Weniger reden, mehr handeln

Pastor Rainer Chinnow zelebriert die kirchlichen Fußballfeste seit 1998 zu Welt- und Europameisterschaften.
Pastor Rainer Chinnow zelebriert die kirchlichen Fußballfeste seit 1998 zu Welt- und Europameisterschaften.

In unserer WM-Kolumne notiert Pastor Rainer Chinnow vor jedem Deutschlandspiel seine Gedanken über Spiel und Glauben

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22. Juni 2018, 10:46 Uhr

Das ist das, was ich intern oft anspreche, aber es fruchtet nicht so ganz!“, sagte Mats Hummels zur uninspirierten Abwehrleistung gegen Mexiko.

Mit dieser Analyse liegt er auf einer Linie mit dem Johannes (1. Joh 3, 18). Der schreibt, als hätte er uns Menschen im Allgemeinen und Kimmich, Khedira und Co. im Besonderen vor Augen: „Lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit!“

Im Fußball ist es wie im richtigen Leben: Wenn Worte nicht durch Taten bestätigt werden, schwindet das Vertrauen. Dies fängt in der Erziehung an: Wenn Eltern nicht tun, was sie sagen, verunsichert dies die Kinder und sie überschreiten permanent die Grenzen. Es gilt für Freundschaften und Partnerschaften: Wenn Worte zu billigen Versprechungen verkümmern, dann werden sich die Wege trennen. Es gilt für die Politik: Wenn Verträge gebrochen werden und Absprachen nichts mehr zählen, dann wird ein Misstrauen gesät, das sich im schlimmsten Fall in einem Krieg entladen wird.

Die Bibel schlägt ein einfaches Mittel vor, damit das Zusammenleben glückt: Redet weniger und handelt mehr! Denn die Liebe ist eine Macht, die sich nicht herbeireden lässt. Sie ist mächtig in der Tat. Im Tun setzt die Liebe eine Begeisterung frei, die beflügelt und Unmögliches möglich werden lässt. Dies zeigt sich in der Erziehung: Kinder, die sich geliebt wissen, gehen mit Vertrauen und Selbstvertrauen ihren Weg. Dies zeigt sich in Freundschaften und Partnerschaften: Menschen, die sich geliebt wissen, werden zu einer unerschöpflichen Quelle des Glücks. Dies zeigt sich in der Politik: Wo mit Liebe und Respekt für die Völker gehandelt wird, herrscht Zusammenhalt und Frieden.

Was bedeutet dies für das so wichtige Spiel gegen die bärenstarken Schweden?

Es war eine originelle und innovative Idee, 88 Minuten mit acht Männern zu stürmen und am Ende zu elft den gegnerischen Strafraum zu bevölkern. Der Erfolg gibt aber bei dieser WM den simplen Fußballtaktikern Recht: Hinten verteidigen und vorne mindestens ein Tor mehr als der Gegner erzielen. Sieht nicht schön aus, bringt aber das Team Runde um Runde weiter.

Das Rezept für Jogis Buben heißt: Zurück zu den Wurzeln! Liebt wieder den Ball und das Spiel, kämpft Mann gegen Mann, lauft einer für den anderen und entfacht einen Sturm, der begeistert. Wenn Toni Kroos weniger klagt und mehr grätscht, Mats Hummels nicht nur schimpft, sondern den Ball trifft, wenn der Thomas nicht hadert, sondern müllert und Neuer spektakulär einen Unhaltbaren klärt, dann lächelt Jogi und Deutschland singt. „Germany three Points“ – der Traum vom Achtelfinale lebt.

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