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Strandgut : Wer oben wohnt, macht das Licht an

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Kolumne "Strandgut" geht Autor Jörg Christiansen der leidenschaftlichen Diskussion über einen gemalten Leuchtturm auf den Grund.

von
erstellt am 15.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Auch – oder gerade – wer keinen Kunstsachverstand hat, hat zu Kunstwerken auf jeden Fall eine eigene Meinung. Da ist es völlig egal, ob es sich um alte Meister, grüne Riesen oder naive Wandmalerei handelt. Kaum ein Thema – der Ausbau von Wohnstraßen einmal abgesehen – erregt so die Gemüter wie Kunst im öffentlichen Raum.

Für die einen ist eine bemalte Hausfassade eine Verschandelung des – schon jetzt kaum noch erkennbaren – historisch geprägten Stadtbildes, den anderen entlockt ein einfacher Leuchtturm fast schon exstatische Begeisterung. Nimmt man das umstrittene Objekt jedoch einfach als das, was es ist, dann kann man nur der Privatmeinung unseres Bürgervorstehers zustimmen. „Alles ist besser, als eine nackte graue Wand.“

Zu kurz gekommen ist bei der Diskussion der letzten Tage auf jeden Fall die Innensicht, also die der Hausbewohner. Vor allem jene sechs Mietparteien, die plötzlich nicht mehr in einem schnöden Plattenbau, sondern hinter Leuchtturm-Fenstern wohnen. Fühlt es sich für sie jetzt anders an, wenn sie aus dem Fenster schauen? Haben sie womöglich Angst, dass die Miete angesichts der gemalten Exklusivität jetzt steigt? Darf sich der Hausmeister künftig Leuchtturmwärter nennen? Und muss der Mieter im obersten Stockwerk nachts das Licht brennen lassen? Man sieht, das Thema ist noch längst nicht ausdiskutiert.

Apropos ausdiskutiert: Eigentlich sollten sich zumindest die Westerländer unter den Gemeinde-Politikern doch freuen. Hat die zum Ortsteil degradierte Stadt doch endlich wieder einen Leuchtturm, nachdem ihr beturmtes Wappen vor vier Jahren der Fusion zum Opfer gefallen ist.

Übrigens scheint die Ablehnung des Wandgemäldes seitens der Gemeinde eher etwas halbherzig gewesen zu sein. Sonst hätte man dem Gericht dessen Entscheidung zugunsten das Hauseigentümers wohl kaum so leicht gemacht. Wo bleibt bei dem Rechtsstreit das offenkundige Argument, dass es sich bei der Wandmalerei um nichts anderes als ein verkapptes (und damit verbotenes) Werbeplakat handelt? Überall anders als auf der Insel selbst würde so ein Bild sofort als Sylt-Werbung erkannt werden...

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