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Sylter Strandgut : Wenn der Grinch die Insel holt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der SR-Kolumne Strandgut macht sich Redakteurin Friederike Reußner apokalyptische Gedanken zum drohenden Weihnachtssturm auf Sylt.

von
erstellt am 21.Dez.2013 | 15:00 Uhr

Weihnachten wird katastrophal: Es droht der Weihnachtssturm. Noch ist der Orkan namenlos, nennen wir also  „Grinch“.  Wenn der Grinch die Insel zum Jahreswechsel verlässt, liegt kein Sandkorn mehr auf dem anderen. Aber wenigstens  hat er auch das Westerländer Kurzentrum mitgenommen. Nachdem die 60er-Jahre-Bauten den Orkantiefs Christian und Xaver noch standhalten konnten, lösen sich die Gebäude am Morgen des 24. Dezember bei Windböen von 273 km/h in ihre Einzelteile auf.  Versuche der  Westerländer Wehr, die Bewohner der 527 Ferienappartements zu evakuieren, scheitern: Das Gebäude steht leer, die anreisenden Weihnachtsgäste sitzen in der NOB auf dem Hindenburgdamm fest. Durch Tränen und Drohungen der  Urlauber erweicht, ist Heiligabend gegen 15.30 Uhr  doch noch ein Lokführer von Niebüll gen Westerland gestartet. Um 15.45 Uhr steht der Zug – eine Rentnertruppe aus Nordrhein-Westfalen hatte die Notbremse gezogen, um  Gruppenbilder vor dem windzerfurchten Wattenmeer zu machen. Nachdem die  Senioren wieder in den Zug verfrachtet wurden, fährt dieser nicht mehr an. Im Zuge der  Weihnachtshektik hatte man vergessen, die Lok zu betanken. Während die Rentnertruppe ihrem  Lynchprozess nur dadurch entgehen kann, indem sie sich in einer der geräumigen Toiletten einschließt, ertränken die anderen Zuggäste ihren Frust mit den mageren Inhalten des Bordservices und verfolgen auf ihren Handys die Sturmflut-Warnhinweise. Dann knicken nach und nach die Funkmasten um. Das letzte, was die Bahnreisenden lesen, bevor die Fluten über dem Damm zusammen schlagen, ist eine Entschuldigungs-SMS ihres Mobilfunkanbieters.

In der Asklepios Nordseeklinik umringen 48 Kamerateams eine Sylterin in den Wehen, um die Geburt des letzten Insulaners nicht zu verpassen. Doch bevor es dazu kommt, werden sie unter Dankesworten der werdenden Mutter von der Westerländer Wehr evakuiert. Wirklich gut geht es nur den Hörnumern, auch wenn die Feiertage auch für sie nicht gut beginnen. Nachdem die Ortsbewohner am Morgen des 24. Dezember den endgültigen Verlust der Hörnumer Odde beweint haben, durchbricht eine zehn Meter hohe Flutwelle am frühen Nachmittag Sylt auf Höhe des Strandräubernests. Vom mäßigenden Einfluss der Rest-Insel abgeschnitten, dauert es nur wenige Stunden, bis bei den Bewohnern der Insel Hörnum ihr ursprüngliches Seeräuber-Gen durchschlägt. Mit zügig aufgeschichteten Leuchtfeuern  werden die Frachtschiffe, die vor dem Sturms ins Wattenmeer fliehen, an den Strand gelockt und geplündert.

Am Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages  macht sich der Katastrophenstab der Landesregierung ein Bild von der Lage auf Sylt . Während in Kiel monatelang über  Rettungskonzepte diskutiert wird, erholt sich die Insel zumindest finanziell schnell: Gewiefte Tourismusdirektoren verkaufen die Filmrechte der Katastrophe an Hollywood. Titel des Blockbusters: „Wenn der Grinch die Insel holt“.

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