weiterer Grund für die Wut der Pendler ist eher psychologisch: Neuerdings meldet die Nord-Ostsee-Bahn bei jeder Verspätung über den Lautsprecher, warum es nicht vorangeht. Und wer in regelmäßigen Abständen hört, dass wieder mal ein Autozug die Strecke blockiert, bekommt zu Recht das Gefühl, dass das mit dem Betriebsablauf nicht so richtig rund läuft. Dieses Gefühl wird noch verstärkt, wenn beim Warten in der gut besetzten Nord-Ostsee-Bahn ein komplett leerer Personenwaggon des Sylt Shuttle plus und ein Autozug ohne Autos am Fenster vorbeirollt.

Am wichtigsten aber ist, dass die Insel, die ohnehin unter Personalnot leidet, jeden einzelnen der Pendler braucht. Sylt kann es sich schlichtweg nicht leisten, dass diese Menschen verärgert werden. Im Übrigen ist es auch im Sinne des Landes, dass auf Sylt alles glatt läuft: Schließlich ist die Insel nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, die starke Marke Sylt trägt zudem erheblich zur touristischen Strahlkraft des ganzen Landes bei. Es gab Zeiten, da begann der Urlaub bereits im oder auf dem Waggon.

 

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