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Sylter Rundschau

25. September 2017 | 13:23 Uhr

Wenningstedt : Weniger Graugänse am Dorfteich

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Graugänse sind nicht bei allen Wenningstedtern beliebt. Jetzt sollen Unbekannte sogar die Nester der Tiere zerstört und ihre Eier zerschlagen haben.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 05:45 Uhr

Sie zählen zu den häufigsten Wasservögeln und sind, nach der Kanadagans, die zweitgrößte Gänseart in Europa: Graugänse gehören zum Wenningstedter Dorfteich wie die rote Friesenkapelle. Seit Jahren aber wird die Gemeinde von einer steigenden Anzahl der Tiere besucht. Das gefällt nicht allen Dorfbewohnern: Im Familienbad sollen Unbekannte jetzt versucht haben, die wilden Vorfahren der domestizierten Hausgänse zu vertreiben, indem sie deren Nester zerstört sowie die Eier zerschlagen haben sollen.

 


Deutlich weniger Graugänse am Dorfteich


 

„Die Bürgermeisterin hat gesagt, sie sieht die Gänse lieber auf ihrem Teller, als am Dorfteich, wo sie alles nur vollscheißen“, sagte eine Frau, die anonym bleiben möchte, der Sylter Rundschau. Im Auftrag der Gemeinde Wenningstedt-Braderup wären die Nester der Graugänse zerstört worden, um diese zu vertreiben.

„Wir zerstören definitiv keine Eier“, sagt Katrin Fifeik, Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup. Bis vor einigen Jahren habe die Gemeinde Jäger beauftragt – unter strengen Auflagen – die Eier zu sammeln. Das sei inzwischen allerdings nicht mehr gestattet.

 


Pastor Chinnow glaubt Gerüchten nicht


 

 

Gegen eine mögliche Zerstörung der Eier positioniert sich auch der Naturschutz: „Ich finde das sehr bedauerlich, wenn so etwas passiert“, sagt Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt. Vorher seien deutlich mehr Graugänse am Teich gewesen – „jetzt sind es viel weniger“. Ob wirklich jemand mutwillig die Gänse vertreiben wollte, könne sie jedoch nicht sagen.

Über die Gänse-Gerüchte kann der Pastor der Norddörfer Kirchengemeinde, Rainer Chinnow, nur lachen. „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, das würde in Wenningstedt niemand tun“, ist er sich sicher. Zwar hätten auch ihn die Vögel rund um Dorfteich und Friesenkapelle in der Vergangenheit gestört: In diesem Jahr allerdings seien viel weniger Gänse gekommen als sonst. Dafür hätten sich gerade zwei Entenpärchen auf dem kleinen Tümpel eingerichtet, was ihn sehr freue. „Früher sind teilweise hunderte Gänse hier gelandet – das waren im Prinzip zu viele für den kleinen Teich.“ So viele seien es jetzt aber „definitiv nicht“ – woran das liegen könnte, wisse er nicht. Manchmal hätten die Gänse auch bei ihm in der Kirche vorbeigeschaut: „Das war auf der einen Seite niedlich, aber auch mit viel Dreck verbunden“, sagt er.

 


Auf den Feldern tummeln sich weniger Gänse


 

 

Dass jemand mutwillig versucht habe, die Gelege zu zerstören, kann sich auch der Morsumer Jäger Klaus Mungard nicht vorstellen. Er vermutet, dass die Zahl der Tiere abgenommen haben könnte, weil sie weniger Brutplätze auf den Inseln im Teich gefunden haben.

Auch auf den Feldern von Biobauer Eckhard Volquardsen tummelt sich in diesem Jahr weniger graues Federvieh, als in der Vergangenheit. „Wir haben hier gar keine Probleme mit den Gänsen, die verteilen sich alle gut“, sagt er. Dieses Jahr hätten sie „alles im Griff“. Volquardsen führt diese gesunkene Zahl jedoch darauf zurück, dass er – aus Zeitgründen – weniger Füchse geschossen hat, als sonst. Dadurch habe die Gans, zusätzlich zum Marderhund und Dachs, drei Fressfeinde: Vollgekotete und abgefressene Erdbeerfelder habe es dadurch bei ihm dieses Mal nicht gegeben. Diese Raubtiere kämen allerdings nur in freier Wildbahn vor – am Dorfteich würden sie eher nicht jagen.

 

 

 

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