OnlineSucht : Wenn ohne Handy nichts mehr geht

Es gibt immer mehr Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Mediennutzung eine Therapie brauchen.
Es gibt immer mehr Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Mediennutzung eine Therapie brauchen.

Kommenden Donnerstag findet die Fachtagung „Wenn Medien krank machen“ im Westerländer Rathaus statt

Julia Lund von
01. November 2018, 16:51 Uhr

Chatten, daddeln, shoppen und immer auf dem neuesten Stand sein: Das Internet ist dank modernster Technik heute überall mit dabei. Macht es in der Tasche „Pling“, vergehen häufig nur Sekunden, bis der Besitzer nachsieht, wer sich da gemeldet hat. Doch das kann für manche zum Problem werden, das sogar bis zur Sucht führen kann. Genauso sieht das auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Seit Juni 2018 ist Mediensucht offiziell als Krankheit anerkannt.

Für die Diplom-Psychologin Anna Theuner vom Beratungs- und Behandlungszentrum (BBZ) Sylt war die Entscheidung der WHO nicht überraschend. „Wir haben das kommen sehen. Vor allem die Fälle von Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, haben sich stark gehäuft“, sagt sie. Viele wüssten nicht, wie viel noch normal ist.

Für diese Eltern, aber auch für Jugendliche und alle anderen Interessierten – vielleicht auch für die, die an sich selbst Symptome entdecken – findet am Donnerstag, 8. November, von 15 bis 18 Uhr im Rathaus Westerland eine Fachtagung unter dem Motto „Wenn Medien krank machen“ statt. Der Diplom-Psychologe Michael Immelmann von der Fachstelle Mediennutzung und Medienabhängigkeit der Diako Fachkliniken Nordfriesland, Sozialarbeiterin Jeanne Albert sowie Medienpädagoge Gordon Volkmer werden Informationen zu dem Themenkomplex liefern und zum Austausch bereitstehen.

„Wenn alle anderen Bereiche des Lebens – wie Freunde, Sport oder die Schule – vernachlässigt werden und nur noch das Handy oder der Computer im Mittelpunkt steht, sollte man handeln“, erklärt Anna Theuner. Denn es gäbe immer mehr Jugendliche, die aufgrund ihrer Mediennutzung eine Therapie bräuchten. Auffallend sei, dass es bei Mediensucht Geschlechtsunterschiede gebe, weiß die Psychologin. „Bei Jungs sind eher Computerspiele ein Problem, bei den Mädchen sind es die Smartphones und soziale Netzwerk wie Instagram.“ Mit krankmachenden Folgen: „Es gibt Studien die zeigen, dass ständiger Medienkonsum stresst und depressiv machen kann“ , so Anna Theuner. Und das betreffe nicht nur Kinder und Jugendliche, auch viele Erwachsene fühlen sich ohne Handy nicht mehr funktionsfähig. „Das kann zu einem Burn-out oder Herz-Kreislauf-Problemen führen.“ Oft würde in einer Familie jedes Mitglied an einem eigenen Gerät beschäftigt sein. „Auch die Eltern müssen ihr eigenes Verhalten reflektieren“, betont die Diplom-Psychologin.

Bei der Fachtagung sollen Eltern und Betroffene erfahren, wie viel zu viel ist. Außerdem soll es um die Lebenswelten der Jugendlichen gehen, und was man tun kann, wenn bereits eine Sucht vorhanden ist. Die Teilnahmegebühr beträgt zehn Euro, für das leibliche Wohl ist gesorgt. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon: 04651-8222020 oder per E-Mail an bbz-sylt@dw-suedtondern.de.

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