Westerland/Keitum : Wer zieht ins Keitumer Lehrerhaus?

Bezugsfertig: Lehrerhaus im Melnwai.  Foto: dre
Bezugsfertig: Lehrerhaus im Melnwai. Foto: dre

SWG kritisiert intransparentes Vergabeverfahren für ehemaliges Lehrerhaus in Keitum / Ausschuss beschließt "öffentliche Ausschreibung"

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27. April 2012, 09:47 Uhr

Westerland/Keitum | Wer darf in das sanierte Lehrerhaus in Keitum einziehen? Auf der jüngsten Sitzung des Wohnungsbauausschusses hagelte es Kritik für die bisherige Vergabepraxis. "Ich möchte nicht, dass bestimmte Gruppen bevorzugt werden", mahnte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Klaus Jensen (SWG) und brachte damit sein Unbehagen über die vorhandenen Bewerberlisten zum Ausdruck. Zuvor hatte KLM-Betriebsleiter Joachim Schweitzer eine "Erbpacht- und eine Bewerberliste" ins Feld geführt, aus der die Amtsleiterunde des KLM einen Mieter auswählen wollte.

Bereits die Vergabe der ersten Wohnung im Lehrerhaus hatte Verwunderung ausgelöst: Neulich hatte sich Roland Klockenhoff (Grüne) im Ortsbeirat Keitum laut gefragt, warum dort ein Chefarzt der Nordseeklinik untergebracht ist. Asklepios, als gewinnorientierter Konzern, solle selbst für Mitarbeiterwohnungen sorgen. Bürgermeisterin Petra Reiber entgegnete, dass aufgrund der hohen Mieten für das Lehrerhaus (rund 1 800 Euro) die Anzahl der Bewerber sehr gering gewesen sei. "Und ohne diese Möglichkeit wäre der Arzt nicht nach Sylt gekommen."

Für die jetzige Vergabe sieht die Situation anders aus: Die Wohnung in dem für 470 000 Euro komplett sanierten Reetdachhaus ist heiß begehrt. Doch die 100 Quadratmeter der ehemaligen Lehrerwohnung sollen in erster Linie an Berufsgruppen vergeben werden, die der Daseinsvorsorge dienen. Mit anderen Worten: Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute oder Ärzte hätten Vorrang.

Doch auch, wenn die Wohnung mit einem Quadratmeterpreis von 14,50 Euro nicht für jeden Berufsstand erschwinglich sein dürfte, so drängte Klaus Jensen doch darauf "allen potentiellen Interessenten eine faire Chance" zu geben. Ziel sei "mehr Transparenz und Gerechtigkeit", so der Kommunalpolitiker. Dass der Wohnraum nicht für Jedermann bezahlbar sein würde, hatte Joachim Schweitzer bereits vor der Sanierung angemerkt: "Ich habe von Anfang an darauf hingewiesen, dass der Wohnraum teuer wird."

Ohne große Umschweife schlug Ausschussvorsitzender Holger Flessau (CDU) daraufhin vor, die Wohnung öffentlich auszuschreiben. Dem Vorschlag folgten die Ausschussmitglieder. Der Weg über die Listenauswahl ist damit nicht mehr gangbar. Somit werden die 100 begehrten Quadratmeter im Melnwai demnächst als Anzeige der Öffentlichkeit zur Miete angeboten.

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