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Obdachlosenunterkunft : Weniger Menschen ohne festen Wohnsitz auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Rund 15 Menschen auf Sylt sind - nach offiziellen Angaben - obdachlos. Vor fünf Jahren waren es demnach noch 40.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 04:06 Uhr

Die Zahl der Obdachlosen auf Sylt ist gesunken: Noch vor rund fünf Jahren seien es rund 40 gewesen – inzwischen sind es noch 15, teilte die Gemeinde Sylt mit. Diese Fakten unterlägen allerdings Schwankungen. Ein einzelner Grund für diese rapide Abnahme könne demnach nicht genannt werden. Seit Sommer 2016 werden die obdachlosen Menschen in neuen Einrichtungen an verschiedenen Orte betreut. Zuvor hatten sie in Wohnungen im Sjipwai gewohnt, in denen auch Asylsuchende leben. Ein Grund für den Umzug war unter anderem, dass Beratung und Wohnen, die sich zuvor am gleichen Platz befanden, räumlich voneinander getrennt sein sollten. Die Kosten für die Unterbringung übernimmt die Gemeinde.


Sie müssen lernen, wieder in einer Wohnung zu leben


„Das neue Konzept beinhaltet ein mehrstufiges Verfahren, welches zunächst mit Einweisungen für einzelne Nächte beginnt“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel. Schließlich komme das Wohnen in so genannten Trainingswohnungen hinzu – das sind spezielle Unterkünfte, in denen die Menschen nach einer Zeit auf der Straße wieder lernen sollen in einer Wohnung zu leben.

Hier seien zur Zeit vier der insgesamt zehn Personen untergebracht, die in den gemeindlichen Obdachlosenunterkünften auf der Insel leben. Die Menschen – die sowohl vom Festland, als auch von der Insel stammten – sollen individuell wieder in den normalen Wohnungsmarkt eingegliedert werden, sagt Häckel. „Jedem Klienten soll nach eigenem Tempo und eigener Problemstellung, egal ob Schulden, Alkohol oder sonstigen Problemen geholfen werden.“ Viele konnten auf diese Weise wieder in den normalen Wohnungsmarkt, sowohl auf der Insel als auch auf dem Festland, integriert oder in anderen Maßnahmen untergebracht werden.

Insgesamt wissen die Betreuer auf Sylt von fünf Menschen ohne festen Wohnsitz auf Sylt, die nicht in den Unterkünften der Gemeinde schlafen. Diesen sogenannten freiwilligen Obdachlosen stehe es frei, die Beratungsstelle aufzusuchen, heißt es von den Experten. „Hier besteht das Angebot, sich zu duschen oder Wäsche zu waschen, auch ohne die Unterbringung in Anspruch zu nehmen.“ Dazu könnten Betroffene in der kalten Jahreszeit das Angebot des Winternotprogrammes nutzen – auch kurzfristig bestünde die Möglichkeit der Übernachtung. „Niemand muss auf der Straße schlafen“, sagt Häckel.

Wo genau sich die Unterkünfte auf der Insel befinden, will die Gemeinde nicht mitteilen. Die Adressen sollen zum Schutz der dort untergebrachten Personen nicht genannt werden, heißt es.

Sozialarbeiter Jan Klein kümmert sich unter anderem um die private Lebenssituation der Wohnungslosen auf der Insel. Nicole Möller vom Ordnungsamt übernimmt die Verwaltungsangelegenheiten und unterstützt bei Behördengängen. „Die Betreuung der Menschen ist wichtig, damit sie wieder in der Gesellschaft und auch auf dem Wohnungsmarkt Fuß fassen können“, sagt Sozialarbeiter Jan Klein, der auf Sylt Obdachlose betreut. Hier stehe die individuelle Betreuung im Vordergrund. In der Beratung werden die verschiedenen Probleme erkannt und, soweit es die Person zulässt, Hilfsangebote vermittelt. Den Menschen werde quasi eine Anleitung zur Selbsthilfe gegeben.


Sozialarbeiter besuchen die von Obdachlosigkeit Bedrohten


Auch präventiv wird gearbeitet, um der Obdachlosigkeit auf der Insel vorzubeugen: „Das Ordnungsamt erhält von jedem Räumungstermin durch den Gerichtsvollzieher Kenntnis“, sagt Häckel.

Der Sozialarbeiter besuche die von Obdachlosigkeit bedrohe Person und informiere sie über das Angebot der Obdachlosenhilfe. „Jedoch wird immer nur das Angebot der Hilfe deutlich gemacht, jedem steht frei dieses anzunehmen.“ Die Hilfe könne immer nur soweit gehen, wie es der Klient selbst zulässt.

Menschen die, auf Sylt ihr Haus oder ihre Wohnung verlieren, oder davon bedroht sind, können in die Beratungsstelle der Obdachlosenhilfe (Sjipwai 51b, Wintergarten) kommen. Diese ist immer montags bis freitags von zehn Uhr bis elf Uhr geöffnet. Hier wird zunächst geschaut, wodurch der drohende Wohnraumverlust entstanden und wie diesem abgeholfen werden kann. Wichtig ist in jedem Fall, die aktive Mitarbeit der Hilfesuchenden, dass er sich helfen lassen möchte. „Wir bieten die Hilfe an, aber drängen uns nicht auf“, sagt Häckel.

Generell soll jede Person mit eigenen Mitteln der Obdachlosigkeit vorbeugen, sagt Häckel. Dazu könne unter Umständen auch ein Umzug auf das Festland gehören. Ein „Patentrezept“ gäbe es allerdings „natürlich nicht“, denn jeder Fall sei unterschiedlich.

Kontakt: Gemeinde Sylt, Andreas-Nielsen-Straße 1, 25980 Westerland. Telefon: 04651/8510; www.gemeinde-sylt.de; Email: info@gemeinde-sylt.de. Ordnungsamt, Bahnweg 20-22, 25980 Westerland; Telefon: wie oben.


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