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Einzelhandel : Weihnachtsgeschäft? Auf Sylt kaum ein Thema

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Während auf dem Festland zur Weihnachtszeit die Kassen klingeln, sieht es auf Sylt mau aus.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 05:28 Uhr

Bücher, schöner Schmuck oder ein hübsches Kleid: Gerade zur Weihnachtszeit geben viele Deutsche gern mehr Geld aus als im Rest des Jahres – und der Einzelhandel freut sich über die umsatzstärkste Zeit des Jahres, wie das statistische Bundesamt mitteilte. Im Vergleich zum Festland können Geschäfte auf der Insel in den Wintermonaten allerdings nicht von Rekordeinnahmen schwärmen. Rund 18 Prozent seines Umsatzes hat der Einzelhandel 2014 deutschlandweit allein in den Monaten November und Dezember erwirtschaftet, teilt das Statistik-Portals Statista mit. Auf Sylt hingegen sind dies eher umsatzschwache Monate. „Die Geschäfte sind auf der Insel stark an die touristischen Ströme gekoppelt“, sagt Ronald Glauth, der Geschäftsstellenleiter des Vereins Sylter Unternehmer (SU). Eine Statistik mit genauen Umsatzzahlen sowie Vorjahresvergleichen gäbe es für Sylt allerdings nicht. Wir haben uns in den Geschäften auf der Insel umgehört.


Mode, Technik und Bücher


„Das Weihnachtsgeschäft auf der Insel beginnt erst kurz vor dem Fest und nicht schon im November, so wie auf dem Festland“, sagt Oliver Boettiger, Geschäftsführer des Mode-und Technikhauses H.B. Jensen in Westerland. Die Sylter würden vorher ihre Einkäufe gern in Geschäften außerhalb der Insel erledigen. „Die Insulaner wollen gerne andere Städte entdecken“, ist er sich sicher. Jetzt im Herbst werden auf Sylt überwiegend praktische sachen wie warme Jacken, Mützen und Schals verkauft. Urlauber und Tagesgäste hingegen kämen nicht extra zum Einkaufen – sie würden hier nur einkaufen, wenn sie sowieso im Urlaub auf der Insel sind. Mit einem guten Serviceangebot versucht der Unternehmer gegen den wachsenden Online-Markt und das schwache Wintergeschäft anzugehen.

„Unser Weihnachtsgeschäft läuft im Juli und August“, berichtet auch eine Mitarbeiterin des Buchhaus Voss in der Friedrichstraße. Das, was jetzt in den Läden auf dem Festland los sei, könne man mit der Insel überhaupt nicht vergleichen. „Die Umsatzzahlen gehen im Winter, im Vergleich zum Sommer, um weit mehr als die Hälfte zurück. Das ist ein riesiger Unterschied, das merken wir ganz deutlich“, weiß die Buchverkäuferin. Ob Krimi, Roman oder Gedicht: „Alles was irgendwie mit Sylt zu tun hat, verkauft sich sehr gut“, sagt die Fachfrau. Im Winter würden auch bei den Syltern, die dann wieder mehr Zeit für den Einkaufsbummel haben, besonders Weihnachtsbücher, Krimis oder Theodor Storm sehr gerne gelesen.


Schmuck und Art Deco


„Wir sind hier gezeitenabhängig“, sagt Goldschmiedin Birgit Damer zu den Umsatz-Unterschieden zwischen Sommer und Winter. In ihrem Keitumer Atelier verkauft sie Halsketten, Ringe und Anhänger. „Vom Umsatz her ist das Frühjahr am schlimmsten für mich – nachdem es bis zum Jahresende, auch durch die Weihnachtszeit, gemütlich und belebt ist.“ Urlauber und Zweitwohnungsbesitzer seien ihre Hauptkunden, die Sylter hingegen eher in der Minderheit. „Von den Insulanern allein könnten wir mit unseren Läden auch gar nicht existieren“, sagt sie.

„Das ist ganz, ganz schwierig“, sagt auch Michael Rühmling, „im einen Jahr läuft es gut mit dem Weihnachtsgeschäft, im anderen überhaupt nicht“. In seinem Laden in Kampen verkauft er Art Deco, Silber und Uhren sowie verschiedene Kunstobjekte. Im Durchschnitt sei die Kunden-Frequenz im Winter sehr viel geringer. In der kälteren Jahreszeit zählten viele Zweitwohnungsbesitzer zu seinen Kunden, die sich freuen, wenn es überhaupt ein geöffnetes Geschäft gibt, in dem sie stöbern können.


Souvenirs und Geschenke


Seit über 100 Jahren verkauft Wegst in Westerland eine große Auswahl an Syltsouvenirs, Geschenken, Schmuck und mehr. Hier sei es komplett anders als in größeren Städten auf dem Festland, bestätigt auch Geschäftsführer Carsten Wegst. „Wir haben hier kein Weihnachtsgeschäft auf der Insel.“ Selbst wenn sich das Einkaufsverhalten der Kunden im Sommer-Wintervergleich in den vergangenen Jahren verschoben habe, sagt Wegst. Das liege auch an den geänderten Öffnungszeiten in Westerland – früher hätten viele Läden im Winter zugemacht. Jetzt, in der dunkleren Jahreszeit, gingen mehr Lampen und Kerzen über den Ladentisch, auch Sylter würden dann vermehrt einkaufen.

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