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Geburt auf Sylt : Wenn das Baby doch noch Sylter wird

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit der Schließung der Geburtenstation werden kaum noch Babys auf der Insel geboren. Doch manchmal gibt es Ausnahmen.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 05:10 Uhr

„Geburtsort: Westerland“ - Nur noch bei wenigen Babys, die seit der Schließung der Sylter Geburtenstation im Januar 2014 von Sylterinnen auf die Welt gebracht wurden, steht ein insularer Ort auf der Geburtsurkunde. Die kleine Ylva Mia Carstensen, die am 29. Januar geboren wurde, ist so ein Sonderfall: Sie ist waschechte Westerländerin und damit das erste und bisher einzige Baby, das 2016 auf der Insel geboren wurde.

„Ich fühlte mich tagsüber noch total wohl“, sagt ihre Mutter Julia Kotterba, die nachmittags mit ihrem dreijährigen Sohn Leo sogar noch beim Kinderturnen und abends zu einem Kontrolltermin mit ihrer Hebamme Anke Bertram verabredet war. „Dass es dann aber so schnell gehen würde, damit habe ich absolut nicht gerechnet“, so die 36-Jährige.

Denn eigentlich, betont sie, wollte sie zur Geburt nach Husum fahren. Allerdings recht kurzfristig, hatte sie bei der Geburt ihrer Tochter ihren Stichtag schon drei Tage überschritten. „Die Geburt von Leo hat etliche Stunden gedauert, daher dachte ich, ich hätte genug Zeit, noch mit meinem Mann aufs Festland zu kommen“, so Kotterba. Doch Ylva wollte sich keine Zeit lassen: Hebamme Anke Bertram kam um kurz vor Neun zu der Familie und um 21.20 Uhr war die Tochter geboren.

Davor, dass so eine Hausgeburt auf Sylt auch ein großes Risiko darstellen kann, warnt Arne Dekarz, Rettungswachenleiter beim DRK Westerland. Zwar könne Schwangeren durch einen Bereitschaftsdienst im Falle einer plötzlichen Geburt eine Hebamme zur Seite gestellt werden, aber in einem Notfall seien auf der Insel die Mittel begrenzt. Ohne die richtige Versorgung könne das für Mutter und Kind lebensgefährlich werden. „Wir empfehlen den Schwangeren natürlich, ihr Kind auf dem Festland zu bekommen“, sagt Dekarz.

Das sogenannte Boarding-Konzept klappe auch eigentlich sehr gut. „Die meisten werdenden Mütter verlassen rechtzeitig vor dem errechneten Geburtstermin die Insel“. Weil so ein Fall wie der von Julia Kotterba äußerst selten vorkommt, sind die Geburten auf der Insel in den vergangenen zwei Jahren stark zurückgegangen: „Im Jahr 2014 wurden insgesamt acht Kinder auf Sylt geboren, 2015 waren es fünf“ weiß Andrea Fehlberg vom Sylter Standesamt.

Julia Kotterba entschied sich, so lange wie möglich auf der Insel zu bleiben, um gemeinsam mit ihrem Mann zur Geburt nach Husum zu fahren: „Mein Mann konnte vorher arbeitsbedingt nicht die Insel verlassen und ich fand die Vorstellung einfach schrecklich, alleine das Kind zu bekommen. Bei der ersten Geburt war mein Mann an meiner Seite nämlich die wichtigste Unterstützung, auf die wollte ich nicht verzichten“, sagt Kotterba. Dennoch würde sie nicht pauschal jeder Schwangeren empfehlen, so lange auf der Insel zu bleiben. „Für mich war es wunderschön so, wie es war“, sagt sie, „aber jede Frau sollte selbst entscheiden , wie und wo sie ihr Kind zu Welt bringt.“

Steht trotz Boarding-Konzept eine Hausgeburt auf der Insel kurz bevor, soll der Bereitschaftsdienst der Hebammen greifen. „Die Hebammen, die bei dem insularen Bereitschaftsdienst mitmachen, beurteilen dann die Lage und geben uns Empfehlungen“, sagt Dekarz vom DRK. Wenn, wie im Fall von Julia Kotterba, keine Zeit mehr ist, muss das Kind vor Ort entbunden werden. Wenn wir aber noch genug Zeit haben, bringen wir die Schwangere aufs Festland - entweder mit dem Hubschrauber oder mit einem Krankenwagen auf dem Syltshuttle.“

Bei Julia Kotterba hätte ihre Hebamme Anke Bertram auch den Krankenwagen alarmiert, dieser hätte aber vor dem Haus der Familie gewartet. „Wir waren im Stand-by-Modus und standen eine Stunde vor dem Haus. Glücklicherweise ist in diesem Fall alles gut gegangen und wir konnten ohne Einsatz wieder abfahren.“

 

 

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