Sylter Köpfe : Wenningstedts letzter Dorfpolizist in Rente

Hans-Heinrich Nicolai wohnt seit 1988 mit seiner Frau in Wenningstedt.
Hans-Heinrich Nicolai wohnt seit 1988 mit seiner Frau in Wenningstedt.

Hans-Heinrich Nicolais Revier reichte von der Kampener Vogelkoje bis zur Wenningstedter Fußgängerbrücke.

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10. Mai 2019, 08:32 Uhr

Ein Kerl wie ein Baum – „Nico“ passt zum typischen Bild eines Inselpolizisten. 25 Jahre lang hat Hans-Heinrich Nicolai die Wenningstedter Polizeistation geleitet. Jetzt ist der Polizist mit 63 Jahren in den Ruhestand gewechselt. Seine Bilanz: „Es hat Spaß gemacht.“

Auf der Insel und bei den Polizeikollegen heißt er nur „Nico“, viele kennen seinen richtigen Namen Hans-Heinrich Nicolai gar nicht. Er stammt aus Flensburg und trat 1973 in den Polizeidienst ein. Nach der Ausbildung an der Eutiner Polizeischule kam er zunächst in die Einsatzhundertschaft nach Kiel und 1976 zur Polizei Flensburg. Eigentlich wäre Nico gern in den Diplomatenschutz gegangen, doch diese Aufgabe hat damals der Bundesgrenzschutz übernommen. Zwischen 1981 und 1986 verstärkte er stattdessen vier Mal den Bäderdienst auf Sylt und lernte die Insel lieben. „Ein bisschen Überzeugungsarbeit – dann hatte ich auch meine Frau Lydia soweit, dass wir nach Sylt ziehen wollten.“ Das war 1988, kurz bevor der Sohn auf Sylt das Licht der Welt erblickte.


Erinnerung an wilde Zeiten auf Sylt

 

Das Wenningstedter Revier war mit zwei Beamten besetzt, das Einsatzgebiet reichte von der Kampener Vogelkoje bis zur Wenningstedter Fußgängerbrücke über die Landesstraße.

Wenn man mit Nico über seine größten Einsätze spricht, wird die Erinnerung an wilde Zeiten auf Sylt wach: Seine Anfangszeit, als die Polizei besetzte Häuser stürmen musste, in denen sich Auswärtige mit Molotowcocktails verschanzt hatten. Als Sylt 1983 zum Treffpunkt der bundesdeutschen Punkbewegung wurde, die die Insel zwei Wochen lang terrorisierte und in Atem hielt. Als im Internet zu einem Flashmob auf Sylt aufgerufen wurde. „Sylt zieht immer, ob für illegale oder legale Absichten“, sagt Nico.


Weniger Unfälle auf den Inselstraßen


 

Doch über die Jahre wurden Polizeieinsätze dieser Art zum Glück weniger. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ist mittlerweile nicht mehr so hoch wie in den 80ern und 90ern, als nahezu jedes Jahr Todesopfer zu beklagen waren. Fahrzeuge und Straßen sind sicherer geworden, aber auch Alkohol am Steuer ist heute weniger verbreitet als in früheren Jahrzehnten. „Kampen war früher ein gefundenes Fressen für Alkoholkontrollen“, erinnert sich Nicolai. Geschwindigkeitsbegrenzungen haben ebenfalls zu mehr Verkehrssicherheit geführt: „Mit Tempo 100 von List nach Hörnum – das ist heute nicht mehr möglich.“

Als 2012/13 die kleinen Polizei-Dienststellen in List, Keitum, Wenningstedt und Hörnum aufgelöst wurden, wechselte Nicolai in den Bezirksdienst nach Westerland. Statt Außendienst standen fortan Schreibarbeit und die Bearbeitung von Vorgängen im Mittelpunkt.

Passfoto aus dem ersten Dienstausweis.
Privat
Passfoto aus dem ersten Dienstausweis.
 

Den Schritt nach Sylt, erzählt Nico, haben er und seine Frau nie bereut. Mittlerweile sind sie hier tief verwurzelt, haben unzählige Freunde und Bekannte. Lydia Nicolai ist im August seit 20 Jahren in der Reetdachdeckerei Finke in Kampen tätig. „Aber wenn uns der Hafer sticht, reisen wir in die Sonne.“ Im November oder Dezember, wenn es hier richtig trübe ist, fliegen die Nicolais seit über 15 Jahren zum Badeurlaub nach Ägypten, inklusive Schnorcheln.

Aber Nico hat noch mehr Hobbys. Schon seit 1988 trifft er sich mit Kollegen, Exkollegen und Freunden einmal im Monat zum Doppelkopf. Einmal im Jahr gehen die Kartenspieler auf Tour – Amsterdam, Prag und Tunesien standen schon auf ihrem Reiseplan. Früher zählten auch Handball (aktiv in der SG Westerland - List), das Segeln, Angeln und der Schießsport zu seinen Freizeitaktivitäten. Seit 22 Jahren zählt Nico zu den ehrenamtlichen Betreuern der Jugendfreizeiten, bei denen Kinder der Sylter Norddörfer für zwei Wochen zum Zelten nach Dänemark fahren. Typisch für Nico ist auch der Roller, mit dem er sich seit 25 Jahren über die Insel bewegt – eine Vespa.

„Auf die faule Haut werde ich mich nicht legen“, sagt Hans-Heinrich Nicolai über seinen Ruhestand. Aber in Wenningstedt wollen die Nicolais alt werden, denn: „Als Schutzmann kann man auch privat auf der Insel sehr gut leben.“

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