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Streit um Bebauungsplan : Wenn der Garten zur Kuhle wird

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Warum sich Erik Windolf gegen einen Bebauungsplan wehrt, der es ermöglicht, das Nachbargrundstück um drei Meter anzuheben

von
erstellt am 14.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Zwei Grundstücke, die einige Meter tiefer liegen als die angrenzenden Straßen und Häuser, sind aus städtebaulicher Sicht alles andere als optimal. Durchaus nachvollziehbar also, wenn das Bauamt im Zuge einer ohnehin notwendigen Überarbeitung des betreffenden Bebauungsplans auf die Idee kommt, das Auffüllen des einst als Kieskuhle genutzten Areals an der Ecke Bahnweg und Wenningstedter Weg zuzulassen. Problematisch wird es jedoch, wenn nur die Hälfte der Mulde aufgefüllt wird, weil dort ein neues Haus gebaut werden soll, während auf der anderen Hälfte ein weiterhin genutztes Wohnhaus steht.

„Dann gucke ich aus meinem Garten künftig auf eine mindestens drei Meter hohe Wand und komme mit dem Auto nicht mehr in die Garage“, sagt Hauseigentümer Erik Windolf. Die offizielle Grundstücksgrenze verläuft so nah an seinem Haus, dass er die rückwärtige Garage nur erreicht, indem er etwa einen Meter des derzeit noch auf gleicher Höhe liegenden Nachbargrundstücks nutzt. „Der Nachbar hat zwar ein offizielles Wegerecht über mein Grundstück, ich jedoch nicht für seins“, schildert Windolf eines seiner Probleme.

Auf diese Probleme, die ihm das Aufschütten der halben Kuhle bereitet, wies der Westerländer Anfang der Woche auch den Bauausschuss der Gemeinde hin, der über die Änderung des B-Plans befinden sollte. „Als ich das Haus vor sieben Jahren gekauft habe, tat ich das auch im Vertrauen auf den damals geltenden Bebauungsplan, der ein Aufschütten nicht zulässt. Wenn sich das jetzt ändert, wäre das ein massiver Eingriff in meine Rechte als Eigentümer“, erklärte der Fluglotse. Er kritisierte, dass die B-Plan-Änderung einseitig zum Nutzen des Investors sei, der das zweite Grundstück bebauen möchte. „Vorher sind schon zwei andere Spekulanten mit demselben Ansinnen bei Gemeinde und Kreis gescheitert – stets mit Hinweis auf den B-Plan.“

Im Bauausschuss betonte der zuständige Stadtplaner, dass die Änderung „städtebaulich richtig“ und unabhängig von etwaigen Bauabsichten sei. „Es gab vorher keine Gespräche in dieser Richtung. Das Anheben ist Wunsch und Vorschlag des Bauamtes“, erklärte Christian Hinz. Er verwies darauf, dass auch Windolf sein Grundstück anheben könnte, da die Wohnräume des mehrgeschossigen Hauses ja auf Straßenniveau lägen. „Dann verliere ich ein Geschoss, dass jetzt als Wohnetage zulässig ist, dann aber zum Kellergeschoss wird“, hält Windolf entgegen. „Ich würde auch gerne oben wohnen und das Grundstück aufschütten, weiß aber nicht, wie ich einen Neubau finanzieren sollte, wo ich das alte Haus noch abbezahle.“

Sein Vater , der ehemalige Westerländer SPD-Stadtrat Kurt Windolf, wundert sich derweil, warum die Aufschüttung erst in die Änderung des B-Planes aufgenommen wurde, nachdem für das Nachbargrundstück ein erneuter Bauantrag eingereicht wurde. „Man fragt sich schon, welches Interesse die Gemeinde auf einmal hat, den B-Plan einseitig zugunsten eines Investors zu ändern.“

Nachdem im Bauausschuss Stimmen laut wurden, unnötige Härten für den Alteigentümer zu vermeiden, wurde die Entscheidung über den B-Plan vertagt. Zunächst sollen Gespräche mit den direkt Betroffenen geführt werden. Sollte es bis dahin keine Lösung geben, wird das betroffene Areal wohl aus dem B-Plan 66 ausgekoppelt werden. „Wir werden uns mit dem B-Plan nicht lange aufhalten, um schnell mit dem Wohnungsbau loslegen zu können“, erklärte Bauamtsleiter Martin Seemann mit Blick auf den eigentlichen Grund für die Änderung, nämlich die Neubebauung des ehemaligen Firmengeländes von Tiefbau Jacobsen, zu der auch zehn KLM-Hausscheiben gehören werden. Sein Kommentar zur ehemaligen Kieskuhle: „Ich habe mich gewundert, dass da überhaupt jemand bauen will.“

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