Wenn der Autozug zu spät kommt

Bei Verspätungen können sich Autozugkunden einen Teil des Fahrpreises erstatten lassen.
Bei Verspätungen können sich Autozugkunden einen Teil des Fahrpreises erstatten lassen.

Fahrgäste haben nach 60 Minuten Anspruch auf eine Entschädigung nach dem EU-Fahrgastrecht

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14. September 2018, 17:09 Uhr

Verspätungen auf der Bahnlinie über den Hindenburgdamm sind das täglich’ Brot von Syltern, Pendlern und Gästen. Erst gestern Abend teilte DB Regio mit, dass die Pendlerentschädigung von 50 Euro auch für die Monate Juni und Juli gezahlt wird. Doch wie sieht es für die Fahrgäste auf den Autozügen aus? RDC preschte in dieser Woche mit einem Zehn-Euro-Gutschein vor, aber Kunden haben noch weit mehr Ansprüche, wenn sie nicht pünktlich am Ziel eintreffen.

Mit einem Zehn-Euro-Gutschein für das Internet-Versandhaus Amazon werden nun RDC-Kunden entschädigt, die ihren Autozug online reserviert haben und mindestens 30 Minuten zu spät am Terminal in Niebüll oder Westerland ankommen. Dabei müssen sich die Kunden um nichts kümmern – das Onlinesystem verschickt den Einkaufsgutschein automatisch per E-Mail am Folgetag. Dazu werden die digitalen Buchungsdaten mit den tatsächlichen Ankunftszeiten abgeglichen. Die Pünktlichkeitskampagne für die blauen Autozüge von RDC gilt zunächst für alle Kunden, die bis 31. Oktober online ein Ticket mit Reservierung gebucht haben, unabhängig vom Reisetermin.

Eine nette Geste des DB-Konkurrenten, die aber keinen Einfluss hat auf die verbrieften Entschädigungsansprüche der Fahrgäste. Das Zauberwort heißt „EU-Fahrgastrechte“ – eine gesetzliche Regelung, die für den Schienenverkehr am 3. Dezember 2009 in allen EU-Mitgliedsstaaten inkraft getreten ist. Die Entschädigung beträgt bei einer Verspätung ab 60 Minuten 25 Prozent des Fahrpreises, bei einer Verspätung ab 120 Minuten 50 Prozent. Die Bahngesellschaften müssen die Fahrgäste über ihre Rechte informieren und Antragsformulare bereithalten, die es aber auch online zum Download gibt.

Bei den Autozügen sieht es ähnlich aus: Ab 60 Minuten Verspätung erhalten Kunden des roten DB-Syltshuttles eine Entschädigung, die in den meisten Tarifen pauschal 15 Euro beträgt. Bei mehr als zwei Stunden Verspätung sind es 30 Euro. Die Regel gilt für den Syltshuttle, mit dem die Fahrt angetreten wurde – das ist wichtig, wenn der ganze Betriebsablauf ins Stocken geraten ist.

Am einfachsten macht man seine Ansprüche gleich nach der Ankunft im DB-Kundencenter an der Autoverladung geltend. Kunden können zwischen einem Gutschein, einer Überweisung aufs Bankkonto oder einer Barauszahlung wählen. Außerhalb der Öffnungszeiten kann man die Unterlagen auch per Post dorthin schicken (Industrieweg 18a, 25980 Sylt).

Wer den blauen Autozug wählt, hat nach 60 Minuten einen Anspruch auf eine 25-prozentige Entschädigung des gezahlten Fahrpreises, ab 120 Minuten auf 50 Prozent. Bei Hin- und Rückfahrkarten wird der halbe Preis zugrundegelegt. Auch bei RDC werden die ausgefüllten Formulare in den Büros in Westerland und Niebüll entgegengenommen. Hier wird die Entschädigung aber nicht gleich ausgezahlt, sondern innerhalb von drei Wochen auf das Konto überwiesen.

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