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Naturschauspiel in der Nordsee : Wenn Wind und Wellen Sylt treffen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wo kommen Wind und Wellen eigentlich her? Helge Jansen erklärt Ursachen und Wirkung.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2016 | 18:19 Uhr

Sylt | Autor Helge Jansen erklärt, wie das Spiel von Wind und Wellen vor Sylt funktioniert: Es gibt Tage, da ist die Nordsee spiegelglatt, es weht kein Wind. Auf einmal kommt Wind auf und das Meer wird wieder unruhig. Es ist nicht immer genau festzustellen, wie der Wind entstanden ist. Gewiss ist aber, dass unsere Luft damit zu tun hat.

Das Wetter ist ein Mysterium - und für viele schwer einzuschätzen. Besonders schwankungsanfällig erweisen sich Vorhersagen für die Küste. Sicher ist: Sagen die Prognosen schlechtes Wetter voraus, gibt es auch viele Wellen. Denn das Wetter hat auf deren Entstehung entscheidenden Einfluss.

Die Sonne ist die Ursache des Geschehens. Sie erwärmt die Luft. Die warme Luft steigt nach oben, kühlt sich die Luft wieder ab, dann steigt sie nach unten. Dazu wirkt die Erdumdrehung mit und trägt dazu bei, dass Wind entsteht. An welcher Stelle bei einer spiegelglatten Meeresoberfläche die Welle entsteht, ist schwer festzustellen. Die Bewegungen der Luft erzeugen Druckverhältnisse, Hochdruck und Tiefdruck. Das Wechselspiel zwischen den Druckgebieten lassen den Wind entstehen. Der Luftdruck wirkt sich aber auch auf das Meer aus und dabei entstehen Wellen. Der Wind verstärkt die Wellen und lässt sie über die Weiten des Meeres rollen.

Täglich schaut man auf den Wetterbericht und nimmt die Angaben zum Regen oder zum Sonnenschein aufmerksam auf. Die Hinweise zu den Luftbewegungen sind den meisten Lesern schon nicht mehr so wichtig. Der meteorologische Teil der täglichen Nachrichten ist jedoch eine gute Grundlage, um zu erkennen, wie und wo der Wind entsteht. Wenn bei der Berichterstattung von der „Großwetterlage“ gesprochen wird, nimmt der Leser das allgemein kaum zur Kenntnis. Bei der Betrachtung weiträumigen Wettergeschehens ist aber zu erkennen, ob sich Hoch- und Tiefdruckgebiete aneinander reiben und dabei erhebliche Luftströmungen entstehen lassen.

Zum Autor: Helge Jansen

Helge Jansen, geboren 1948 in Flensburg, kam 1975 nach Rantum. Er wurde dort im ADS Gerd-Lausen-Haus als Diplomsozialpädagoge tätig. Er engagierte sich ehrenamtlich und wurde Bürgermeister der Gemeinde Rantum und Vorsteher des Landschaftszeckverbandes Sylt. Im Jahre 2007 imitierte er die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende der Stiftung.

 

Man kennt den Begriff der „Wetterküchen“. Die Inselgruppe der Azoren und die Insel Island bilden für den europäischen Raum Punkte an denen sich häufig große Luftdruckgebiete begegnen und ihre Kräfte entladen. Dabei kommt es oft zur Bildung von großen Tiefdruckgebieten (Stürmen) aber auch zu weiträumigen Hochdruckgebieten, die lange die Sonne scheinen lassen (z. B. „Azorenhoch“). So ist der Eindruck entstanden, dass an diesen Punkten unser Wetter „gekocht“ wird.

Es ist nicht so erheblich, wo eine Welle entsteht, denn es entsteht nicht irgendwo eine Welle, sondern es bilden sich in unserer Region sehr viele Wellen und sehr viel Wind. Dazu kommt die Bildung von Regengebieten verbunden mit den unterschiedlichen Niederschlagserscheinungen. Das alles zusammengenommen bezeichnen wir als „Wetter“. Drastische Erscheinungen des Wetters nennt man in unserer Region z. B. „Gewitter“, „Sturm“ oder „Orkan“. In anderen Regionen sind dafür andere Bezeichnungen gewählt worden. So gibt es für den bei uns bekannten „Orkan“ viele andere Benennungen, wie zum Beispiel Hurrikan, Tornado, Taifun, Zyklone und viele andere mehr.

Es sind gleichartige Wetterereignisse. Durch andersartige Landschaften oder Meeresgebiete wirken sich diese Ereignisse auch unterschiedlich aus. So ist das auch mit den Wellen, die sich bei dramatischen Wetterereignissen bilden. Im Jahre 2004 war der Begriff „Tsunami“ zu einem Angstbegriff geworden. In Südostasien hatten diese riesenhaften Wellen grauenhafte Zerstörungen angerichtet. Es ist jedoch irritierend den Begriff „Tsunami“ auch in unseren Lebensraum zu übertragen. Mit diesem Begriff werden durch ein Erdbeben erzeugte Wellen bezeichnet.

Für die Nordsee ist die Entstehung eines Erdbebens bis heute selten. Andere Ereignisse können aber auch Riesenwellen verursachen. Ein gewaltiger Erdrutsch könnte eine solche Welle aufbauen und durch das Meer laufen lassen. Im Rahmen der Tsunami-Diskussion ist natürlich auch überlegt worden, ob sich so eine Riesenwelle auch in unserem Lebensraum bilden könnte?

Bei einer EDV-Simulation wurde angenommen, dass ein riesiger Berghang in Norwegen ins Meer gestürzt ist. Eine riesige Welle würde dann entstehen. Diese würde dann mit einer Höhe von sechs Metern durch das Nordmeer rollen. Beim Eingang in die Nordsee würde die Welle durch das relativ flache Nordseegebiet abgebremst. Die Welle käme in Nordfriesland an, und hätte noch eine Höhe von etwa 1,5 Metern. In unserer Region sind unnormal hohe Welle durchaus zu erleben. Man nennt sie in Nordfriesland „Seehund“, selten mit mehr als einem Meter Höhe.

Zu dem Verlauf von Wellen ist zu beachten, dass sich Wellen kreisförmig fortbewegen, sie rollen. Bei dem flachen Nordseebereich werden die Wellen bald gebrochen, Brandung entsteht. Auf der Insel Sylt erfreut man sich an der Brandung, genießt es beim Baden, oder atmet die feuchte Luft am Strand gerne ein. So ist der Spruch „denn Urlaub muss prickeln“ entstanden. Die von den brechenden Wellen aufgewirbelte Gischt, trägt eine Menge von Wasserteilchen mit sich. So ist die Luft am Strand angefüllt mit jodhaltigem Nordseewasser. Es schmeckt wie salziger Sekt, „denn Urlaub muss prickeln!“

Wind und Wellen, besondere Merkmale des Wettergeschehens, sind an der Nordseeküste ein besonders Merkmal des Lebensraumes. Diese beiden Merkmale sind jedoch nichts besonderes, sie sind Teil des weltweiten Wettergeschehens. Wind und Wellen haben den Lebensraum der nordfriesischen Küste über die Jahrhunderte geprägt. Viele Sturmfluten haben von der Küste immer mal wieder etwas abgetragen. Das erlebten unsere Vorfahren vor vielen Jahrhunderten sehr viel dramatischer als wir heute.

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