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Sylter Rundschau

17. Oktober 2017 | 08:42 Uhr

Wenn Tierliebe krank macht

vom

Aufklärungsaktion über tierisches Übergewicht beim Sommerfest des Sylter Tierheims

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Keitum | Morgens ein gepflegtes Leberwurstbrot, danach eine leckere Kaustange, mittags die Reste vom Tisch, abends dann ne ordentliche Schüssel voll Futter und zwischendurch jede Menge Leckerlis - weil man ihn doch so lieb hat.

Mit dieser falsch verstandenen Tierliebe macht so mancher Hundebesitzer aus seinem Windhund einen Mops und schaufelt ihm ganz nebenbei sein Grab, denn Übergewicht senkt die Lebenserwartung um einige Jahre. Fettleibigkeit ist im Wohlstands- und Konsumland Deutschland nicht nur ein Thema für Zweibeiner, sondern auch für Hunde und Katzen. "Rund 2/3 der Hunde haben heute zu viel auf den Rippen", weiß Josi Leuwen vom Tierheim Sylt aus ihrer täglichen Erfahrung. "Wir bekamen zwei Dackel, die jeweils über 20 Kilo wogen und sich kaum noch bewegen konnten. Mit konsequenter Ernährung und dem richtigen Maß an Bewegung haben beide innerhalb eines halben Jahres zehn Kilo abgespeckt und haben nun fast ein normales Dackelgewicht."

Was ein "Zuviel" an Liebe anrichten kann, sehen nicht nur die Mitarbeiter im Tierheim, sondern auch Tierphysiotherapeutin Ulrike Grasedieck. "Die Folgen von Übergewicht sind ähnlich wie beim Menschen: Herz- und Gelenkprobleme, Diabetes oder Haltungsschäden an der Wirbelsäule. Da hilft dann nur noch ein gezieltes Ernährungs- und Bewegungskonzept mit Massagen zur Aktivierung der Stoffwechselprozesse." Um den Hundehaltern zu verdeutlichen, wie sich allein schon 20 Prozent Übergewicht anfühlen, haben die Tierheimmitarbeiter zum diesjährigen Sommerfest am gestrigen Sonntag einen Parcours erdacht, auf dem man mit Sandsäcken beladen Treppen steigen, Slalom laufen und eine Runde auf dem Stepper absolvieren musste. Jürgen Ebert, Vorsitzender des Tierschutzvereins Sylt, machte den Selbstversuch und kam mit 18 Kilo extra tüchtig ins Schwitzen. "Das möchte ich keinem Hund zumuten", lautete sein Fazit "Anstelle von Leckerlis lieber eine Extraportion Spiel, Spaß und Bewegung und ihr Hund liebt sie mehr als jemals zuvor."

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