Schloss Gottorf : Wenn zwei Museen sich streiten

Blick in die Bremer Ausstellung 'Graben für Germanien'.  Foto: dpa
Blick in die Bremer Ausstellung "Graben für Germanien". Foto: dpa

Eine Bremer Ausstellung sorgt für Ärger im Norden. In der Schau "Graben für Germanien" wollten die Macher Exponate aus Haithabu zeigen - und stießen auf Ablehnung.

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09. März 2013, 10:01 Uhr

Schleswig/Bremen | Für viel Wirbel sorgt derzeit eine neue Ausstellung im Bremer Landesmuseum - und das bereits vor ihrer Eröffnung am Sonntag. In der Schau mit dem Titel "Graben für Germanien" soll die ideologische Rolle der Archäologie während der Zeit des Dritten Reiches umfassend dargestellt werden. Dazu wollten die Macher auch einige Exponate der Wikingersiedlung Haithabu zeigen. Doch die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen mit Sitz auf Schloss Gottorf hätten die gewünschten Ausstellungsstücke für eine Vitrine zu dem Thema nicht herausgegeben, so die Bremer Landesarchäologin Uta Halle. "Und ich habe diese Ablehnung so verstanden, dass es darum geht, die Wikingersiedlung nicht mit der Zeit des Nationalsozialismus in Kontext stellen zu wollen." Das Thema Haithabu finde deshalb nun in Bremen nicht statt, was sehr bedauerlich sei.

"Haithabu war ab 1938 unter der Schirmherrschaft von Heinrich Himmler das wichtigste Ausgrabungsprojekt", erklärt der Historiker Dirk Mahsarski, der an der Konzeption der Bremer Schau maßgeblich beteiligt ist. Mahsarski hat über den Haithabu-Grabungsleiter Herbert Jankuhn promoviert, der im persönlichen Stab Himmlers als Sturmbannführer fungierte. Im Nationalsozialismus seien die Wikinger als Teil der eigenen Rasse angesehen und verehrt, Haithabu als essenzielles Bindeglied zu den Nordgermanen interpretiert worden. Dirk Mahsarski spricht in diesem Zusammenhang von einer "großen Lücke in der Ausstellung".

"Infame Unterstellung"

Als "absurd" und "infame Unterstellung" bezeichnet Frank Zarp, Pressesprecher der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen, die Äußerungen Uta Halles. Es gehe überhaupt nicht darum, sich nicht mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander setzen zu wollen. Vielmehr habe Uta Halle nach Exponaten gefragt, die nicht herausgegeben werden konnten. "Das lag einerseits daran, dass diese Gegenstände aufgrund ihres Zustands als nicht reisefähig deklariert sind. Zum anderen waren Ausstellungsstücke darunter, die wir hier in unserer bundesweit größten Wikingerausstellung einfach nicht entbehren können." In einem Schreiben habe man gegenüber dem Bremer Landesmuseum unmissverständlich zu allen Ablehnungen einzeln eine Begründung geliefert.

Zudem habe der Museumsdirektor Claus von Carnap-Bornheim berechtigte Zweifel an der Konzeption der Bremer Ausstellung gehabt, so Zarp. "Unter den nachgefragten Ausstellungsstücken befand sich etwa ein Prunkschwert aus dem Bootskammergrab. Dieses war aber bereits 1908 bei Grabungen entdeckt worden - und steht folglich überhaupt nicht im Zusammenhang mit den archäologischen Forschungen der NS-Zeit", so Zarp. "Was hat es dann also in einer Schau mit Titel ,Graben für Germanien’ zu suchen?"

Man habe den Bremer Ausstellungsmachern alternativ den Vorschlag gemacht, ein bislang nie gezeigtes Fotoalbum und weitere Archivalien über Herbert Jankuhn auszuleihen, "das wurde aber abgelehnt."

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