zur Navigation springen

Pension Jensen auf Sylt : Wenig Hoffnung für Lister Pension

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die vom Kreis Nordfriesland verfügte Schließung der kleinen Pension im Inselnorden sorgt für große Aufregung – nicht nur bei den Betroffenen.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 04:58 Uhr

Der Artikel über die kleine Pension Jensen in List (siehe Sylter Rundschau vom 20. April) sorgte in der vergangenen Woche für reichlich Diskussionsstoff auf der Insel. Zur Erinnerung: Eine Anzeige von Unbekannt lenkte die Aufmerksamkeit des Kreisbauamtes in Husum auf die 1966 erbaute Fremdenpension. Bei der Durchsicht der Unterlagen stellte sich – zur Überraschung des Hauseigentümers Michael Perlick, der das Gebäude vor etwa zehn Jahren kaufte – heraus, dass es gar keine Baugenehmigung für eine Pension gibt, lediglich ein Wohnhaus wurde genehmigt. Aufgrund dieser fehlenden Genehmigung muss die Pension nun zum Ende des Jahres schließen. Rechtsanwalt Michael Perlick ist sich aber sicher, dass es eine Baugenehmigung geben muss – das Bauamt diese allerdings verloren hat.

Was wohl jeden Hauseigentümer interessieren dürfte: „Nicht die Baubehörden, sondern jeder Bauherr ist verpflichtet, die ihm erteilten Baugenehmigungen aufzubewahren“, stellt Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland, klar. „Jeder Käufer eines Gebäudes ist gehalten, die Übergabe dieser Unterlagen vom Verkäufer zu verlangen.“ Sind diese nicht mehr vorhanden, sollte der Käufer vor Vertragsabschluss bei der örtlich zuständigen Bauaufsicht nachfragen, ob rechtliche Aspekte seinem Vorhaben entgegenstehen, erklärt der Kreissprecher. Und: „Im Gegensatz zur Vermutung vieler Käufer beurkunden Notare lediglich den Kaufvertrag, prüfen jedoch nicht die bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Gegebenheiten.“

Ebenso wehrt sich Kreissprecher Slopianka gegen Perlicks Aussage, das Gebäude müsse abgerissen werden. „Der Kreis hat den Eigentümer lediglich aufgefordert, einen genehmigungsfähigen Bauantrag einzureichen. Sowohl ein Wohnhaus als auch ein Beherbergungsbetrieb sind von ihrer Nutzung her am jetzigen Standort planungsrechtlich grundsätzlich genehmigungsfähig.“ Allerdings müsse der Bau alle Vorgaben des B-Planes erfüllen, zu denen auch das festgesetzte Maß der baulichen Nutzung gehört. Das aber ist derzeit schwierig, denn das Gebäude ist etwa 20 Quadratmeter zu groß.

In seinen Gesprächen mit dem Bauamt habe er jedoch anderes zu hören bekommen, betont Michael Perlick . „Wir haben alle Genehmigungen, die wir von der Gemeinde List bekommen konnten, eingereicht und nachgeliefert und dachten schließlich: Mit diesem Bauantrag wird alles gut“, sagt er. In einem letzten Gespräch sei ihm dann aber alle Hoffnung genommen und mitgeteilt worden, dass ein Abriss nur durch eine B-Plan-Änderung zu verhindern sei – „und so eine Änderung ist völlig utopisch“, erklärt der Rechtsanwalt.

Der Fall ließ auch die Emotionen in Michael Perlicks Umfeld hochkochen: „Wir haben viele Rückmeldungen erhalten. Vor allem von Gästen, die das alles nicht glauben können, da wir die Pension ja auch erst vor kurzem komplett renoviert haben“, berichtet der Hauseigentümer. „Andere Bekannte wollen sogar eine Petition starten und Unterschriften sammeln. Allerdings bezweifle ich, dass das zielführend ist“, sagt Perlick. Auch habe er von unterschiedlichen Seiten gehört, dass die Sylter Bauakten bis Ende der 1960er Jahre noch im Amt Südtondern lagen. „Ab 1970 wurde alles neu strukturiert und die Ordner wanderten nach Husum. Und da ist ein Teil wohl nicht mitgekommen“, sagt Perlick. Unter den Akten, die Husum nie erreichten, glaubt Michael Perlick auch seine Baugenehmigung, die ihm in der momentanen Lage so sehr helfen würde.

Der Hauseigentümer hofft aber immer noch, dass das Bauamt noch einmal mit sich reden lässt. „Vielleicht können die sich einfach noch mal das angucken, was wir bereits eingereicht haben“, sagt Perlick. Ansonsten wünsche er „allen, die zwischen 1965 und 1970 gebaut haben, keine bösen Nachbarn, die eine Anzeige beim Bauamt erstatten“, sagt er. „Denn wenn diese ihre Baugenehmigungen auch nicht mehr parat haben sollten, könnten sie große Probleme bekommen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen