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Urlaub auf Sylt : „Wer nach Sylt fährt, erwartet kein Mallorca-Wetter“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sommer in Norddeutschland lässt noch immer auf sich warten, Sylt-Urlauber wissen aber damit umzugehen.

Den Traum vom perfekten Strandurlaub haben wohl die meisten Touristen, die im Sommer auf die Insel kommen. Mit durchschnittlich 16,6 Grad Celsius war Schleswig-Holstein im Juli jedoch das kälteste Bundesland und bot nur wenige Sonnenstunden. Wie gehen die Sylt-Urlauber mit dem wechselhaften Wetter der vergangenen Wochen um? Die Sylter Rundschau hat sich bei Touristikern sowie bei Gästen in Wenningstedt und der Fußgängerzone in Westerland umgehört.

Familie Dineen voller Vorfreude auf einen ihrer letzten Urlaubstage am Strand.
Familie Dineen voller Vorfreude auf einen ihrer letzten Urlaubstage am Strand. Foto: Grewe

Kathrin Schäfer (28) und Etienne Schinkel (31) sind am Sonntag bei dem heftigen Platzregen (wir berichteten) auf Sylt angekommen und waren froh, dass das Wetter gegen Mittag wieder besser wurde. An den schönen Tagen hat das jungen Paar aus Göttingen natürlich Strandtage eingeplant. Doch auch bei schlechtem Wetter wissen sie sich zu beschäftigen: „Wir waren letztes Jahr auch im Winter hier. Da haben wir viel unternommen, haben das Aquarium und das Altfriesische Haus in Keitum besucht oder haben Tennis in der Halle gespielt“, berichtet das Pärchen. „Wenn kein Strandwetter ist, es aber auch nicht dauerhaft regnet, werden wir eine Fahrradtour nach List machen“, erzählt Etienne Schinkel, der die Insel schon seit seiner Kindheit kennt.

Nach über zehn Jahren ist Michael Struck (45) das erste Mal mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern auf Deutschlands nördlichste Insel gereist. Doch auch nach der langen Zeit ist dem Düsseldorfer das Wetter noch in Erinnerung geblieben: „Wenn man nach Sylt fährt, muss man mit allem rechnen!“, sagt Stuckmann. „Wir sind froh, dass es noch keinen Tag durchgehend geregnet hat und unternehmen daher viel draußen. Auch wenn es regnet, sind die Kinder jeden Tag schwimmen“, so Struckmann weiter.

Kathrin Schäfer und Etienne Schinkel genießen das Wetter in Wenningstedt.
Kathrin Schäfer und Etienne Schinkel genießen das Wetter in Wenningstedt. Foto: Grewe

Heidi Brachwitz (71) kommt seit über 40 Jahren nach Sylt und freut sich sogar manchmal über Regen: „So kann ich auch mal ausschlafen und habe nicht so ein schlechtes Gewissen. Bei gutem Wetter muss ich immer früh raus und was unternehmen“, sagt die Berlinerin.

Die vierköpfige Familie Dineen aus Tangstedt bei Hamburg hätte sich hingegen ein paar Sonnenstrahlen mehr erhofft: „Zwei Tage hat es schon ziemlich viel geregnet. Das ist blöd für die Kinder und für uns natürlich teurer als der Strand“, erzählt die Mutter, Silke Dineen (42). „Wir waren erst im Museum, in Westerland shoppen und dann im Kino“, ergänzt Thomas Dineen (46). Einen Vorteil jedoch hätte das Sylter Wetter: „Die Temperaturen auf Sylt sind genau richtig für uns. Wir waren einen Sommer auf Ibiza und da war es viel zu heiß. Der tolle Wind und die frische Luft, besonders für mich als Asthmatiker, sind super“, so der Hamburger, der auch schon mal zu einer Kur auf Sylt war und damals über vier Wochen nur gutes Wetter erlebte.

Sandra Schröder (44) und ihre Familie sind mit dem Wohnwagen nach Sylt gekommen. Sie alle gehören zu den hart gesottenen Sylt-Urlaubern und können sich trotz extremen Schlechtwetter-Erfahrungen keinen besseren Ort für den Urlaub vorstellen: „Vor vier Jahren waren wir während des Sturms ‚Christian‘ hier. Da musste sogar der Campingplatz evakuiert werden“, berichtet die Siegenerin. „Das war schon ein heftiges Erlebnis.“

Generell seien sie froh, nicht im Zelt zu schlafen, sondern im gut ausgestatteten Wohnwagen: „Dort haben wir warmes Wasser und einen Fernseher, da sind auch die Regentage gut auszuhalten.“ Wenn es ihnen dort zu eng wird, würden sie Ausflüge machen, wie zum Beispiel in die Sylter Welle. „Gerne setzen wir uns auch nur in ein überdachtes Café und beobachten die Leute auf der Insel – das ist manchmal besser als Kino“, sagt sie lachend.

Für nur vier Tage sind Julia Prawdzik (26) und Marcel Dobberku (27) aus Wolfsburg mit dem Wohnmobil angereist. „Durch den Wind kann es manchmal schon sehr kühl werden. Aber der Regen stört uns eigentlich nicht, Regenjacke an und gut ist“, sagt der VW-Mitarbeiter. In diesem Punkt sind sich alle einig: Mit der richtigen Kleidung sind Strandspaziergänge auch im Regen eine schöne und entspannende Angelegenheit.

Claas-Erik Johannsen, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sylt ist überzeugt, dass die Urlauber zufrieden mit der Wetterlage der letzten Wochen sind: „Die Gäste sind froh, dass sie momentan auf Sylt sind. Die frische Luft und der Wind sind den meisten unserer Besucher lieber als die schwüle Hitze, die zum Teil in Süddeutschland herrscht“, sagt Johannsen. Auch die Lust aufs Fahrradfahren vergehe den Urlaubern nicht durch einen kleinen Schauer, so der Dehoga-Vorsitzende, weiterhin würden eine Menge Räder vermietet.

Auch Boris Ziegler, Kurdirektor von List, ist sicher, dass die Sylt-Urlauber auf das wechselhafte Wetter eingestellt sind: „Wer an die Nordsee fährt, erwartet kein Mallorca-Wetter und die vielen Stammgäste wissen sowieso, worauf sie sich einlassen“, sagt Ziegler. Auswirkung auf die Buchungslage sieht er in diesem Jahr nicht: „Stornierungen oder frühere Abreise sind bei uns in List in diesem Jahr noch nicht im großen Stil aufgetreten. Wir merken aber, dass mehr Auto gefahren wird. Die Leute wollen die Sicherheit, im Trockenen nach Hause zu kommen, das verlangsamt den Verkehr auf der Insel spürbar“, so der Kurdirektor weiter.

Die Kurverwaltung List sorgt dafür, dass auch bei Wind und Regen ein Angebot für die Touristen besteht: Die Strand-Animation für Kinder wird bei schlechten Bedingungen in die Sporthalle verlegt. „Da können sich die Kinder auch bei Sturm austoben.“

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