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Sylter Rundschau

21. November 2017 | 17:02 Uhr

Einwohnerversammlung : Wenn Sylt Gefahr droht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wohin, wenn Hochwasser droht? Auch das war Thema auf der Einwohnerversammlung zur Gefahrenabwehr. Die Halle 28 steht erneut in der Diskussion.

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 05:20 Uhr

Eigentlich sollte es am Dienstagabend auf der Einwohnerversammlung aller Gemeinden der Insel nur um die Vorstellung der ersten Arbeitsergebnisse der Gruppe für den Gefahrenabwehrplan (GAP-Team) gehen. Doch sobald das Wort „Halle 28“ gefallen war, drehte sich die Diskussion der rund 130 Bürger im Congress Centrum fast nur noch um dieses Thema.

Wie schnell die Insel von größeren Gefahren betroffen sein kann, zeigten jüngst die beiden Stürme Christian und Xaver. In solchen Fällen müsste man genau wissen, welche Bereiche betroffen sind, wie hoch das Risiko ist, mit was für Schäden man rechnet und wer Hilfe leisten kann. In einer 240-Seiten umfassenden Risikoanalyse ist jeder Teil der Insel genau beschrieben und für jeden Ort sollen genau diese Frage beantwortet werden können. Florian Harthart studiert Rettungsingenieurwesen in Hamburg und stellte die Analyse vor. Gemeinsam mit dem GAP-Team, bestehend aus Vertretern aus Politik, Verwaltung, Polizei, Feuerwehr und DRK hat er den Gefahrenabwehrplan sechs Monate lang ausgearbeitet. Neben Sturmflut und Orkan geht es dabei auch um Szenarien wie ein inselweiten Stromausfall oder eine Epidemie.

Doch als Florian Harthart beim Thema Evakuierung auch die Halle 28 auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände erwähnte, wurde es unruhig im Saal. Schon seit Jahren wird auf der Insel darüber diskutiert, die Halle abzureißen. Gegner bemängeln den schlechten Zustand und die Lage. Befürwortern fehlt es an ausreichenden Alternativen. Auch am Dienstagabend lieferten sich die Parteien ein Wortgefecht: Maria Andresen (Grüne) kann nicht verstehen, dass die Halle nun wieder ins Gespräch gebracht wurde, obwohl die Mehrheit der Gemeindevertretung sich doch schon gegen sie ausgesprochen hatte. Es gibt seit 2009 sogar einen Beschluss für den Abriss. „Die Halle ist viel zu alt. Es wäre zu teuer, sie wieder in den notwendigen Zustand zu bringen“, sagte sie. Und außerdem: „Was machen wir, wenn die L24 überschwemmt ist und wir haben die Halle als zentralen Evakuierungsort? Wie kommen wir dorthin?“ Rudi Breitling (CDU) hielt dagegen: „Selbst wenn es teuer ist, die Halle aufrecht zu erhalten, so ist es immer noch besser, sie überhaupt zu haben“, sagte er. Außerdem seien mögliche Alternativen wie Turnhallen in den Schulen viel zu schwer zu erreichen. „Ich verstehe überhaupt nicht, wo diese Abrisswut herkommt“, sagte er.

Bürgermeisterin Petra Reiber beendete schließlich die Diskussion. Das GAP-Team, dem sie auch angehört, müsse alles ehrlich prüfen. Und dazu gehöre sowohl die dezentrale als auch die zentrale Evakuierung in der Halle 28. „Heute ist das hier aber nicht das richtige Gremium, um das zu diskutieren“, sagte sie und versuchte, das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema zu lenken – den Gefahrenabwehrplan für die Insel.

Warum diese ganze theoretische Analyse überhaupt? Das GAP-Team hat mit ihren detaillierten Beschreibungen der Insel erst einmal die Basis geschaffen, erklärte Gabriele Gotthardt vom Ordnungsamt. Nun gehe es weiter mit dem praktischen Teil. „Wir sprechen mit den Zuständigen, geben Handlungsempfehlungen und liefern den Politikern Entscheidungsgrundlagen.“ Doch bis die Arbeiten abgeschlossen sind, werde es noch eineinhalb Jahre dauert. Gefahrenabwehrpläne gebe es natürlich schon vorher auf der Insel, nur eben noch längst nicht für jeden Ort. Es sei außerdem das erste Mal, dass ein Konzept für die ganze Insel erstellt wird. „Keiner von uns kann den Katastrophenschutz alleine bewältigen“, sagte Gotthardt.

Für ein wenig Aufregung sorgte ein Kommentar von Gerd P. Werner von der Initiative „Rettet die Sylter“. Er nahm die Versammlung zum Anlass, die Vertreibung der Insulaner anzusprechen und verglich die seiner Meinung nach dramatischen Zahlen mit den Flüchtlingen aus Syrien. „Wirklich sehr sehr unpassend“, wie Reimund Foth von der Polizei befand.

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