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Rettungsschwimmer auf Sylt : Wenn aus dem Badespaß ernst wird

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sechzig Rettungsschwimmer mit Ersthelferausbildung sorgen an den Sylter Strandabschnitten für ein sicheres Bad in der Nordsee.

Sommer, Sonne, Badezeit – an den Sylter Stränden herrscht trotz Luft- und Wassertemperaturen um 16 Grad bereits reges Treiben. Am Westerländer Hauptstrand trauen sich einige Hartgesottene in die Nordsee – unter den wachsamen Augen der Rettungsschwimmer Niels Steinke (32) und Peter Fleischhauer (49). Insgesamt rund 60 Rettungsschwimmer sind zwischen List und Hörnum im Einsatz, um Menschen vor Badeunfällen zu schützen.

Der erste Badeunfall dieses Sommers ereignete sich am Freitag auf der Westseite von Hörnum. Vier junge Leute waren morgens etwa 200 Meter südlich von der Wetterstation Bunkerhill hinausgeschwommern, trotz hoher Wellen. Einen Jungen verließen die Kräfte, bewusstlos kam er in die Nordseeklinik. Rettungsschwimmer hätten den Badeunfall vielleicht vermeiden können – aber nicht morgens gegen 6 Uhr.

Ein Bad in der Nordsee – das ist mit mehr Risiken verbunden als ein Sprung ins Freibad oder in den Binnensee. Am gefährlichsten sind die Strömungen, die schon viele – auch einheimische – Schwimmer unterschätzt haben: die sogenannten „Trecker“, die Schwimmer trotz anlandigen Winds aufs Meer hinausziehen können. Ein Sog, der auch rund um die Buhnen entstehen kann, die alle paar Hundert Meter vor der Küste ins Meer ragen. Diese Buhnen sind ein zusätzliches Risiko – bei Hochwasser sind die Bauten aus Holz, Stein oder Eisen nicht zu sehen und können schmerzhafte Verletzungen verursachen – davor warnt ein großes gelbes Holzkreuz am Strand (siehe Artikel unten).

Sportlich und wachsam: Niels Steinke (l.) und Peter Fleischhauer am Westerländer Hauptstrand.
Sportlich und wachsam: Niels Steinke (l.) und Peter Fleischhauer am Westerländer Hauptstrand. Foto: rhe

Wann und wo man baden darf, war bis vor zehn Jahren auf Sylt durch orangerote Bälle gekennzeichnet. Seitdem kennzeichnen farbige Signalflaggen die Badezeiten und Badezonen. Der überwachte Badebereich wird durch rot-gelbe Flaggen begrenzt – jenseits dieser Markierungen ist das Baden verboten. Vor Gefahren warnen die Rettungsschwimmer nach dem Ampelprinzip: Rot-Gelb-Grün. Bei grün steht dem Spaß in der Nordsee nichts entgegen. Eine gelbe Fahne warnt vor gefährlichen Badeverhältnissen – so wie gestern beim starken Wellengang. Und eine rote Flagge steht für ein Badeverbot.

Wichtige Baderegeln, die aber offenbar längst nicht jeder kennt – schon gar nicht die Tagesgäste, die ein schnelles Bad am Hauptstrand nehmen wollen. Niels Steinke wundert sich, dass sich viele unbekümmert in die Wellen stürzen. Mit Hilfe einer lauten Druckluft-Tute müssen sich die beiden Rettungsschwimmer dann Gehör verschaffen.

„99,9 Prozent der Badeunfälle können wir durch unsere Achtsamkeit vermeiden“, schätzt Peter Fleischhauer. Ohne die Rettungsschwimmer an der Sylter Küste würde die Zahl der Badetoten in die Dutzende gehen. Im vergangenen Jahr seien drei Menschen an den Stränder der Insel gestorben – meist Opfer von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Lungenproblemen. Fleischhauers Tipp: „Wer älter oder schwächer ist, sollte auch bei grüner Flagge nur im Badefeld bleiben.“ Im Bereich, den die Rettungsschwimmer mit der Ersthelferausbildung gut im Blick haben.

Täglich von 10.30 bis 17 Uhr sind sie im Einsatz. Der Bremer Peter Fleischhauer ist seit fast 30 Jahren Rettungsschwimmer, lebt seit fünf Jahren auf Sylt. Die Rettungsstation „Hauptstrand 4.40“ ist in diesem Jahr sein Revier, hier wacht Fleischhauer gemeinsam mit Niels Steinke, der im dritten Jahr als Rettungsschwimmer auf Sylt tätig ist. Steinke stammt aus Berlin-Neukölln, arbeitet sonst freiberuflich als Dozent für Sport und Gesundheit. Auf Sylt freut er sich auf den Wassersport – für ihn ein ideales Mittel gegen den Burnout im Alltag.

Sportlich fit müssen die Rettungsschwimmer sein – das wird jedes Jahr bei einem 1000-Meter-Schwimmen und einer Brandungsprüfung getestet. Eine Altersbegrenzung gibt es aber nicht – der älteste Rettungsschwimmer ist 62 Jahre alt. Die wenigsten sind Insulaner, der größte Teil kommt für die Saison nach Sylt. Die wichtigsten Strände sind vom 15. Mai bis zum 30. September bewacht, die kleineren nur im Juli und August. Dass dieser Job sehr gut bezahlt werde, glaubten immer noch viele Besucher. Tatsächlich aber seien viele Rettungsschwimmer später von Altersarmut bedroht, befürchtet Fleischhauer.

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