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Sylter Strandgut : Wenn das Netz dich nicht findet

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Kolumne Strandgut findet das Internet Friederike Reußner nicht.

„Ich kann Sie leider nicht finden“, sagt die freundliche, sächselnde Stimme am Telefon, „Sie sind nicht dort, wo Sie sein sollten, Frau Reußner.“ Wenn man nicht aufpasst, können solche Sätze gerade nachts um halb zwölf zu mittelschweren Lebenskrisen führen – auch dann, wenn der nette Sachse von der Kundenhotline eines Internetanbieters das gar nicht im übertragenen Sinn gemeint hat. Der will bloß sagen, dass ich höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Wochen jeden Abend mit ihm telefonieren werde, weil es einfach nicht klappt mit mir und einem funktionierenden Internet-Anschluss. Es findet mich auf Sylt einfach nicht, dieses Internet.

Um mich abzulenken, erstelle ich im Kopf eine Liste von Dingen, die im Gegensatz zu mir wirklich nicht dort sind, wo sie sein sollten: Das Hörnumer Unterfeuer steht nicht mehr an seinem angestammten Ort, sondern liegt auf dem Campingplatz. Hörnum überhaupt – da ist sandtechnisch nix mehr, wo es sein sollte. Ein Dauerthema der Westerländer aus der Rubrik „Nicht dort, wo es sein sollte“: Der Fahnenmast.

Mein Haus ist übrigens auch nicht das, was es sein sollte: Angeschlossen an ein Glasfaserkabel. Weiß mein Nachbar. Er weist mit ausholender Handbewegung Richtung Vorgarten: „Da liegt ein Glasfaserkabel“, ist er sich sicher, „Da liegt dieses Kabel – und die schließen uns einfach nicht an!“ An einem generellen Mangel an Kabeln kann meine Netz-Misere wirklich nicht liegen, da glaube ich meinem Nachbarn: Riesige Unterseekabel kommen aus den USA am Westerländer Strand an, durchs Wattenmeer soll die Telekom Kabel verlegt haben – doch wo genau, weiß keiner (wahrscheinlich sind die auch dort, wo sie nicht sein sollten). Zwischen all dem Kabelwirrwarr sitze ich und versuche zum dritten Mal, den Router mithilfe eines Küchenmessers zu „resetten“. Bei der Hotline komme ich nicht weiter, der sächsische Helfer ist verschwunden. „Ich habe Sie nicht verstanden. Womit können wir Ihnen helfen?“ fragt mich die elektronische Stimme der Spracherkennung. „Deee, esss, älll“, rufe ich Mantra-artig ins Telefon, „DSL, DSL!“ Ich überlege, den elektroschrottigen Mist-Router im Meer zu versenken. Dann wäre wirklich mal was dort, wo es nicht sein sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 22.Feb.2014 | 15:00 Uhr

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