Sylter Polizei : Westerlands Wache wird zur Dauerbaustelle

Abgesperrt: Der alte Haupteingang der Sylter Polizeistation. Fotos: Henningsen
Abgesperrt: Der alte Haupteingang der Sylter Polizeistation. Fotos: Henningsen

Die Polizei und das Gebäudemanagement des Landes suchen nach einem Ausweichquartier für die Sylter Beamten.

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20. Juni 2018, 05:56 Uhr

Eigentlich sollte alles ganz schnell gehen: Die Polizisten gehen zum 8. Januar raus, die Handwerker bauen die Wache um und zu Ostern können alle zurück an ihren vertrauten Platz. Doch Ostern ist längst vorbei, nun wird die Renovierung des Sylter Polizeireviers womöglich zum jahrelangen Ärgernis. Bei den Beamten liegen die Nerven blank. Wenn keine andere Lösung gefunden wird, sollen sie in 85 Container umziehen.

Das altehrwürdige Polizeigebäude in Westerland stammt aus dem Jahr 1906, wurde damals unter preußischer Regierung als Amtsgericht erbaut und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Als die Justiz in den 70er Jahren nach Niebüll wechselte, zog die Polizei von der Bomhoffstraße in den Kirchenweg.

Im Zuge der Renovierung sollte die Wache im Erdgeschoss – Anlaufstelle für viele Sylter und Gäste – vor allem aus Sicherheitsaspekten auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Fast zwei Jahre dauerte die Vorbereitung. Die technischen Details wurden vom Kieler Landespolizeiamt geplant, für die Abwicklung ist die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein) zuständig, der 1999 gegründete Nachfolger der Landesbauverwaltungen. Die Wache zog zu Jahresbeginn auf den Hinterhof um, in den Seminarraum des 2011 für den Bäderdienst errichteten Neubaus, während vorne die Handwerker anrückten. „In drei Monaten entsteht hier eine neue, moderne und vor allem sichere Polizeiwache, die allen Ansprüchen genügen wird“, erklärte der Sylter Polizeichef Dieter Johannsen im Januar. Heute will er zum Verlauf der Bauarbeiten nichts mehr sagen. Nur so viel: „Die polizeiliche Arbeit leidet nicht darunter, die Bevölkerung muss sich keine Sorgen machen.“

Doch dass sich auf der Baustelle seit fünf Monaten nur wenig bewegt, ist den 58 Sylter Polizisten und den acht Kripoangehörigen nicht vorenthalten geblieben. Ein Baugerüst an der Vorderseite des Polizeireviers sei nach drei Monaten wieder abgebaut worden, ohne dass es auch nur von einem Handwerker genutzt wurde, heißt es. Schert es in Kiel niemanden, ob es auf der Sylter Baustelle voran geht?

Unsere Zeitung fragte Barbara Müller, Sprecherin der GMSH, woran die Fertigstellung scheitert. Das alte Gebäude hat offenbar seine Tücken: „Zu Beginn der Baumaßnahme haben wir Mängel an der Deckenkonstruktion der Kellergeschossdecke festgestellt, im weiteren Bauablauf auch Mängel an der Obergeschossdecke. Bei diesen Deckenkonstruktionen handelt es sich um eine gemauerte, zwölf Zentimeter starke Ziegelsteindecke mit eingelegten Blechen in den Mörtelfugen. Durch Feuchtigkeit sind im Laufe der Jahrzehnte die Bleche korrodiert, die Fugen zeigen Risse und die Ziegelsteine haben bereichsweise ihre Festigkeit verloren.“

In der Stellungnahme aus Kiel heißt es weiter: „Ein Grundproblem des Gebäudes ist die starke Durchfeuchtung der Außenwände, die auch der Lage in Meeresnähe auf einer Insel geschuldet ist. Um eine weitere Durchfeuchtung zu verhindern, ist eine Außenwandsanierung erforderlich.“ Dafür müssten dem Mauerwerk Proben entnommen werden. „Diese notwendigen Arbeiten laufen momentan bzw. sind in Vorbereitung.“ Allerdings habe die EVS inzwischen die veralteten Hausanschlüsse für Gas und Wasser neu hergestellt und auf den neuesten Stand der Technik gebracht, hebt Barbara Müller positiv hervor.

Aber die Mängelliste der GMSH geht noch weiter: „Ein Teil der Außenfenster hat Stürze aus Stahlträgern. Diese Träger sind komplett korrodiert und dauerhaft nicht mehr tragfähig. Alle Außenwände der Wetterseiten haben innen einen Isolieranstrich als Schwarzanstrich aus der Anfangszeit des Gebäudes. Dieser Isolieranstrich muss für die feuchtigkeitsbedingte Sanierung entfernt werden. Dafür muss der Innenputz an diesen Flächen abgebrochen werden. Teilbereiche der Kellergeschossdecke hat der Statiker bereits für nicht mehr tragfähig erklärt. Die Sanierungsmaßnahmen durch Abbruch der Ziegelsteindecken und Erneuerung durch Stahlbetondecken sind bereits in der Ausführung.“ Ob der Isolieranstrich Gefahrstoffe enthält, konnte die Sprecherin gestern nicht beantworten.

Allerdings sei durch die Vielzahl der Mängel nun eine statische Beurteilung des Gebäudes nötig, erklärte Barbara Müller. „Deswegen und wegen der sich abzeichnenden weiteren Baumaßnahmen hat die Polizeidirektion Flensburg entschieden, das Gebäude zu räumen.“ Im Moment werde der erforderliche Raumbedarf für eine Auslagerung des kompletten Dienstbetriebs geprüft und nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.

Mit der Wache im Neubau und den vier Bürocontainern auf dem Hinterhof ist es also nicht getan. Insider berichten, dass das teilweise leerstehende Telekom-Gebäude an der Stephanstraße als Ausweichquartier infrage käme – oder ersatzweise bis zu 85 Bürocontainer. Viel zu viele für das Gelände am Kirchenweg.

Wie lange die Sylter Polizeistation noch Baustelle sein wird und welche Kosten auf das Land zukommen, steht noch in den Sternen. Barbara Müller: „Dazu können wir erst etwas sagen, wenn wir alle Untersuchungen und Planungen abgeschlossen haben.“

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