Bürgermeistersuche auf Sylt : Wer hat das Zeug zum Bürgermeister auf Sylt?

Carsten Kerkamm wäre auch für Petra Reiber der Wunschkandidat als Nachfolger.
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Carsten Kerkamm wäre auch für Petra Reiber der Wunschkandidat als Nachfolger.

Bürgermeisterin Petra Reiber erklärt, was ein potenzieller Nachfolger an Qualifikationen und Eigenschaften braucht, um dem Job gewachsen zu sein.

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01. März 2014, 06:00 Uhr

In 14 Monaten wird Petra Reiber den Chefsessel im Westerländer Rathaus frei machen. Nach dann 24 Amtsjahren wird die 56-Jährige nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Der Nachfolger – oder die Nachfolgerin – soll Ende des Jahres von den Bürgern der Gemeinde Sylt gewählt werden. Das Hauptproblem dabei: Bislang gibt es noch keine geeigneten Kandidaten. Nachdem sich Reibers langjähriger ehrenamtlicher Stellvertreter, der Rechtsanwalt und CDU-Gemeindevertreter Carsten Kerkamm, Anfang des Jahres gegen eine Kandidatur entschieden hat, sind vor allem die Fraktionen eifrig auf der Suche nach Alternativen. Während auf der Insel alle möglichen Sylter Namen die Runde machen, hat sich die Sylter Rundschau mit Amtsinhaberin Petra Reiber über die Qualifikation, Kenntnisse und Eigenschaften unterhalten, die für ihren Job erforderlich sind. Herausgekommen ist ein Anforderungsprofil, an dem sich potenzielle Interessenten messen lassen müssen.

Petra Reiber muss nicht lange überlegen, um die aus ihrer Sicht allerwichtigste Qualifikation eines möglichen Nachfolgers zu benennen: „Dieser Job braucht einen Volljuristen, am besten einen Wirtschaftsjuristen. Die Gemeinde mit ihren Eigenbetrieben und Beteiligungen wie ISTS, KLM, EVS oder Flughafen, hat sich in den letzten Jahren zu einem Konzern entwickelt, den man als Gesamtsystem verstehen muss. Als Bürgermeister muss ich nicht alles selber wissen, aber ich muss beurteilen können, ob ich durch Experten gut oder schlecht beraten werde. Die Keitum-Therme ist dafür das beste Beispiel.“

Auch die wichtigste Eigenschaft kommt wie aus der Pistole geschossen: „Belastbarkeit.“ Und der Wille, Probleme lösen zu wollen. „Das schwierigste ist die Fülle an Aufgaben. Es gibt oft mehrere Baustellen gleichzeitig, die schnelles Handeln erfordern.“ Ein Blick auf die Probleme der letzten drei Monate – von der Geburtshilfe über das Edel-Bordell und die Morsumer Schule bis hin zu den verschwundenen KLM-Millionen – ist Beleg genug. Wobei neben der Belastbarkeit vor allem die Fähigkeit zum „gnädigen Umgang mit persönlichen Angriffen“ gefragt ist. „Ich beobachte in den letzten Jahren eine zunehmende Aufregungskultur, die auch die Politik immer stärker beeinflusst. Auf Sylt wird viel geredet und gemailt, worauf man dann schnell zu reagieren gezwungen ist.“

Eine gewisse natürliche Autorität und Kommunikationsfähigkeit helfe dabei zumeist mehr als Machtbewusstsein: „In diesem Amt hat man sowieso viel weniger Macht, als die meisten Leute glauben.“ Doch wer hat dann die Macht in der Gemeinde? Reibers erstaunliche Antwort: „Der Bürger.“ Und das nicht nur Demokratie-theoretisch. „Die Politik ist schnell bereit, zurückzurudern, wenn es massive öffentliche Kritik gibt. Und damit muss man auf Sylt mehr als anderswo rechnen, weil die Menschen hier kritischer und selbstbewusster sind und sich nichts gefallen lassen.“

Wie politisch muss oder darf ein Bürgermeister sein? Ein kurzes Nachdenken der parteilosen Amtsinhaberin, dann die Antwort: „Man ist eher der Erfüllungsgehilfe der Politik, liefert die Fakten und Sachargumente für deren Entscheidungen. Eine politische Ideologie hilft einem dabei nicht. Außerdem muss man immer damit rechnen, dass einen die eigene Partei fallen lässt. Und um selber Politik zu machen, bleibt gar keine Zeit.“ Zumal man quasi nebenbei noch hunderte von Mitarbeitern zu führen habe, die Gemeinde nach außen repräsentieren sowie langfristige Ziele und Projekte im Auge behalten müsse. „An dieser Vielfalt muss man Spaß finden und an allen Themen und Menschen ein ehrliches Interesse haben – vom Küstenschutz bis zur Kunstausstellung und vom Obdachlosen bis zur Thai-Kronprinzessin.“

Sorge, dass die Direktwahl durch die Bürger dazu führt, dass Erscheinungsbild und Auftreten eine größere Rolle spielen als fachliche und menschliche Qualitäten, hat Petra Reiber übrigens nicht: „Der Bürger will zwar jemanden, zu dem er aufsehen kann, am liebsten einen Helden oder eine Prinzessin. Aber er ist auch klug genug, zu beurteilen, wer für dieses Amt geeignet ist.“

Und wie sieht ihr persönlicher Idealkandidat aus? „Ich würde mir nach wie vor wünschen, dass die Fraktionen Carsten Kerkamm noch überreden. Er könnte nahtlos einsteigen. Ansonsten wäre ich für einen jungen unverbrauchten Wirtschaftsjuristen, der hier seine Karriere beginnt, und die Insel zu schätzen weiß.“


Fazit


Der ideale Bürgermeister – ob männlich oder weiblich – sollte Volljurist, am besten mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt, sein. Fachwissen, Flexibilität und diplomatisches Geschick sind wichtiger als Parteibuch und Ideologie. Er sollte die Insel gut kennen und es als Gewinn sehen, hier leben zu dürfen, aber auch neugierig und jung genug sein, sich von Sylt prägen zu lassen. Er sollte eher jung und unerfahren als abgeklärt und festgelegt sein. Unabdingbare Eigenschaften: Extreme Belastbarkeit, hohe Frustrationstoleranz, natürliche Autorität und viel Geduld. Bewerbungen möglichst bald an die Gemeinde Sylt, Andreas-Nielsen-Straße 1, 25980 Sylt / OT Westerland.

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