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Sylter Rundschau

24. Oktober 2017 | 00:36 Uhr

Wer den Schaden hat...

vom

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Es gibt Situationen im Leben, auf die man liebend gerne verzichten würde, obwohl sie einem Erfahrungen bescheren, die man nur als Bereicherung empfinden kann. In diese Kategorie gehört für mich seit kurzem ein Feuer in den eigenen vier Wänden - auch wenn dabei nicht gleich die ganze Bude abbrennt, sondern "nur" die Küche in Trümmern liegt.

Der verzichtbare Teil beginnt mit einem kurzen Anruf "Bei euch brennts". Einer der Sätze, bei denen das Gehirn kurz aussetzt, bevor es alles mögliche gleichzeitig veranstaltet und sich schließlich nur noch aufs Wesentliche konzentriert. Zum Beispiel, ruhig zu bleiben, statt mit 180 von Westerland nach Kampen zu rasen. Noch verzichtbarer ist der Blick durch das eingeschlagene Küchenfenster in ein schwarzes Loch, in dem nur schemenhaft Kühlschrank, Kaffeemaschine & Co. zu erahnen sind. Der Brandgeruch im ganzen Haus lässt sich dagegen schon leichter ertragen, weil mein Hirn inzwischen realisiert hat, dass der Gestank nur deshalb stört, weil meine Familie noch ein Wohnzimmer hat, in dem wir sitzen und ein Bett in dem wir schlafen können.

Etwa ab diesem Moment bin ich dann auch empfänglich für die positiven Erfahrungen einer Beinahe-Katastrophe. Zum Beispiel die, dass die Kampener Feuerwehrmänner wirklich ganz schön fix sind und trotzdem minimal-invasiv zu Werke gehen, als wäre es ihr eigenes Haus. Oder dass uns nicht nur viele Menschen Hilfe anbieten, sondern einige sie ohne erst zu fragen einfach leisten. Vom Spaghetti-Essen zwei Türen weiter über eine morgendliche SMS "Kaffee gefällig?" bis zum ungefragt servierten Cappuccino während einer Aufräumpause. Gute Voraussetzungen dafür, dass sich der erste Frust schnell in (schwarzen) Humor verwandelt. Etwa wenn der Sohn angesichts der ungeklärten Essensfrage vorschlägt, man könne ja in der Küche ein Lagerfeuer machen...

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass man zu den Gewinnern gehört, wenn man aufmerksame Nachbarn hat (was nützt ein Brandmelder, wenn ihn niemand hört), die auch noch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind. Nur 20 Meter neben der Feuerwache zu wohnen, ist bei einem Reetdachhaus ebenfalls von Vorteil. Beides trug entscheidend dazu bei, dass weder Haus noch Hund größeren Schaden nahmen.

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