Wer nicht will deichen ...

Die Häuser an der Rantumer Wattseite werden seit 25 Jahren durch den auf Privatgrund errichteten, aber vom Land unterhaltenen Deich Rantum-Inge geschützt.
Die Häuser an der Rantumer Wattseite werden seit 25 Jahren durch den auf Privatgrund errichteten, aber vom Land unterhaltenen Deich Rantum-Inge geschützt.

Gemeinde Sylt vergrößert Schutzstreifen des Rantum-Inge-Deiches von fünf auf 15 Meter und setzt auf das Einsehen der betroffenen Grundstückseigentümer

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23. November 2013, 00:33 Uhr

Auch im 21. Jahrhundert hat das alte plattdeutsche Sprichwort „Keen nich will dieken, de mutt wieken“ (wer nicht will deichen, der muss weichen) offenbar nichts an Aktualität verloren. Allerdings geht es heute nicht mehr darum, jemandem das Grundstück zu entziehen, der seinen Pflichten zur Deichunterhaltung nicht nachkommt, sondern zumeist um den moralischen Druck, private oder andere Interessen denen des Küstenschutzes unterzuordnen.

In der Gemeinde Sylt gilt dieser Druck derzeit den Grundeigentümern, die direkt hinter dem Rantum-Inge-Deich ihre Wohnhäuser und Gärten haben. Das Problem aus Sicht der Küstenschützer: Viele der Grundstücke sind so eng bebaut oder bepflanzt und etliche Terrassen und Schuppen so nah an den Deich gebaut, dass dessen Unterhaltung kaum noch möglich ist. Oder wie es Manfred Uekermann (CDU) als Vorsitzender des Landschaftszweckverbandes Sylt in der Gemeindevertretung formulierte: „Einige Anlieger haben ihre Gärten richtig schön angelegt, dabei aber vergessen, dass der Deich sie irgendwann einmal schützen soll.“ Weil der auf Privatgrund errichtete und zum Großteil durch Spenden finanzierte Deich keinen sogenannten Deichverteidigungsweg hat, sind die Mitarbeiter des Landesbetriebes für Küstenschutz auf den Zugang über die Privatgrundstücke angewiesen. Hinzu kommt, dass der vor 25 Jahren errichtete knapp 1,7 Kilometer lange Deich lediglich 5,05 Meter hoch ist und damit nicht die Kriterien eines Landesschutzdeiches erfüllt. Im Falle einer notwendigen Erhöhung, könnte dies nur durch eine landseitige Verstärkung geschehen.

Aus diesem Grund haben CDU, SPD und SSW den Antrag gestellt, den Arbeits- und Schutzstreifen des Deiches von bislang fünf auf künftig 15 Meter auszudehnen. Dieser Streifen muss künftig frei von Bebauung und gärtnerischer Gestaltung bleiben. Die Frage von Mario Pennino (SWG), ob dies auf eine Enteignung der Grundbesitzer hinauslaufe, ohne die es den Deich ja gar nicht gebe, konnte Uekermann klar verneinen. „Der Deich ist und bleibt Privatgrundstück, aber die Eigentümer werden sicher erkennen, dass diese Maßnahme ihrem eigenen Schutz dient.“ Dem Vorschlag Penninos, doch erst die Eigentümer und den Ortsbeirat zu beteiligen, folgte die Gemeindevertretung nicht, sondern schloss sich der Meinung Holger Weirups (SPD) an, „Nägel mit Köpfen zu machen“. Zumal der Rantumer Ortsbeiratsvorsitzende Frank Zahel den Vorschlag als „sehr sinnvoll“ bezeichnete und darauf verwies, dass das Thema mehrfach im Ortsbeirat besprochen worden sei.

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