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Sabotage auf Sylt : Wer spielt mit dem Leben der Wasserretter?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Westerlands Feuerwehrkameraden sind schockiert: Ein Unbekannter manipulierte zwei Boote und einen Jetski der Wasserrettung.

von
erstellt am 21.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Wer sein Leben riskiert, um das anderer Menschen zu retten, der muss sich hundertprozentig auf das Material und die Kameraden verlassen können – ganz besonders auf dem Wasser. Umso schockierter sind die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner der Sylter Wasserrettung angesichts eines Vorfalls, der sich vor einer Woche ereignet: Auf dem Weg zur Taufe des neuen Seenotretters in List setzte vergangenen Sonnabend kurz nach dem Start im Munkmarscher Hafen die Maschine des Ölwehrbootes aus, kurz darauf streikte in voller Fahrt auch der Motor des Jetski. Wie sich später herausstellte, waren beide Fahrzeuge, wie auch das noch fahrbereite Schlauchboot, durch größere Mengen Wasser in den Tanks und andere Manipulationen gezielt sabotiert worden. Da es sich um Süßwasser handelte und alle drei Fahrzeuge betroffen waren, kann ein zufälliges Eindringen auf See ausgeschlossen werden.

„Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn die Fahrzeuge nicht auf der ruhigen Wattseite, sondern bei einer Übung oder einem Ernstfall auf der Westseite ausfallen – dann wären die Kameraden in akuter Lebensgefahr gewesen“, sagt Christian Strauch, Gruppenführer der Wasserrettung. Gerade der für die Erstrettung von Surfern oder Kitern eingesetzte Jetski sei ohne Antrieb kaum noch schwimmfähig. „Zwei Leute können sich daran nicht über Wasser halten“, sagt Strauch, „da hat jemand bewusst Leib und Leben der Kameraden aufs Spiel gesetzt – einfach unfassbar!“

Westerlands Wehrführer Jörg Elias erschreckt zudem der begründete Verdacht, dass der Saboteur selbst zum Kreis der ehrenamtlichen Rettungskräfte der Insel gehört: „Die Fahrzeuge waren zuletzt alle gemeinsam in der Katastrophenschutz-Halle 28 auf dem Fliegerhorst untergestellt, zu der nur die Feuerwehr, das DRK und das Rettungscorps Zugang haben. Der Täter muss also aus diesem Kreis kommen.“ Und er muss Fachkenntnisse im Umgang mit dem Rettungsgerät haben. „Gerade beim Jetski muss man genau wissen, wie man an die Technik rankommt.“

Alles weitere zur möglichen Motivation und Herkunft des Täters wäre reine Spekulation. Ob der seit längerem schwelende Streit um die Zuständigkeit für die Wasserrettung in der Gemeinde Sylt eine Rolle spielt, ist für Elias ebenso zweitrangig wie die Frage, ob der aktuelle Vorfall im Zusammenhang mit den im September entdeckten Sabotageversuchen an technischen Einrichtungen der im Bau befindlichen neuen Feuerwache. „Das wissen wir nicht. Wir hoffen aber, dass der Verantwortliche gefasst wird, der bewusst in Kauf nimmt, dass Leute in Gefahr geraten, wenn sie anderen das Leben retten.“

Nachdem die Feuerwehr umgehend nach dem Vorfall Anzeige bei der Polizei erstattete, hat Bürgermeisterin Petra Reiber jetzt auch noch eine Belohnung von eintausend Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Überführung des Täters beitragen.

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