Sylter Geschichte : Weltkulturerbe Tinnum-Burg?

Die Tinnum-Burg wurde bereits vor rund 2000 Jahren erbaut, etwa um Christi Geburt. Der Durchmesser beträgt rund 120 Meter.
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Die Tinnum-Burg wurde bereits vor rund 2000 Jahren erbaut, etwa um Christi Geburt. Der Durchmesser beträgt rund 120 Meter.

Der Tinnumer Ringwall ist weitaus älter als das Unesco-Weltkulturerbe an der Schlei.

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03. Juli 2018, 04:58 Uhr

Zwei Relikte aus der Wikingerzeit – Haithabu und das Danewerk – sind am Wochenende zum Weltkulturerbe erklärt worden. Doch Sylt hat ebenfalls einen Erdwall: Die Tinnum-Burg. Wäre es nicht an der Zeit, aus dem Sylter Ringwall touristisches Kapital zu schlagen? „Eine gute Idee“, sagt die Sylter Gästeführerin Silke von Bremen, „zudem die Tinnum-Burg noch 700 Jahre älter als das Danewerk ist.“

Die Idee, Haithabu und das Danewerk für das Weltkulturerbe der Unesco vorzuschlagen, hatten vor 14 Jahren Birte Anspach und ihr Freund Thorsten Lemm in einem Seminar an der Kieler Uni. Mit dem Unesco-Etikett ließe sich der Tourismus in der Schlei-Region deutlich voranbringen, hatten die beiden ihrem Professor Claus von Carnap-Bornheim vorgeschlagen. 14 Jahre später knallten am Sonnabend bei den Landesarchäologen die Sektkorken, als das Unesco-Weltkulturerbe-Komitee in Bahrain den Antrag aus Schleswig positiv beschied. Carnap-Bornheim war mittlerweile Direktor des Archäologischen Landesamtes, Birte Anspach ist heute Sprecherin der Schleswiger Behörde.

Die ersten Erdwälle des Danewerks zwischen der Schlei, der Treene und der Rheider Au wurden vor dem Jahr 700 angelegt.
Foto: Martin Ziemer/nordpool
Die ersten Erdwälle des Danewerks zwischen der Schlei, der Treene und der Rheider Au wurden vor dem Jahr 700 angelegt.

Nun rauchen den Touristikern an der Schlei die Köpfe, wie sie den neu errungenen Titel gewinnbringend für den Fremdenverkehr nutzen können. Ganz anders auf Sylt. Wer als Inseltourist nicht auf das frühgeschichtliche Objekt hingewiesen wird, könnte den Ringwall am Horizont auch für einen bäuerlichen Erdhaufen halten. Viel mehr ist von der nächsten Straße aus nicht zu sehen. Die Tinnum-Burg liegt etwa 400 Meter vom Tinnumer Kampende entfernt. Dabei hat der Ringwall einen Durchmesser von rund 120 Metern und erhebt sich mit seiner steilen Böschung bis zu fünf Meter hoch über das Grünland.

Auf ihren Gästeführungen bleiben Besuchergruppen öfter am Kampende stehen und bekommen Informationen darüber, welche Bedeutung das Areal für das Sylter Kulturerbe hat. Danach gehört die Tinnum-Burg zu den in der frühen römischen Kaiserzeit errichteten Rundwällen auf den nordfriesischen Inseln, von denen außer ihr nur noch die Lembecksburg auf Föhr erhalten geblieben ist. Die Archsum-Burg wurde zerstört und die Rantum-Burg liegt unter Dünen begraben. Heute werden die Rundwälle von den Archäologen als germanische Kultstätten gedeutet. Doch der freie Blick auf die Tinnum-Burg könnte der Vergangenheit angehören, wenn in der Baulücke am Kampende die Pläne für ein neues Feuerwehr-Gerätehaus realisiert werden.

„Das wäre natürlich sehr schade“, sagt Archäologin Birte Anspach, die die Tinnum-Burg aus eigener Anschauung kennt. Für ein Kulturdenkmal wie die Tinnum-Burg sei es wichtig, dass es in der Landschaft weit sichtbar und erlebbar ist. Sogar eine Bewerbung um den Weltkulturerbe-Titel sei denkbar, doch dafür wären noch hohe Anforderungen zu erfüllen: die nachhaltige Pflege des Kulturdenkmals, der Schutz der Umgebung, ein umfassender Managementplan. Das Danewerk sei zwar stellenweise auch bebaut, doch mit einer Länge von fast 30 Kilometern auch deutlich größer.

Was die Bebauung mit einer Feuerwache angeht, seien dem Archäologischen Landesamt aber die Hände gebunden, sagt Birte Anspach. So heißt es in der Stellungnahme der Oberen Denkmalschutzbehörde zum Tinnumer Bebauungsplan: „Im Sinne der Gleichbehandlung kann nun die Bebauung des letzten der Grundstücke nicht versagt werden.“

Aber auch mit einer Feuerwache auf der Sichtachse könnte man sich noch ein Touristikkonzept für die Tinnum-Burg überlegen, glaubt Birte Anspach. Eine Beschilderung wäre ein Anfang, und bei Führungen könnten die Gäste immer wieder darauf hingewiesen werden. „Denn was in aller Munde ist, wird auch wertgeschätzt.“

Wer mehr über die Tinnum-Burg erfahren möchte, wird in der Ausstellungsabteilung „Archäologie“ des Sylter Heimatmuseums fündig. Auch im Kunstprojekt „Sjüün“ der Kieler Künstlerin Chili Seitz wurde der Raum um die alte Ringwallanlage verewigt. „Als Historiker setze ich mich natürlich sehr dafür ein, dass diese Kultstätten nicht in Vergessenheit geraten und Passanten auf diese bedeutende Geschichte aufmerksam gemacht werden“, sagt Museumschef Alexander Römer.

Das Interesse am Morsumer Silberschatz oder an den Sylter Hünengräbern, die unter dem Titel „hünen.kulTour“ durch drei Fahrradtouren erschlossen wurden, sei groß. Die Tinnum-Burg und die Ringfibel seien fester Bestandteil der neukonzipierten Archäologie-Ausstellung zur Sylter Geschichte, sagt Römer. Aber ob man vor die reale Tinnum-Burg eine Feuerwache stellen sollte? „Da hätte ich große Bauchschmerzen.“

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