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Landtagswahl : Wenig Prominenz auf Sylt vor der Wahl

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vom Landtagswahlkampf ist außer Plakaten und Aktionen lokaler Politiker kaum etwas zu merken.

von
erstellt am 04.Mai.2017 | 05:11 Uhr

Nur noch vier Tage, dann wählt ganz Schleswig-Holstein seinen neuen Landtag. Kommenden Sonntag, den 7. Mai, werden auch die Sylter an die Wahlurnen gerufen: Exakt 15  039 deutsche Bürger mit erstem Wohnsitz auf der Insel dürfen ihre Stimmen abgeben, darunter erstmals 734 Wahlberechtigte ab 16 Jahren. Von besonderer Anspannung oder gar Nervosität bei den Politikern und bei den Wählern allerdings ist in den Sylter Gemeinden – im Unterschied zur wachsenden Aufregung in der Landeshauptstadt Kiel – nur wenig zu spüren.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass es auf der Insel bisher kaum öffentlichkeitswirksame Wahlkampf-Aktivitäten gegeben hat und in der verbleibenden Zeit außer Ständen und Flyer-Aktionen auf dem Wochenmarkt oder in der Fußgängerzone auch keine geplant sind. Überregionale Repräsentanten – zumindest der großen Parteien – haben sich so gut wie gar nicht hier sehen lassen. Weder mit SPD-Ministerpräsident Torsten Albig noch mit seinem CDU-Herausforderer Daniel Günther oder mit dem sonst häufiger auf Sylt anzutreffenden FDP-Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki gab es irgendwelche presseträchtigen Termine vor den sonst so werbewirksamen Sylter Nordsee-Kulissen. Anders noch vor der Landtagswahl 2012, als sich zum Beispiel der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Landes- und Lokalpolitikern der SPD wie der damaligen Kandidatin für den Wahlkreis 1 Südtondern, Gitta Trauernicht, und Fraktionschef Gerd Nielsen beim Spaziergang auf dem Roten Kliff in Kampen oder beim anschließenden Boule-Spielen im Avenariuspark (siehe Foto unten) ablichten ließen.

Über die Ursachen des Fernbleibens der Spitzenpolitiker von der Insel kann nur spekuliert werden. Ein Grund ist sicher das traditionell starke Abschneiden der CDU auf Sylt: Vor fünf Jahren holte Astrid Damerow inselweit 3640 der insgesamt 8525 gültigen Erststimmen, Gitta Trauernicht (SPD) kam nur auf 2109 Stimmen. Bei den Zweitstimmen im damaligen Wahlkreis Südtondern, zu dem auch Sylt gehörte, war die Dominanz der Christdemokraten noch deutlicher: Die CDU erreichte 41,6 Prozent, die SPD lediglich 27,1 Prozent.

Die Insel Sylt und auch Nordfriesland seien jedoch keineswegs repräsentativ für das gesamte Land Schleswig-Holstein, sagt Gerd Nielsen: „Die Koalition aus SPD, SSW und Bündnis 90/Grüne hat fünf Jahre lang sehr gut gearbeitet und ohne große Auseinandersetzungen weitgehend geräuschlos viele wichtige Entscheidungen auf den Weg gebracht. Das betrifft zum Beispiel die Bereiche Kita und Schule, Wohnungsbau oder auch das Thema Flüchtlinge“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Gemeindevertretung Sylt. „Die Regierung hat vernünftige Arbeit geleistet und sollte deshalb wiedergewählt werden.“

Ganz anders sehen das selbstverständlich die Sylter Christdemokraten und setzen dabei auch auf lokale Prominenz: „Wir hoffen in erster Linie auf ein gutes Ergebnis für unseren Kandidaten Ingbert Liebing. Das kommt dann auch Sylt zugute, denn er kennt sich hier aus und wird bei großen Problemen der Insel wie der Verbesserung der Bahnanbindung oder der Zukunft des Hörnumer Hafens sicher helfen können“, so Oliver Ewald, der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Sylt. Liebing habe durch seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter mehrfach bewiesen, dass er wichtige Themen nicht nur anpacken, sondern sie dann auch erfolgreich bearbeiten könne. „Grundsätzlich spüren wir im Land Rückenwind. Das zeigen die aktuellen Umfragen, aber auch die Auftritte von Daniel Günther bei TV-Duellen“, so Oliver Ewald. „Ich erwarte zumindest, dass die CDU stärkste Partei wird – alles Weitere werden wir sehen ...“

Maria Andresen von Bündnis 90/Die Grünen betont, ihre Partei wolle weiter in der Regierung bleiben und die aus ihrer Sicht erfolgreiche grüne Landespolitik fortsetzen – „insbesondere in Hinsicht auf Umwelt- und Naturschutz, aber auch für eine nachhaltige Wirtschaft. Darüberhinaus wollen wir die E-Mobilität – nicht nur auf der Insel – weiter ausbauen und fördern. Und das kann man nur mit starken Grünen in der Landesregierung.“

Im Wahlkreis 1 Nordfriesland-Nord treten neun Direktkandidaten – außer von SPD, CDU und Grünen auch von der FDP, den Piraten, dem SSW, den Linken sowie den Freien Wählern und der neuen Partei Zukunft.SH – sowie 13 Parteien an. Gewählt werden kann am Sonntag von 8 bis 18 Uhr in 13 Wahllokalen von List bis Hörnum; das jeweils zuständige Wahllokal ist in den Wahlbenachrichtigungen genannt. Noch bis Freitag, 5. Mai, ist auch das zentrale Briefwahllokal der Insel im Westerländer Bahnweg geöffnet – täglich von 8 bis 12.30 Uhr, am Donnerstag zusätzlich von 14 bis 17 Uhr. Dort können Wahlberechtigte direkt ihr Kreuz machen und ihren Stimmzettel abgeben. Die Anzahl der Briefwähler sei mit bislang 2500 Personen um ein Vielfaches höher als 2012, teilt der zuständige Bürgerservice der Inselverwaltung mit. Zirka zehn Prozent hätten über das neue Online-Verfahren gewählt.

Parallel zur Landtagswahl findet die Abstimmung über den Bürgerentscheid zur „Weiterentwicklung der Klinikum Nordfriesland gGmbH“ statt. Ihr Votum für oder gegen die von der Partei Zukunft.SH heftig kritisierten Pläne des Kreises abgeben können insgesamt 16 876 Insulaner ab 16 Jahre, weil auch auf Sylt gemeldete EU-Bürger stimmberechtigt sind. Das Interesse am Bürgerentscheid scheint ebenfalls hoch zu sein: Per Briefwahl haben bisher 1500 Berechtigte ihre Stimme abgeben, davon 15 Prozent online.

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