Gemeindevertretung Wenningstedt-Braderup : Wer macht in Wenningstedt Politik?

Katrin Fifeik,  Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, im Dezember 2012 an der künftig zu bebauenden Osterwiese.
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Katrin Fifeik, Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, im Dezember 2012 an der künftig zu bebauenden Osterwiese.

Einige Gemeindevertreter in Wenningstedt beklagen, dass Tourismusdirektor Henning Sieverts zu viel Einfluss auf politische Entscheidungen erhalten habe. Sieverts und die Bürgermeistern halten dagegen.

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03. Juli 2014, 05:35 Uhr

Der Unmut über die Arbeit in der Gemeindevertretung Wenningstedt-Braderup bricht nicht ab. Nachdem das Bündnis Wenningstedt-Braderup (BWB) in der jüngsten Sitzung mit einem Antrag das Bauprojekt Osterwiese zur erneuten Diskussion gebracht hatte und eine Vertagung des Themas durchsetzte (wir berichteten), machte Gemeindevertreter Marc Welsch (Aktive Bürger) bereits in der Sitzung seinem Ärger Luft. Er beklagt die politische Einflussnahme nicht gewählter Personen, beispielsweise von Henning Sieverts, Geschäftsführer des Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup (TSWB). Brigitte Führ (BWB) unterstützt ihn dabei und sprach gegenüber der Sylter Rundschau von einem „mangelnden Demokratieverständnis“ im Ort. Bürgermeisterin Katrin Fifeik zeigt sich indes empört über die Vorwürfe.

Eigentlich soll es so ablaufen, dass die Gremien der Gemeindevertretung zuarbeiten und dort dann über die Vorschläge zunächst beraten wird und gegebenenfalls Änderungen vorgenommen werden, betont Welsch. Inzwischen sei es aber Usus, dass die Vertretung vor vollendete Tatsachen gestellt werde und so ihre Entscheidungsgewalt verloren habe.

Das sei zum Beispiel im Februar der Fall gewesen, als es um die Parkgebühren im gesamten westlichen Gemeindegebiet ging. Eine Arbeitsgruppe, der auch Henning Sieverts angehörte, sei im Stillen gegründet worden und habe die Vertretung mit einem fertigen Konzept überrumpelt. „Man fühlte sich überfahren und unter Druck gesetzt“, sagt er. Durch solch eine Arbeitsweise sei das Vertrauen in die Gremien weggebrochen. Deshalb hätten er und zwei weitere Mitglieder der Aktiven Bürger auch am Montag für den Antrag des BWB auf Vertagung des Themas Osterwiese und damit auch gegen die Bürgermeisterin gestimmt. Fifeik gehörte bis zur Kommunalwahl den Aktiven Bürgern an, besucht aber auch heute noch deren Fraktionssitzungen. Welsch möchte – wie auch das BWB – alle Fakten klar auf dem Tisch haben, um eine solche Situation wie im Februar nicht noch einmal zu erleben.

Grundsätzlich habe Welsch aber nichts gegen Arbeitsgruppen. Ganz im Gegenteil, sie seien wichtig: „Die Fachleute arbeiten häufig effizienter und auch schneller. Doch politische Entscheidungen müssen wieder von den gewählten Vertretern getroffen werden.“

Auch das hohe Engagement von Sieverts lobt er. Doch er sei nun mal kein gewähltes Mitglied und somit müsse man ihm die politische Entscheidungsgewalt entziehen. Unterstützung bekommt Welsch dabei vom BWB. Brigitte Führ schätzt die Arbeitspraxis in der Vertretung als „äußerst bedenklich“ ein: „Es ist hier nicht mehr demokratisch“, sagt sie. Auch Führ würdigt Sieverts Arbeit, gleichzeitig betont sie aber: „Er muss neutral bleiben. Er hat von Frau Fifeik einen zu großen Einflussbereich bekommen.“

Die Bürgermeisterin selbst findet die Anschuldigungen haltlos. „Wir können so froh sein, dass wir Herrn Sieverts hier haben. Er hat für uns schon so viel getan. Die Angriffe gegen ihn sind nicht gerechtfertigt“, sagte sie auf Nachfrage. Beispielsweise habe er die Hundstage in den Ort gebracht, für eine Rangerin gesorgt und großen Einsatz beim Haus des Gastes gezeigt. „Er macht hier nur seinen Job und den auch noch wirklich famos“, verteidigt sie ihn.

Henning Sieverts selbst kritisiert an der ganzen Diskussion vor allem, dass die Vorwürfe erst im Nachhinein auf den Tisch kommen. Schließlich sei das Thema Parkgebühren schon ein paar Monate her. Von einer politischen Einflussnahme will er nichts wissen. „Natürlich habe ich eine Meinung, diese vertrete ich auch. Aber der Gemeindevertretung steht es frei, am Ende des Tages selbst zu entscheiden.“

Sieverts versteht seine Funktion als Geschäftsführer als eine gestaltende. Er habe durch die enge Zusammenarbeit mit der Bürgermeisterin und dank kurzer Entscheidungswege viele Projekte schnell nach vorne bringen können. Sollte nun der Wunsch laut werden, wieder mehr Kompetenzen in die Gemeindevertretung zu holen, stehe das der Vertretung natürlich frei, betont er.

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