Zoff zwischen den Amtsgemeinden : Wenningstedter kritisieren Häckel scharf

Im Wenningstedter Kursaal kochten gestern bei der Gemeindevertretersitzung die Emotionen hoch.
Im Wenningstedter Kursaal kochten gestern bei der Gemeindevertretersitzung die Emotionen hoch.

Weil sich der Bürgermeister der Gemeinde Sylt in die Tagesordnung der Wenningstedter Gemeindevertretung einmischte, ist die Kommunalpolitik sauer.

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29. Juli 2015, 05:58 Uhr

Harsche Kritik an Nikolas Häckel auf der Sitzung der Wenningstedter Gemeindevertreter: Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Sylt greife „in die Souveränität eines gewählten Parlaments ein“, er bevormunde, sei „jung und ungeschliffen“ und habe sich sogar der „Urkundenfälschung“ schuldig gemacht.

Was hat Häckel getan, dass sich das ohnehin nicht ganz entspannte Verhältnis zwischen den Inselgemeinden derart weiter verschlechtert? Dazu muss man ein wenig ausholen und in die digitalen Verwaltungsstrukturen abtauchen: Alle Inselgemeinden nutzen für die Vorbereitung und Verwaltung ihrer Sitzungen das Computerprogramm More Rubin. Mit More Rubin werden unter anderem die Vorlagen für Sitzungen, die Protokolle und der Sitzungskalender von Mitarbeitern der Verwaltungen eingepflegt, alle Gemeinde- und Bürgervertreter und auch die interessierte Öffentlichkeit können sich über die dazugehörigen Websites über das politische Geschehen informieren.

Weil sie More Rubin aus verschiedenen Gründen für nicht praktikabel hält, hatte Wenningstedts Bürgermeisterin Katrin Fifeik in der Tagesordnung für die jüngste Gemeindevertretung die künftige Arbeit mit dem System zur Diskussion gestellt. Laut Fifeik habe Nikolas Häckel daraufhin eigenmächtig die Tagesordnung bearbeitet und einen weiteren Punkt angehängt, in dem er zum einen erklärt, dass die Gemeinde Wenningstedt aus dem Computerprogramm More Rubin nicht einfach aussteigen kann. Zum anderen erläutert er darin, dass die Arbeit mit dem System künftig vereinfacht und verbessert werden soll.

Diese Inhalte allerdings waren auf der Gemeindevertretung nicht Thema – die Wenningstedter Bürgermeisterin empörte sich viel mehr darüber, dass der Bürgermeister der Gemeinde Sylt sich in „ihre“ Tagesordnung einmische. Auf einen Hinweis ihrerseits habe Häckel ihr „eine böse Mail geschrieben, in der er sagte, ich möge seinen Tagesordnungspunkt drauf lassen. Ansonsten würde er mich über den Amtsvorsteher dazu zwingen.“ Das fände sie „ungeheuerlich“ – vor allem weil Amtsvorsteher Rolf Speth bestätigte, dass Nikolas Häckel zu solcherlei Vorgehen kein Recht habe.

Das sorgte bei Dieter Welsch (Aktive Bürger) für blanke Wut: Neben dem Vorwurf, Häckel würde die Souveränität der Wenningstedter untergraben und sei „jung und ungeschliffen“, habe sich der 41-jährige Häckel aus seiner Sicht auch der „Urkundenfälschung“ schuldig gemacht. „Juristisch ist es ganz, ganz gefährlich, was er da getan hat“, fügte sein Sohn Marc Welsh (ebenfalls Aktive Bürger) hinzu. „Das war kein Kavaliersdelikt“, bekräftigte auch Fifeik diese Position noch einmal.

Für ganz so dramatisch hielten dagegen andere Gemeindevertreter das Vorgehen des Sylter Bürgermeisters, der in seiner Funktion gleichzeitig Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Landschaft Sylt ist, nicht. „Den Vorwurf der Urkundenfälschung halte ich für unpassend“, sagte Brigitte Führ von der Wählergemeinschaft Bündnis für WenningstedtBraderup (BWB), „der Herr Häckel ist sicher kein Doofer, der weiß, was er macht.“

Sie habe immer noch nicht ganz verstanden, was Häckel Schlimmes getan habe, sagte Ilka Köchy-Winter (Aktive Bürger). So oder so sei sie der Ansicht, dass bei den vermeintlichen Konflikten zwischen den Gemeinden nicht immer so viel Porzellan zerschlagen werden müsse: „Man muss als Bürgermeisterin auch mal was aushalten können und sollte der Sache angemessen reagieren“, sagte sie mit Blick auf Katrin Fifeik, „manche Dinge muss man auch mal wegatmen können.“

Sabine Koppelt (BWB) fügte außerdem hinzu, das Auftreten der Vertreter der Gemeinde Wenningstedt-Braderup nach außen werde auch nicht immer positiv wahrgenommen. Generell müsse man daran arbeiten, dass sich das Verhältnis zur Gemeinde Sylt positiv gestalte.

Und was sagt Nikolas Häckel selbst? Er bedauere die unnötige Eskalation, so der Bürgermeister. Ihm sei es schlicht darum gegangen, dass seine Vorlage, „die eine nicht abgestimmte Vorlage der Bürgermeisterin berichtigt“, veröffentlicht wird. Er habe versucht, mit seiner Ergänzung, die beinhaltet, dass Wenningstedt aus More Rubin kaum aussteigen kann, aufzuklären und zu informieren.

Aus seiner Sicht liegen die Probleme der Wenningstedter mit More Rubin auch daran, dass „die Anwender in der Gemeinde das Programm nicht sicher“ beherrschen würden. Um die Arbeit mit dem Programm künftig zu erleichtern, sei ein Workflow erarbeitet worden, der ein „zulässiges Handeln“ ermöglicht.

In der Sache selbst – wie also künftig mit dem Sitzungsprogramm umgegangen wird - kamen die Gemeindevertreter in Wenningstedt zu keiner Einigung.

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