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Erfolg : Werkstatt 36: Gut, günstig und sozial

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"Möbel und Mehr" - dieser Slogan steht für die "Werkstatt 36". Dass es hier günstig gut aufbereitete Möbel gibt, hat sich auf Sylt inzwischen herumgesprochen. Nun wird die Institution ein Jahr alt.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2008 | 07:17 Uhr

Tinnum | Wer sich von gebrauchten Möbeln trennt, die für den Sperrmüll eigentlich zu schade sind, der ruft die 835 73 81 an. Und wer auf der Suche nach günstigen und gut erhaltenen oder aufbereiteten Einrichtungsgegenständen ist, der guckt in der Keitumer Landstraße 36 vorbei.

Seit einem Jahr ist die "Werkstatt 36" der insulare Umschlagplatz für Mobiliar aller Art - von Tisch, Schrank und Bett über Küchen und Bäder bis hin zur Heimorgel und zum Strandkorb. "Wir sind für die Sylter da, die sich nicht viel leisten können. Hier kann man eine komplette Wohnungseinrichtung für unter 500 Euro kaufen", sagt Jan Lindemann-Rathjen, seit Mai neuer handwerklicher Leiter der Werkstatt. Zu den Kunden zählen aber auch Leute, die einfach nur auf der Suche nach einem Schnäppchen sind. "Das soll auch so sein, davon finanzieren wir uns schließlich zu einem Teil", betont Heiner Jensen, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Südtondern, das auch die "Werkstatt 36" betreibt. Rund 60 000 Euro wird die Werkstatt so im Laufe eines Jahres einnehmen. Neben den öffentlichen Zuschüssen, privaten Spenden und der kostenfreien Nutzung des einer Stiftung gehörenden Gebäudes eine wichtige Säule der Finanzierung.
13 Ein-Euro-Jobber arbeiteten hier im letzten Jahr

Gebrauchte Möbel günstig anzubieten, ist aber nur die eine Seite der Werkstatt. Die andere ist die Beschäftigung, Qualifizierung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen. 13 dieser so genannten Ein-Euro-Jobber wurden hier im Laufe des letzten Jahres beschäftigt - einem davon wurde eine Lehrstelle vermittelt, einer in den ersten Arbeitsmarkt integriert und ein weiterer wird in Kürze in ein festes Arbeitsverhältnis kommen, wenn die "Werkstatt 36" den Betrieb der neuen Schulmensa übernimmt.

Zur Erfolgsbilanz des Projektes, zu dem neben drei hauptamtlichen Mitarbeitern auch ehrenamtliche Helfer beitragen, gehört auch die Beschäftigung der zum Teil seit langem arbeitslosen Menschen. "Die meisten haben wirklich Lust zu arbeiten und kommen gerne her, auch wenn Jobs in der Wirtschaft für sie nicht mehr in Frage kommen", sagt Lindemann-Rathjen. In der sehr gut ausgestatteten Werkstatt mit modernsten Geräten und einem eigenen Lackierraum können die Männer ihr Geschick voll entfalten und die Möbelstücke nach dem Aufarbeiten oft selbst nicht wiedererkennen.
Anfangs wurde die Werkstatt mit Möbeln "zugeschüttet"

"Bei vielen merkt man nach einiger Zeit deutliche Veränderungen, durch die Arbeit und die sozialen Kontakte werden sie aufgeschlossener und selbstbewusster", berichtet Sozialpädagogin Mareike Böhm. Nachdem die Werkstatt 36 anfänglich "mit Möbeln nur so zugeschüttet wurde" (Jensen), hat sich der Betrieb jetzt eingespielt. Mittlerweile werden nur noch Sachen abgeholt, die sich auch verkaufen lassen.

Obwohl die "Werkstatt 36" eine soziale Einrichtung bleiben und weiter finanzielle Förderung benötigen wird, glaubt Heiner Jensen, dass "wir in zwei Jahren fast ohne öffentliche Zuschüsse auskommen können". Erreichen will er dies über das Anbieten von Dienstleistungen. Beispielsweise den Betrieb der Schulmensa im Auftrag des Schulverbandes. Oder als "Sub-Unternehmer" der regionalen Wirtschaft. "Wir können kleine Reparaturen anbieten, die für keinen Handwerksbetrieb wirtschaftlich sind." Ein Vereinbarung mit der Kreishandwerkerschaft gehört ebenso zu den Zielen für das zweite Jahr, wie die Umsetzung von Qualifizierungsmaßnahmen für arbeitslose Jugendliche.

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