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Meerkabarett auf Sylt : „Wetter und Fernsehen sind unsere größten Feinde“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview spricht Meerkabarett-Chef Joachim Wussow über die Sommersaison 2017 und wirft einen Blick auf das kommende Jahr.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2017 | 04:32 Uhr

Sylt | Im Meerkabarett ist der letzte Vorhang für diese Saison gefallen. Im Interview mit der Sylter Rundschau zieht Joachim Wussow, Chef des Veranstaltungszelts in Rantum, ein erstes Fazit und verrät, wie es im kommenden Jahr weitergehen könnte.

Herr Wussow, stimmt Sie das Ende der Meerkabarett-Saison sentimental oder sind Sie nach acht Veranstaltungswochen auch ein bisschen erleichtert, dass es vorbei ist?
Wenn man sich das Gelände anschaut, sieht man heute schon gar nichts mehr von dem, was da noch vor ein paar Tagen stand. Das geht ruck zuck und stimmt mich immer auch traurig. Das Meerkabarett ist so ein fester Bestandteil unseres Sommers und wir sind mit großem Engagement dabei. Da ist das Ende schon immer eine große Zäsur.

Wie ist die Saison 2017 denn gelaufen?

Wir hatten in diesem Jahr einige Neuerungen. Am auffälligsten waren sicherlich die zwölf Veranstaltungen im Meerkabarett Club im Friesensaal. Für uns ist erfreulich, dass wir dort die Besucherzahlen erreichen konnten, die wir erwartet haben und es gleich vom ersten Abend mit Piet Klocke gut angenommen wurde. Dass wir nun auch einen Ort für kleine, feine Programme hatten und damit auch ein Experimentierfeld für noch unbekannte Künstler ist ein toller Erfolg und stimmt uns für die Zukunft hoffnungsvoll.

Und wie lief es im Meerkabarett in Rantum?
Neben unseren gewohnten Veranstaltungen hatten wir in dieser Saison wieder zwei Kinderprogramme, die sehr gut angenommen wurden. Bei der Veranstaltung mit Bibi & Tina-Darstellerin Lina Larissa Stahl, die fast ausverkauft war, war die Stimmung einfach irre. Das sind dann die Abende, für die man diese Arbeit macht.

Das heißt, Kinderprogramm kommt auf Sylt an?

Das kommt ganz darauf an, einen großen Saal dauerhaft zu bespielen ist sicher eine große Herausforderung. Einige Formate für Kinder wie die Kinderuni kann man in einem kleinerem Raum sicher wieder neu auflegen. Und in der Tat muss man sich das nochmal genau angucken, denn was gibt es schöneres als ein sechsjähriges Kind, das fröhlich mitsingt? (lacht)

Welche Highlights gab es in diesem Sommer für Erwachsene?

Sicherlich Ute Lemper und Axel Prahl. Aber es war auch toll, dass Bodo Wartke erstmalig zu Gast war. Generell konnten wir in diesem Jahr viele Künstler zum ersten Mal auf der Bühne begrüßen.

Kommt das beim Publikum an oder ist es besser, auf das Altbewährte zu setzen?

Das kann man leider nicht über einen Kamm scheren, allerdings ist schon zu beobachten, dass die Zuschauer nach wie vor eher zu Veranstaltungen gehen, die sie schon kennen oder zu Namen aus dem Fernsehen. Da wünscht man sich oft eine größere Experimentierfreude der Gäste, denn man möchte natürlich jedes Jahr einen Mix aus Neuem und Bewährten bieten und neue Gesichter auf die Insel bringen.

Worauf trifft das in diesem Jahr zu?
Bei „Let’s Burlesque“, „The Ukulele Orchestra of Great Britian“ oder den „Tiger Lillies“ zum Beispiel. Das war ja mal ganz etwas anderes auf der Meerkabarett-Bühne und da hätten sicherlich ein paar Menschen mehr kommen können.

Kommen denn insgesamt mehr Sylter oder Gäste zu Ihnen?
Es sind sicherlich mehr Gäste. Denn die meisten Sylter müssen im Sommer einfach sehr viel arbeiten. Für uns sind aber gerade die Sylter wichtig – denn jeder Sylter, der hier begeistert rausgeht, ist ein Multiplikator, spricht darüber und empfiehlt uns weiter. Durch die Einführung der Kulturkarte bieten wir den Syltern ja die Möglichkeit auch noch sehr kurzfristig an zum Teil rabattierte Karten zu kommen und das hat sich in den letzten zwei Jahren bewährt.

Im Sommer finden sehr viele Kultur-Veranstaltungen auf der Insel statt. Sprechen Sie sich mit anderen Kulturschaffenden über die Termine ab?
Das ist leider nicht ganz einfach. Wenn wir die Chance haben, an einem Tag einen Künstler zu bekommen, gucke ich natürlich, ob für diesen Tag schon eine Veranstaltung eingetragen ist. Der große Hafengeburtstag in List stand zum Beispiel schon sehr lange fest. Da weiß jeder: Große Musikveranstaltungen sollte man an diesem Tag besser nicht machen. Genauso war es bei „Kampen Jazz“.

Unsererseits versuchen wir, die Meerkabarett-Termine so früh wie möglich zu veröffentlichen. Und vielleicht würde es sogar Sinn machen, mal einen gemeinsamen Kalender mit geplanten Terminen einzurichten, auf den alle Sylter Kulturschaffenden vorab Zugriff haben. Dennoch: Unser größter Feind sind sicherlich nicht die anderen Veranstaltungen. Es sind viele Faktoren entscheidend: das Wetter, das Fernsehprogramm um nur zwei zu nennen. Selbst wenn alle Hauptveranstaltungsorte total ausverkauft wären, dann sprechen wir immer noch von „nur“ 1500 Gästen. Da bleiben sicherlich noch genug übrig, die an diesem Abend etwas anderes machen.

Sie sagen, Wetter und Fernsehen sind ihre größten Feinde...
... manchmal, denn wenn das Wetter gut ist, zieht es die Menschen mit einer Flasche Wein an den Strand. Fernsehen kostet nichts und das haben die Gäste auf dem Zimmer und das muss nicht geplant werden. Der Trend in den letzten Jahren geht mehr und mehr in die Richtung, dass sich die Menschen erst spät entscheiden, wann sie zu welchen Veranstaltungen kommen und halten sich so alle Optionen offen: Im Verhältnis zu städtischen Regionen kaufen auf Sylt die Menschen die Karten sehr spät. Die letzten zehn Tage vor der Veranstaltung verkaufen wir mehr als 50 Prozent.

Kommen wir zum Finanziellen. In diesem Jahr kann das Meerkabarett auf einen Zuschuss der Gemeinde zählen. Wie sieht das im kommenden Jahr aus?

In diesem Jahr muss neu entschieden werden, ob wir auch in 2018 unterstützt werden. Für uns ist diese Unterstützung enorm wichtig, weil wir ein sehr hohes Risiko haben. Der Zuschuss war 2016 begrenzt auf 30.000 Euro und 2017 auf 25.000 Euro. Wir haben auch in diesem Jahr ganz gut gestartet, konnten mehr Sponsoren gewinnen und Partnerschaften abschließen. Aber es gibt auch Abende, an denen nur 100 Gäste kommen. In den nächsten Wochen müssen wir daher schauen, wie sich die Besucherzahlen und die Deals mit den Künstlern zusammenaddieren.

Machen Sie sich überhaupt Gedanken über die neue Saison, auch wenn Sie noch keine Zusage über Zuschüsse von der Gemeinde haben?
Natürlich machen wir uns Gedanken über das nächste Jahr. Vor allem, weil wir 2018 25-jähriges Jubiläum hätten. Alleine das lässt uns schon jetzt überlegen, welche Veranstaltungen und Künstler da besonders gut hinpassen würden.

Heißt das, die Zukunft des Meerkabaretts ist unsicher?

Das Meerkabarett ist auch eine Herzensangelegenheit und die 24 Jahre, die es das Meerkabarett gibt, haben gezeigt, dass es ein wichtiger kultureller Leuchtturm der Insel ist. Klar möchten wir 2018 wieder mit einem tollen Programm aufwarten. Wir werden jetzt erst einmal in Ruhe mit der Gemeinde über diese Saison und die Zukunft sprechen. Die Unterstützung durch die Gemeinde sehen wir ganz klar auch als Verpflichtung, der Gemeinde etwas zurückzugeben. Wir wollen daher ein attraktives Programm machen, das viele Gäste und Sylter sehen und dann zufrieden rausgehen. Wichtig ist aber, dass auch weiterhin Kultur auf der Insel nicht vernachlässigt wird und Sylt auch zukünftig als Kulturinsel stärker dargestellt werden sollte – und nicht nur als Natur-, Sport-, Kulinarik- und Hotel-Hot-Spot.

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