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Wohnungssuche : Wie das Internet hilft, eine Bleibe auf Sylt zu finden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Viele Menschen möchten auf Sylt leben. Der Erfolg der Wohnungssuche hängt auch von der Saison ab.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 18:34 Uhr

Sylt | Eine große Wohnung für die Familie, ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft oder eine kurzzeitige Bleibe für die Saison: Die Unterkünfte, die Menschen auf Sylt suchen, sind vielfältig. Was sie verbindet, ist der Wunsch, ein gemütliches, aber bezahlbares Zuhause zu finden.

In Großstädten wie Hamburg – ebenfalls bekannt für ihre hohen Mietpreise – sind die Suchenden im Online-Forum „WG-Gesuch“ im Schnitt bereit, rund 600 Euro für eine Zweizimmerwohnung zu zahlen. Auf Sylt geben die Mietsuchenden bei Facebook sogar 1200 Euro als maximalen Mietpreis an – und das für 50 Quadratmeter.

Gerade jetzt im Winter werden auf Sylt wieder vermehrt Wohnungen frei, sagt Redakteur Pierre Boom, der in seiner Freizeit als Administrator für die Facebook-Gruppe „Wohnung für Sylter“ zuständig ist. „Es gibt große Saisonunterschiede auf dem Wohnungsmarkt, im Laufe der letzten Jahre ist deutlich geworden, dass immer mehr Wohnungen außerhalb der Saison auf den Markt kommen.“ Zum einen liege das daran, dass einige Privatvermieter ihre Ferien-Vermietung aufgeben und die Wohnungen so auf den freien Markt an Dauermieter gelangen, zum anderen auch daran, dass die Saisonkräfte die Insel verlassen und deren Wohnungen frei werden. Entspannt sich dadurch der Wohnungsmarkt auf der Insel? Wir haben uns umgehört.

„Es ist schon möglich, dass viele Leute ohne einen Makler und im Internet unter der Hand an ihre Wohnungen gelangen“, sagt Lars Axmann von König Immobilien in Westerland. Damit, dass Menschen ihre früheren Ferienappartements an Dauermieter geben, habe er noch keine Erfahrungen gemacht. „Wir haben zwar immer wieder Immobilien, die früher in der Ferienvermietung waren, die werden uns dann aber zum Kauf angeboten, oder sollen über eine Agentur weitervermietet werden“, sagt er. Interesse daran, das Objekt an Dauermieter zu geben, hätten die Besitzer in der Regel nicht – zumal viele von ihnen nicht auf der Insel wohnen, so der Experte.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen: „Es ist einfach nicht möglich, die Ferienvermietung weiterzuführen, wenn das Haus nicht in der besten Lage ist“, sagt ein Vermieter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Es bringt einfach mehr Geld, wenn ich an Dauerwohner vermiete“, sagt er. Gerade mit Haustieren ist es anscheinend nach wie vor schwierig, eine passende Bleibe auf der Insel zu finden. Nina Müller hat zwei Hunde, „die nicht gerade zu den beliebten Rassen zählen“: Eine französische Bulldogge und eine Old Englisch Bulldogge. Hinzu kommen noch zwei Katzen. „Wenn Haustiere erlaubt sind, dann stört es plötzlich, dass ein Kind im Haushalt lebt – weil Kinder laut sind und diese die Ruhe der Gäste stören könnten“, sagt die 31-jährige Sylterin. Seit vier Jahren sucht sie eine Wohnung für sich und ihre Familie.

Ähnliche Erfahrungen hat Jacqueline Riecke gemacht, die in der Gastronomie arbeitet. Auch die 20-Jährige sieht ihre Haustiere als Problem bei der Wohnungssuche – 90 Prozent der Vermieter würden keine Tiere erlauben, sagt sie. „Ich finde es sehr schwierig, hier auf Sylt etwas Passendes zu finden“, sagt die aus Hamburg stammende Frau.

So wie ihr geht es vielen auf der Insel, deren Erfahrungen sich auch mit den Aussagen des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) decken. „Die aktuelle Nachfrage nach Bestandswohnungen beim KLM gegenüber dem Vorjahr ist relativ unverändert“, teilte KLM-Chef Marcus Kopplin mit. Es gibt jedoch eine erhöhte Nachfrage nach den Neubauwohnungen, die 2016 in Westerland bezugsfertig gestellt werden.

Erfahrungsberichte zeigen, wie schwierig es sein kann, auf Sylt eine bezahlbare Bleibe zu finden: „Das, was an Wohnungen zu finden ist, ist entweder eine Bruchbude oder unbezahlbar – wir haben unser Limit schon auf 1200 Euro Monatsmiete erhöht und werden trotzdem nicht fündig“, sagt Müller. „Auf eine Wohnungsanzeige bewerben sich gefühlt 50 Leute. Meist kommt schon vor dem Besichtigungstermin wieder eine Absage, mit der Begründung, dass die Wohnung anderweitig vergeben wurde“, so die Hotelmitarbeiterin.

Wie groß die Nachfrage auf der Insel ist, zeigt auch die Erfahrung einer Frau, die ihre Wohnung im Internet angeboten hatte: „Ich werde regelrecht mit Nachrichten bombardiert“, teilte Peggy Gath mit, die seit neun Jahren auf der Insel lebt. Die 35-Jährige sucht einen Nachmieter für ihre Westerländer Wohnung. Die 36 Quadratmeter große Zweizimmer-Unterkunft ist ab dem 1. Januar für 735 Euro warm zu haben. „Auf die Anzeige haben sich jetzt schon 23 Personen gemeldet, und es kommen stündlich noch welche dazu“, sagt sie. Hier eine Entscheidung zu treffen, falle ihr sehr schwer.

Aber es gibt auch Erfolgsberichte: Sascha Mesterknecht aus Hamburg hat gerade nach rund drei Wochen Suche eine passende Bleibe gefunden – zu einem, wie er findet, angemessenen Preis. In der Facebook-Gruppe „Wohnung für Sylter“ wurde dem 25-Jährigen geholfen. Seit Kurzem wohnt er jetzt für rund 850 Euro Warmmiete im Monat in einer 55 Quadratmeter großen Wohnung in der Westerländer Friedrichstraße. „Da habe ich wirklich Glück gehabt“, sagt der Handyverkäufer.

Trotz dieser positiven Erfahrungen kann demnach nicht von einer Entspannung des Mietmarktes gesprochen werden – schon eher von einer kurzen Verschnaufpause außerhalb der Saison.

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