Westerland in Zahlen: Hier lebt die halbe Insel

Mit den Einkaufsmöglichkeiten sind die Westerländer ganz zufrieden - mit ihrer Wohnsituation dagegen eher nicht.  Foto: Staudt
1 von 2
Mit den Einkaufsmöglichkeiten sind die Westerländer ganz zufrieden - mit ihrer Wohnsituation dagegen eher nicht. Foto: Staudt

Wer in Westerland wohnt, hat zwar jede Menge Einkaufsmöglichkeiten, vermisst aber oftmals eine intakte Nachbarschaft - sagt das insulare Wohnungsmarktkonzept

shz.de von
13. Mai 2013, 10:02 Uhr

Westerland | Die Ortsteil Westerland ging aus der bis Ende 2008 eigenständigen Stadt Westerland hervor. Westerland ist das Zentrum der Insel und hat eine wichtige Versorgungsfunktion für alle Teile der Insel. Der Ortsteil ist städtischer geprägt als alle anderen Orte/Ortsteile. Im zentralen zwischen Bahnhof und Westküste gelegenen Bereich dominiert neben der gewerblichen Nutzung das temporäre Wohnen in Form von Hotels sowie Appartementhäuser für Ferien- und Zweitwohnungen. Nördlich und südlich schließen Gebiete mit verdichteter 1-2-Familienhausbebauung beziehungsweise kleinen Mehrfamilienhäusern an, die sowohl dem temporären Wohnen wie auch dem Dauerwohnen dienen.

Umfangreiche Geschosswohnungsbestände der 1950er- bis 1970er-Jahre finden sich im Nordosten (Westheding, Hugo-Köcke-Weg) sowie Süden von Westerland (Theodor-Heuss-Straße, Hans-Böckler-/Königsberger-/Breslauer-/Stettiner Straße). Eigentümer sind vor allem die kommunale KLM, aber auch die Genossenschaft Gewoba Nord sowie private Eigentümer (Eigentumswohnungen Theodor-Heuss-Straße).

Die Mehrfamilienhausbestände, insbesondere die in den 1950er-Jahren errichteten Siedlungen, weisen zum Teil einen erheblichen Erneuerungsbedarf auf. Seit 2003 werden seitens des KLM sukzessive Bestände erneuert (teilweise realisiert/teilweise geplant), wobei sich erwiesen hat, dass die Bestände nicht immer modernisierungsfähig sind, sondern ein Abriss und Ersatzneubau die tragfähigere Erneuerungsstrategie darstellt. Auch wenn sich in den Mehrfamilienhausbeständen zum Teil verstärkt Haushalte mit geringen Einkommen finden, so haben nach einhelliger Experteneinschätzung die Gebiete - anders als häufig andere Siedlungen der 1950er bis 1970er-Jahre - nicht den Charakter von Problemgebieten. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass infolge des knappen Wohnungsangebots in den Quartieren einkommensstärkere Gruppen vertreten sind, die in entspannteren Märkten eher in andere Bestände ziehen würden.

Die Lagequalitäten der Teile von Westerland unterscheiden sich aufgrund unterschiedlicher Kombinationen der Nähe zur Küste, zum Zentrumskern (Fußgängerzone) und zu gewerblichen Flächen (Bahn etc.) sowie der baulich unterschiedlich attraktiven Quartiere erheblich. Die Bodenrichtwerte bewegen sich in Zonen, in denen eine Wohnbebauung möglich ist, in einer breiten Spanne zwischen 600 Euro pro Quadratmeter in Randbereichen und 4 800 Euro pro Quadratmeter im Kern und liegen damit im Inselvergleich sowohl im unteren, mittleren als auch oberen Bereich.

Ein Großteil der Inselbevölkerung mit Hauptwohnsitz beziehungsweise fast die Hälfte der Inselbewohner (47 Prozent) leben in Westerland. Ende 2011 waren im Ortsteil Westerland 9 174 Personen mit Hauptwohnsitz und 1 893 Personen mit Nebenwohnsitz gemeldet. Insgesamt ist der Ortsteil damit im Vergleich zur gesamten Insel Sylt spürbar geringer von Zweitwohnsitzen und spürbar mehr von Dauerwohnbevölkerung geprägt (Anteil Nebenwohnsitze 17 Prozent, Insel Sylt 31 Prozent). Nach den Erhebungen des Inselbauamts ist der Anteil der ortsfremden Eigentümer beziehungsweise Zweitwohnsitznutzer an der Hauptwohnsitzbevölkerung in Westerland unterdurchschnittlich (5 Prozent gegenüber 7 Prozent Insel gesamt). Die Zahl der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz entwickelte sich in Westerland mit einem Rückgang um 1 Prozent von 2005 bis 2011 etwas günstiger als der Inseldurchschnitt (-2 Prozent). Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt etwas über dem Inseldurchschnitt (47,3 Jahre gegenüber 46,4 Jahre).

Die Westerländer mit Hauptwohnsitz wohnen mit einem Anteil von 36 Prozent relativ selten in 1-2-Familienhäusern (45 Prozent Insel Sylt) und häufig in Mehrfamilienhäusern/sonstigen Gebäuden (63 Prozent gegenüber 55 Prozent Insel Sylt). Der Ortsteil Westerland ist in höherem Maße von Mieterhaushalten geprägt als die Insel Sylt insgesamt (60 Prozent gegenüber 52 Prozent) und von einem kleineren Anteil an Eigentümerhaushalten (40 Prozent gegenüber 48 Prozent).

Die Wohnungsmarktsituation ist für den Ortsteil Westerland wie auch für die Insel Sylt insgesamt als sehr angespannt einzustufen. So ist auch der Anteil der Untermieter an den Mieterhaushalten aufgrund der Wohnungsmarktlage mit 20 Prozent etwa ebenso ungewöhnlich hoch wie auf der Insel Sylt insgesamt.

Die zur Miete wohnenden Einwohner des Ortsteils Westerland sind spürbar häufiger als der Inseldurchschnitt Mieter bei der Kommune beziehungsweise dem KLM sowie auch häufiger Mieter bei einer Wohnungsbaugesellschaft.

Die Haushalte in Westerland sind mit ihrer Wohnsituation in etwas geringerem Maße zufrieden als die Inselbewohner insgesamt (70 Prozent gegenüber 73 Prozent), der Anteil mit Umzugsabsicht liegt nur geringfügig über dem Inseldurchschnitt (35 Prozent gegenüber 34 Prozent).

Das Infrastrukturangebot von Westerland ist mit Abstand das Beste der Insel. Die gesamte auf der Insel verfügbare Breite an Infrastrukturen ist in Westerland vorhanden: Auf der Insel nur einmalig vorhandene Angebote wie Oberschule (Gymnasium mit Regionalschulteil), Nordseeklinik, stationäre Pflege für Ältere/Behinderte oder Polizeistation sind in Westerland lokalisiert, auch viele auf der Insel nur in einzelnen Orten verfügbare Angebote wie Grundschule, betreutes Wohnen, Ärzte oder Geschäfte des längerfristigen Bedarfs sind dort vielfach vertreten. Im Rahmen der Schließungen von Polizeistationen und Grundschulen auf der Insel erfolgte jeweils eine Bündelung zugunsten eines Angebots in der Inselmitte beziehungsweise in Westerland.

Dementsprechend sehen von den Haushalten des Ortsteils Westerland mit 77 Prozent viele für sich eine eher gute/sehr gute Versorgung mit Dienstleistungen und Infrastruktureinrichtungen über das Jahr insgesamt (gegenüber 68 Prozent Insel). Für 32 Prozent der Haushalte hat sich die Versorgung in den letzten fünf Jahren verbessert, während sie sich für lediglich 12 Prozent verschlechtert hat. Damit hat sich die Versorgung bei den Westerländern für einen wesentlich geringeren Teil der Haushalte verschlechtert als auf der Insel insgesamt (20 Prozent).

Die Haushalte in Westerland beurteilen ihre Versorgung auch bei den einzelnen Angeboten fast durchgängig besser als die Haushalte auf der Insel insgesamt (Ausnahme: gleicher Durchschnitt bei Kindergärten). Besonders gut wird die Versorgungssituation bei Geschäften des längerfristigen Bedarfs, Post/Banken, privaten Dienstleistungen und Ärzten eingeschätzt. Zwar sieht eine Mehrheit der Westerländer den Ortsteil als sichere Wohngegend an, dies aber seltener als im Inseldurchschnitt (trifft voll zu 51 Prozent; Insel 59 Prozent). Dass gute Kontakte in der Nachbarschaft bestehen, sehen 31 Prozent, und 49 Prozent stimmen dem nur teilweise zu. Noch weniger Bewohner stellen im Ortsteil Westerland ein intaktes Leben Einheimischer (20 Prozent voll, 57 Prozent teilweise zutreffend) oder viele lokale Aktivitäten (10 Prozent voll, 38 Prozent teilweise zutreffend)fest. Die Anteile der positiven Bewertungen zu guten Nachbarschaftskontakten, zum intakten Leben Einheimischer und zu lokalen Aktivitäten liegen etwas unter dem Inseldurchschnitt (insbesondere Nachbarschaften und Aktivitäten).

Dass dies in einem Ortsteil der Fall ist, der durch vergleichsweise wenige Zweitwohnsitze geprägt ist, lässt darauf schließen, dass auch die in Westerland bestehende Mischung aus umfangreichem touristischen Wohnen und einer städtischen Prägung des Dauerwohnens (höhere Anonymität etc.) einer engen Gemeinschaft der Ortsansässigen Grenzen setzt.

In der Serie "Sylt in Zahlen" stellt die Sylter Rundschau in loser Folge Ausschnitte aus dem Wohnungsmarktkonzept vor, das die Inselgemeinden vom Berliner Institut für Stadtforschung erstellen ließen, um den Dauerwohnraum-Bedarf auf der Insel zu analysieren. Das gesamte Konzept gibts im Internet auf www.gemeinde-sylt.de.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen