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Asylbewerber auf Sylt : Weitere 400 Flüchtlinge für Sylt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im laufenden Jahr soll die Zahl der Asylbewerber deutlich ansteigen, doch für die Unterbringung reichen die ehemaligen Jugendheime und Schulen nicht aus.

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erstellt am 14.Jan.2016 | 05:30 Uhr

Zur Zeit sind auf Sylt exakt 201 Flüchtlinge untergebracht, im Laufe des Jahres werden es jedoch etwa drei Mal so viele sein. Bürgermeister Nikolas Häckel nannte auf der Sitzung des Hauptausschusses am Dienstagabend aktuelle Zahlen: 2016 sollen gemäß der Quote des Kreises Nordfriesland weitere 421 Personen der Insel zugeteilt werden. Die Gesamtzahl der Neubürger, die aus Krisengebieten der Welt geflohen sind und auf Sylt eine sichere Heimat finden sollen, steigt damit auf über 600.

Zwar stünden für die Unterbringung derzeit noch 152 freie Plätze – überwiegend in der Westerländer Wohnsiedlung Süd – zur Verfügung, sagte Nikolas Häckel, aber so schnell wie möglich müssten weitere Unterkünfte für zirka 270 Flüchtlinge geschaffen werden. Denn wann wie viele Einzelpersonen oder sogar ganze Familien kommen, ließe sich nie genau voraussagen. Mit Hochdruck arbeiten deshalb alle Verantwortlichen der Inselverwaltung und des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) an der Bereitstellung weiterer Unterkünfte für Flüchtlinge. Erste Priorität haben dabei diejenigen KLM-Wohnungen, die eigentlich schon zum Abriss vorgesehen waren, sowie das Gebäude des ehemaligen Jugendaufbauwerks (JAW) im Hörnumer Norden. „Beides läuft gegenwärtig parallel“, erläuterte der Bürgermeister. „Danach kümmern wir uns um die Aufstellung mobiler Häuser und um eine mögliche Nutzung der ehemaligen Grundschule in Morsum als Flüchtlingsunterkunft.“

Alle kommunalen Wohnungen sollen bis Ende März für Asylbewerber bezugsfertig sein. Für das JAW laufen derzeit die Gespräche zum Abschluss einer Nutzungsvereinbarung: „Da gibt es noch einigen Verhandlungsbedarf“, sagte KLM-Chef Marcus Kopplin in der Ausschuss-Sitzung. Untergebracht werden können in dem ehemaligen Jugendheim 70 bis 80 Personen. Nikolas Häckel empfahl den Gemeindevertretern jedoch dringend, das landeseigene Gebäude nur für maximal fünf Jahre als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Die ebenfalls diskutierte Option eines Ankaufs und einer späteren Verwendung zum Beispiel als Dauerwohnraum für Sylter sei mit zu großen Risiken behaftet. Denn er habe aktuell von Bürgermeister Rolf Speth den „überaus wichtigen Hinweis“ erhalten, dass in Teilgebieten des Hörnumer Nordens doch kein Wohnungsbau mehr vorgesehen sei. „Die Gemeinde Hörnum hat dort die alleinige Planungshoheit“, erläuterte Häckel. „Wir geben vielleicht zweieinhalb Millionen oder mehr für ein Haus aus, das nur fünf Jahre genutzt, dann aber abgerissen werden muss – und das auch noch auf unsere Kosten.“

Für Asylbewerber jedoch werde das JAW-Heim vom Land Schleswig-Holstein kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zwar seien Investitionen von zirka einer Million erforderlich, um das Gebäude bezugsfähig zu machen, aber unter dem Strich rechne sich das, so Bürgermeister Nikolas Häckel. Die Umbauarbeiten sollen dann zweigeteilt verlaufen, erläuterte Marcus Kopplin. Besonders aufwändig sei die Sanierung der sanitären Anlagen wegen einer möglichen Legionellengefahr. „Wir müssen zum Beispiel alle so genannten Todleitungen prüfen“, so der KLM-Betriebsleiter. „Unter Umständen werden deshalb Waschräume und Toiletten zunächst in Außencontainern auf dem Gelände eingerichtet.“ Er hofft jedoch, dass es gelingen wird, den ersten Schwung von etwa 40 Neuankömmlingen bis April oder Mai in Hörnum unterzubringen, den Rest dann im Sommer des Jahres.

Die größte Zahl von Flüchtlingen könnte auf Sylt zukünftig allerdings in mobilen Einheiten, also einer Art Containersiedlung, untergebracht werden. Die Prüfungen möglicher Stellplätze sei abgeschlossen, berichtete Nikolas Häckel. In Frage kommen zwei Flächen der Gemeinde Sylt sowie vier, die dem Bund gehören. Zu deren Nutzungsbedingungen sollen jetzt Gespräche mit der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) geführt werden. Je Fläche können Unterkünfte in schnell zu errichtenden Holzhäusern für zirka 100 Personen geschaffen werden. Finanziell sei allerdings zu bedenken, dass neben Ausgaben für die Anschaffung und den Aufbau der Gebäude auch noch Erschließungskosten für Wasser, Abwasser, Gas und Strom hinzukämen, so der Bürgermeister. „Denn die potenziellen Stellflächen befinden sich zum Teil doch etwas außerhalb.“

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