zur Navigation springen

Parkgebühren auf Sylt : Wenningstedt: Schluss mit frei Parken

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Wenningstedter Gemeindevertretung hat beschlossen, zum 1. Juli Parkgebühren einzuführen. Bewirtschaftet werden soll das gesamte westliche Gemeindegebiet.

Strandnahes Parken kostet in Wenningstedt ab diesem Sommer Geld: Die Gemeindevertretung hat am Mittwoch beschlossen, den gesamten Westteil der Gemeinde ab 1. Juli mit Parkscheinautomaten zu versehen. Zur Kasse gebeten werden die Autofahrer von der Seestraße im Süden bis zum Campingplatz im Norden auf allen Straßen und Parkplätzen westlich der Westerlandstraße. Ein Tagesticket soll während der Saison vier Euro und von November bis März einen Euro kosten. Zudem stellt die Gemeinde eine Politesse ein, um den ruhenden Verkehr im gesamte Gemeindegebiet zu kontrollieren.

„Wir haben zunächst geprüft, welche Auswirkungen das kostenpflichtige Parken für die Anwohner haben wird“, erklärte Tourismuschef Henning Sieverts während der Sitzung. Eine Zählung habe ergeben, dass es circa 1300 Wohneinheiten im betroffenen Gebiet gibt und rund 1 400 Parkplätze auf Privatgrundstücken – nach dieser Rechnung dürften die Parkgebühren die Wenningstedter und örtlichen Betriebe kaum stören. Wer nicht genügend eigene Parkplätze auf seinem Grundstück hat, kann sich eine übertragbare Jahreskarte für 350 Euro kaufen.

Während die meisten Gemeindevertreter für die Einführung der Gebühren stimmten, kritisierte Marc Welsch das Konzept scharf: „Wir treten Gästen und Dienstleistern damit vors Schienenbein.“ An 325 Tagen im Jahr gebe es auch im vollgeparktesten Gebiet keine Notwendigkeit, den Verkehr durch kostenpflichtige Parkplätze einzuschränken, so der Gemeindevertreter und Inhaber des Strandhotels Sylt. Er plädierte dafür, lediglich eine Politesse einzustellen, um das Wildparken zu bekämpfen. Sabine Koppelt, Vorsitzende des Bündnisses Wenningstedt-Braderup und Inhaberin des Restaurants Meerblick, hielt dagegen: „Ich glaube nicht, dass sich die Gäste an den Gebühren stoßen. Viele sprechen mich darauf an, dass wir endlich mal für Ordnung sorgen müssen.“

Dirk Lässig, Eigentümer des Hotels Strandhörn, zeigt sich von der Entscheidung der Gemeindevertreter enttäuscht: „Ich habe es eigentlich genossen, dass wir in Wenningstedt nicht so reglementiert lebten.“ Durch das neue Gosch-Restaurant sei die Parksituation in der Dünenstraße zwar verschärft worden – „aber so chaotisch ist es nun auch nicht.“

Der neue Gosch? Der hat laut Bürgermeisterin Katrin Fifeik mit der Einführung der Parkgebühren überhaupt nichts zu tun: „Das Problem hat nichts mit der An- und Umsiedlung einiger Gastronomen zu tun, wie oft geäußert wurde“, heißt es in einer Beschlussvorlage aus dem Oktober vergangenen Jahres. Schuld sei stattdessen die Nachbargemeinde: In Wenningstedt hätte es so lange keine Parkprobleme gegeben, bis vor „circa drei bis vier Jahren die Gemeinde Sylt angefangen hat, ihre Parkflächen zu bewirtschaften.“ Das führe zwangsläufig dazu, dass viele Gäste in die Gemeinde Wenningstedt-Braderup kommen würden, um die kostenlosen Parkmöglichkeiten nutzen.

Im Ordnungsamt der Inselverwaltung ist man von dieser Kausalität überrascht – bewirtschafte Westerland doch bereits seit 1993 die Parkplätze der Stadt. „Und seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich die Zahl der bewirtschafteten Parkflächen hier auch nicht sonderlich erhöht“, sagt Stefanie Schultz, die für Verkehrsthemen zuständig ist. Die Gemeinde Sylt verdient jährlich gut 700.000 Euro durch Parkgebühren und Bußgelder.

Warum auch immer – es gibt zu viel Verkehr in Wenningstedt, findet Tourismusdirektor Henning Sieverts. Zeitweise sei „die Kapazitätsgrenze deutlich überschritten.“ Da Ideen wie ein Strandbus oder ein Park-and-ride-System nicht die gewünschte Entlastung bringen würden, habe ein Arbeitskreis sich für die dann auch von der Gemeindevertretung favorisierte Gebühren-Variante entschieden. Dabei, betont Sieverts, gehe es nicht darum, dass die Gemeinde mit den Gebühren Kasse machen wolle – die Gebühren seien lediglich ein Mittel der Verkehrslenkung. Eine Hochrechnung habe gezeigt, dass die Gemeinde bei der Bewirtschaftung der Parkflächen zumindest nicht zuzahle, so Sabine Koppelt. Doch weder sie noch Bürgermeisterin Katrin Fifeik wollen die prognostizierten Einnahmen öffentlich nennen. Fifeik verweist auf den Nachtragshaushalt – sobald der erstellt wird, müssten die Zahlen zwangsläufig veröffentlicht werden.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen