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Ausverkauf der Insel? : Wenn Klinik und Heim dicht machen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sylter Bauausschuss befürchtet eine Zweckentfremdung sozialer Bauten.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 05:57 Uhr

„Ich kann die Ängste der Gemeindevertreter natürlich nachvollziehen“, sagt Inselbaumeister Martin Seemann. „Aber im Fall der Fachklinik Sylt besteht absolut kein Anlass zur Sorge, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht.“ Schon länger sei dem Inselbauamt bekannt gewesen, dass der Eigentümer des Grundstücks Nordhedig 14-16, die Deutsche Rentenversicherung Nord, auf dem Areal ein drittes Gebäude errichten möchte , das den beiden bereits vorhandenen Häusern entspricht. Dafür hat der Betreiber der Fachklinik für Bronchial- und Hauterkrankungen, Adipositas und Diabetes jetzt eine Änderung des Bebauungsplanes Nr. 34 beantragt, über die Anfang dieser Woche in Bauausschuss der Gemeinde Sylt beraten wurde.

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Holger Flessau äußerte auf der Sitzung seine Bedenken, dass dort ein weiteres Gebäude sogar mit Terrassen errichtet werden soll, obwohl die Auslastung ähnlicher Kliniken und Heime auf der Insel seit Jahren rückläufig und perspektivisch gesehen ungewiss sei. Der CDU-Politiker befürchtet, dass in Zukunft noch mehr dieser Einrichtungen schließen müssen und verweist auf den aktuellen Fall des DAK-Erholungsheimes Haus Quickborn an der benachbarten Norderstraße. Falls solche Liegenschaften in oft attraktiven Insellagen dann auf den freien Markt kämen, könnten dort weitere Zweitwohnungssitze oder Appartementanlagen entstehen. „Der Ausverkauf der Insel läuft ja leider noch immer auf Hochtouren“, beklagt Flessau, „und die Begehrlichkeiten sind nach wir vor groß.“

Ganz so einfach sei eine Zweckentfremdung dieser Grundstücke und auch der daraufstehenden Gebäude allerdings nicht, erläutert Seemann. Denn durch die B-Pläne seien in der Regel ganz genaue Nutzungsarten vorgegeben: „Das Flurstück 48/1 im Eigentum der Deutschen Rentenversicherung ist zum Beispiel ausdrücklich als Sondergebiet SO 4 – Fachklinik ausgewiesen“, so der Bauamtsleiter. „Also kann es ohne Zustimmung aller Gremien der Gemeinde auch für keine anderen Zwecke genutzt oder veräußert werden.“ Grundsätzlich läge jegliche Planungshoheit und damit auch alle Entscheidungen, wie es mit solchen Einrichtungen im Falle einer Schließung oder Insolvenz weiter gehe, in kommunaler Hand. Allerdings verweist Seemann darauf, dass die Definitionen in den B-Plänen auch gewisse Spielräume ermöglichen: „Wenn dort beispielsweise Sondergebiet SO 8, also Altenpflegeheim, drinsteht, können wir dem Grundstückeigentümer nicht vorschreiben, welche Art von Altenheim dort betrieben wird.“ Das könne dann eine karitative Einrichtung mit vielen kleinen Zimmern für Bewohner mit niedrigen Renten sein, aber auch eine luxuriöse Seniorenresidenz mit Suiten, die sich nur Bessergestellte leisten können.

Enger definiert ist dagegen die Zweckbindung für eine soziale Liegenschaft in Westerland, die erst vor kurzem geschlossen wurde: das DAK-Erholungsheim Haus Quickborn. Laut Inselbaumeister Seemann ist diese Fläche nur für den „Gemeinbedarf Kinder- und Jugenderholung“ vorgesehen. Was mit dem Grundstück und dem Gebäude in der Norderstraße künftig geschehen soll, ist ungewiss. „Momentan geht es nur noch darum, wie das Haus abgewickelt wird“, sagt DAK–Pressesprecher Jörg Bodanowitz. Die 58 Mitarbeiter des Kurheims, in dem ebenfalls adipöse Jugendliche betreut wurden, sind zum größten Teil bereits im Sommer diesen Jahres „freigestellt“ worden (wir berichteten). Die Auslastung des Hauses sei zu gering gewesen, nannte Bodanowitz als Grund für die Schließung, außerdem hätten größere Investitionen im Gebäude angestanden, die unter den gegebenen Umständen finanziell zu aufwendig gewesen wären.

In einem Punkt jedoch widerspricht Inselbaumeister Seemann dem stellvertretenden Bauausschussvorsitzenden: Flessau hatte im Zusammenhang mit der B-Planänderung für die Fachklinik kritisiert, dass es in der Sache bereits ein Gespräch mit Bürgermeisterin Petra Reiber gegeben habe. „Zunächst sind grundsätzlich wir als Fachausschuss gefragt“, sagte Flessau, „und dann erst ist die Verwaltung dran.“ Das sieht Seemann anders: Als erstes wendet sich jeder Antragsteller an das zuständige Bauamt – „das ist bundesweit so üblich und auch auf Sylt nicht anders.“ Der B-Planänderung für die Fachklinik hat der Ausschuss mit Mehrheit zugestimmt.

 

 

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