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Sylts neuer Inselmaler : Wie aus einem Strafzettel Kunst wird

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Christian Holtmann ist der neue Inselmaler für das Jahr 2014. Er fühlt sich der Pop-Art-Bewegung verbunden und verarbeitet „Spuren des Alltags“.

Sylt | Eines wurde bei der ersten Begegnung mit dem neuen Inselmaler für 2014 am Sonnabendabend auf Anhieb klar: Mit Christian Holtmann hat der Vorstand der Sylter Kunstfreunde eine vielversprechende Wahl getroffen. Und alle an Kunst Interessierten auf der Insel werden sich auf die Arbeitsergebnisse des 1970 im westfälischen Rheine Geborenen freuen dürfen. Will er doch im Laufe des Jahres bei mehrmaligen Aufenthalten das nordfriesische Eiland erkunden, um sodann die gewonnenen Eindrücke nach Maßgabe seines besonderen künstlerischen Ansatzes umsetzen und präsentieren.

„Malen Sie?“ fragte Annegret Töfflinger von den Kunstfreunden einst den Vater zweier Mädchen (und studierten Juristen mit Erstem Staatsexamen), als der sich privat auf Sylt aufhielt. Und als der bejahte, wurde der Kontakt zu den anderen Vorstandsmitgliedern flugs hergestellt. Insbesondere zu Petra Nies und Elke Harms, denen rasch klar wurde: Das wird unser neuer Inselmaler.

„Klar, dass Christian Holtmann bei mir aufgenommen wird. Wie alle bisherigen Inselmaler auch.“ Petra Nies stellte erneut ihr selbstloses Engagement bei diesem vorbildlichen Projekt unter Beweis. In ihrer Wohnung präsentierte „der Neue“ bereits erste Werke mit insularem Bezug und erläuterte den Vorstandsmitgliedern der Kunstfreunde seinen künstlerischen Ansatz und die geplante Vorgehensweise als Inselmaler.

Holtmann studierte von 2000 bis 2005 an der Hochschule für Künste in Bremen, avancierte zum Meisterschüler bei Karin Kneffel und machte fortan mit zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen (etwa in Hamburg, Berlin, Hannover, London und Mailand) von sich reden. Der Künstler fühlt sich der Ende der 1950er-Jahre aufgekommenen Pop-Art-Bewegung verbunden, die unter anderem Gebrauchsgüter des täglichen Lebens für die Kunst eroberte. „Das Trivialste, Unansehnlichste war den Pop-Art-Künstlern eben gut genug,“ so der Kölner Kunsthistoriker Horst Richter. Weltgeltung erlangte etwa Andy Warhol mit „Coca-Cola“ (um 1962) oder den Suppenbüchsen von “Campbell's Soup“ (1975).

Vor diesem Hintergrund möchte Holtmann sein künstlerisches Schaffen auf Sylt realisieren. Die Insel vergleicht er dabei mit New York. Beide Orte sind ihm „Schmelztiegel“, an denen „auf engstem Raum die Ambivalenz innerhalb der Gesellschaft deutlich wird“. Hier möchte er „Spuren des Alltags“ wie Fahrkarten, Strafzettel, Produkte und Marken insularen Lebens und Wirtschaftens künstlerisch verarbeiten und präsentieren. Erstes Beispiel: ein Strafzettel, den die Gemeinde Sylt ihm für das Parken seines Autos schrieb. Den malte er akribisch ab, verfremdete ihn allerdings so, dass er dem Synonym der Insel für Geld und Glamour Rechnung trug. So will er „aus vielen kleinen Beobachtungen, Erlebnissen und Erfahrungen ein subjektives Inselportrait entstehen“ lassen.

Die Ausstellung im September wird in der Stadtgalerie „Alte Post“ die Ergebnisse all dieser künstlerischen Ansätze und Überlegungen präsentieren. Wir sind gespannt.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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