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Wohnungsnot auf Sylt : Wenn Schwangere vom kommunalen Wohnungsmarkt ausgeschlossen werden

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das sorgt bei Betroffenen für Ärger: Das Kommunale Liegenschafts-Management kann Wohnungssuchende in ihrer Kartei sperren.

Schwanger oder allein erziehend und dringend auf Wohnungssuche – aber beim Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM) der Gemeinde Sylt für eine Wohnungsvergabe gesperrt: Über Insulaner, denen so etwas passiert, liest man immer wieder in sozialen Netzwerken, manche wenden sich auch an die Redaktion dieser Zeitung. Warum sie gesperrt worden sind, erzählen zwei der Betroffenen. Warum der Eigenbetrieb der Gemeinde aus seiner Sicht ohne Sperren nicht sinnvoll arbeiten kann, erklärt KLM-Leiter Marcus Kopplin.

180 Haushalte suchen momentan über KLM nach einer Unterkunft auf der Insel. Aufgrund der Wohnraumknappheit können lange nicht alle davon in absehbarer Zeit untergebracht werden. Im vergangenen Jahr, heißt es vom KLM, hätten lediglich 57 Wohnungen neu besetzt werden können. Wenn also Bewerber eine angebotene Wohnung ohne nachvollziehbaren Grund ablehnen, können sie für zwei Jahre gesperrt werden. Und offenbar sind es nicht wenige, die eine angebotene Wohnung nicht wollen: Zusätzlich zu den 180 suchenden Haushalten sind 65 Haushalte in der KLM–Kartei momentan gesperrt. In den meisten Fällen läge das daran, dass die Suchenden auf das KLM-Angebot gar nicht reagiert hätten. Weitere Wege, wie es zu einer Sperre kommen kann, zeigen die Geschichten zweier Sylter Familien.

Fall A ist ein Paar. Die Frau ist schwanger, die beiden leben in der Wohnsiedlung Süd. Die derzeitige Wohnung sei schimmelig, zudem laufe der Mietvertrag im 30. April kommenden Jahres aus, berichtet sie. Dann soll das Haus abgerissen werden, um Platz für moderne KLM-Wohnungen zu machen. Als Ersatz für die Schimmel-Wohnung sei ihnen eine gut 60-Quadratmeter große Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung angeboten worden, sagt die betroffene Schwangere: „Das ist für uns, das Baby und unsere zwei Katzen zu klein.“ Mit dieser Begründung lehnte das Paar die Wohnung ab und bekam darauf hin zwei weitere, größere Wohnungen in der Wohnsiedlung Süd angeboten. Nach Angaben des Paares entsprächen diese Wohnungen zwar von der Größe her ihren Ansprüchen, sie seien aber in einem derartig schlechten Zustand gewesen, dass sie dort nicht hätten einziehen können. Also lehnten sie auch diese Wohnungen ab, wurden bei KLM gesperrt und sorgen sich nun, mit Säugling auf der Straße zu sitzen.

Fall B ist ein allein erziehender Vater mit zwei Kindern. Auch er wohnt in einem künftigen Abrisshaus in der Wohnsiedlung Süd. Die erste Wohnung, die ihm vom KLM angeboten wurde, befindet sich im Hochhaus in der Theodor-Heuss-Straße. Da dieses Hochhaus nach noch recht wagen Planungen der Gemeinde irgendwann auch abgerissen werden soll, habe er dieses Angebot abgelehnt, erklärt der Mann. Beim zweiten Angebot wurde er vom KLM schriftlich dazu aufgefordert, innerhalb weniger Tage verbindlich zuzusagen. Er lehnt dieses Wohnungsangebot mit mehreren Begründungen ab: So sei ihm als Harz-IV-Empfänger nicht genügend Zeit eingeräumt worden, die nötigen Unterlagen vom Sozialzentrum zu holen. Zudem wäre die 65-Quadratmeter–Wohnung für seine Familie zu klein und er habe zu wenig Zeit, sich auf einen Umzug vorzubereiten: „Es wäre schön, ein Angebot mit einer Vorlaufzeit von 12 Monaten zu bekommen“, formuliert er seine Wünsche. Daraufhin wird auch er gesperrt. „Es entsteht der Eindruck, dass KLM Sylter von der Insel vertreiben möchte“, klagt er.

Das sieht KLM-Chef Marcus Kopplin anders. Zunächst stellt er klar: „Die Wohnungen sind nicht alle in einem Top-Zustand. Aber sie sind alle vermietbar.“ Doch angesichts der derzeitigen Wohnungsnot könnten individuelle Wünsche momentan nur dann berücksichtigt werden, wenn berechtigte Gründe für sie vorliegen würden. Beispiel: Eine Familie mit einem behinderten Familienmitglied kann nur in einer Erdgeschosswohnung leben.

Drohe einem Bewerber eine Sperre, der für seine Ablehnung stichhaltige Gründe vorbringen kann, würde er in der Datei bleiben, erläutert Kopplin. Beispielsweise, wenn Interessenten im vorgegebenen Zeitraum den Vormieter nicht erreichen konnten, um eine Besichtigung zu vereinbaren – oder sie noch wichtige Unterlagen vom Amt brauchen. Aufgrund überzeugender Gründe kann eine Sperre auch im Nachhinein wieder aufgehoben werden. Ihm sei klar, dass das Sperren drastisch wirken mag, so Kopplin. Aber: „Angesichts der vielen Wohnungssuchenden soll dadurch auch anderen Bewerbern die Chance gegeben werden, eine bezahlbare Wohnung zu finden.“

Auf alle Wünsche der Wohnungssuchenden wird das KLM wohl auch künftig nicht eingehen können. Doch eines kann Kopplin schon ankündigen: „Wenn sich unser Bestand durch die derzeitigen Neubauprojekte vergrößert, und sich der Wohnungsmarkt entspannt hat, werden wir auch noch stärker auf die Wünsche der Wohnungssuchenden eingehen können.“

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erstellt am 15.Aug.2015 | 05:42 Uhr

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