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Sylter Rundschau

19. August 2017 | 02:17 Uhr

Weniger Muscheln im Netz

vom

Umsatz der Muschelzüchter im Land ist 2012 eingebrochen / Umweltverbände üben Kritik an Fangpraxis

hörnum | Die Muschelfischer in Schleswig-Holstein mussten im letzten Jahr einen schmerzlichen Umsatzeinbruch verkraften: Wie Geschäftsführer Peter Ewaldsen während der traditionellen Saisoneröffnung in Hörnum bekannt gab, schrumpften die Einnahmen im vergangenen Jahr auf 5,4 Millionen Euro. Ein herber Verlust - hatten die Fischer im Jahr 2011 doch noch Muscheln für 17,9 Millionen Euro in den Netzen gehabt. Und auch für dieses Jahr stehen die Zeichen schlecht: "Wir sehen im Moment, dass auf den Bänken weniger liegt." Schuld an der schlechten Entwicklung der Muschelbestände sei in erster Linie die Eiderente. "Täglich dezimieren bis zu 45 000 Enten unsere Ernte." Ein Tier vertilge am Tag rund ein Kilogramm Muscheln - "bei Kilopreisen von zwei Euro löst das bei mir schon Schmerzen aus", so Ewaldsen.

Nicht nur die Schwankungen bei den Miesmuschel-Erträgen macht den sieben Unternehmen im Land Sorge - auch die schlechte Verfügbarkeit von Muschelsaatgut bereitet den Fischern Probleme: "Die bürokratischen Hürden für die Beschaffung sind immens", sagte Ewaldsen. "Wenn wir hier zu weniger Regularien kommen könnten, dann wäre das schön."

"Diese Nöte kann ich durchaus nachvollziehen", gab Landtagsabgeordnete Astrid Damerow (CDU) den Muschelfischern Rückendeckung. "Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist, warum der Austausch von Muschelsaat so beschränkt ist." Die Muschelindustrie in Schleswig-Holstein sei ein "Wirtschaftsfaktor, der für diese strukturschwache Region sehr wichtig ist", so Damerow.

Pünktlich zum Auftakt der Fangsaison kam auch Kritik an den Forderungen der Erzeugerorganisation der schleswig-holsteinischen Muschelzüchter. Die Schutzstation Wattenmeer und der WWF wiesen gemeinsam auf die Unverträglichkeit der Muschelfischerei mit dem Nationalpark hin: "Die neuen Anlagen zur Saatmuschelgewinnung sind ein klarer Eingriff in das Ökosystem Wattenmeer", sagte Silvia Gaus von der Schutzstation. Zudem verstoße der Fang wilder Muscheln gegen europäisches Naturschutzrecht.

Die Muschelfischer hingegen drängen darauf, ihre Erträge in Zukunft noch zu steigern. Statt wie bisher rund 20 000 Tonnen, wollen die Fischer die Produktion auf 50 000 Tonnen erhöhen.

Den Abschluss der Saisoneröffnung auf Sylt bildete eine gemeinsame "Hörnumer Erklärung" der Präsidenten der Fischereilichen Notgemeinschaft und des Jagd- und Bauernverbandes. Die drei Organisationen wollten damit deutlich machen, dass "sie in ihren Rechten und Möglichkeiten zu wirtschaften durch die derzeitige Landespolitik bis hin zur Existenzgefährdung eingeschränkt werden".

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erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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