Galerie Herold auf Sylt : Weggehen um anzukommen

Katharina Herold vor ihrer Galerie in Keitum, die sie vor vier Jahren eröffnete.
Katharina Herold vor ihrer Galerie in Keitum, die sie vor vier Jahren eröffnete.

Die Galeristin Katharina Herold verlässt Ende des Monats Sylt, bleibt aber der Insel treu.

shz.de von
17. August 2018, 05:30 Uhr

Als Katharina Herold vor vier Jahren in der Keitumer Bahnhofstraße ihre Galerie eröffnete, begeisterte sie das Kunst-, Schmuck- und Interior-interessierte Publikum mit ihren stimmigen Inszenierungen. Die junge Kunsthistorikerin, die viele Jahre bei Christie‘s in London gearbeitet hatte, verstand es zudem, in den Räumen des einladend wirkenden reetgedeckten Backsteinhauses eine Atmosphäre zu erzeugen, die sich mancher gern für das eigene Zuhause wünschte. Doch jetzt leeren sich langsam die Räume, werden die Objekte, Möbel und Kunstwerke weniger.

„Ja, ich werde Ende des Monats die Galerie schließen“, bestätigt Katharina Herold, um gleich zu ergänzen, dass sie der Insel „natürlich treu bleiben wird, denn die Galerie Herold bleibt ja auch auf Sylt“. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, muss man wissen, dass die gerade mal 32-Jährige Kunst-Expertin gesehen hat, wie sehr sie der „ganzheitliche Umgang mit Kunst, Räumen und Gestaltung liegt und begeistert“. Dazu schätzt sie sich selbst auch als eine Frau ein, „die sich nicht gern festlegt. Weder auf Orte, noch auf Kunstrichtungen oder Zeiträume, in denen dieses oder jenes passieren soll. Ich will unabhängig und spontan bleiben“.

Der ganzheitliche Umgang mit Kunst, Räumen und Gestaltung liegt und begeistert die 32-jährige Kunst-Expertin.
Foto: sr
Der ganzheitliche Umgang mit Kunst, Räumen und Gestaltung liegt und begeistert die 32-jährige Kunst-Expertin.

Klar geht sie „mit einem weinenden Auge, aber auch mit sehr viel Freude im Herzen, die mir die Menschen hier auf Sylt geschenkt haben. Es ist eine ganz besondere Insel, mit ganz besonderen Menschen“. Wenn „Mausi“, wie sie von ihrer Familie und ihren Freunden genannt wird, sich jetzt für Hamburg entscheidet, „dann hat das sehr viel mit der Spontanität, aber auch mit der Präsenz und Erreichbarkeit zu tun, die ich für meine neue Tätigkeit in Hamburg realisieren kann, aber nicht auf Sylt“. Wie schon auf Sylt bekam sie in den letzten Jahren immer wieder Anfragen zum Aufbau von Kunstsammlungen, zur Gestaltung von Wohnräumen oder als Beraterin von Auktionshäusern. „Mit einer Galerie, in der ich anwesend sein muss und auf einer Insel, auf der man nur sehr bedingt zuverlässig ankommt, sind solche Aufträge nicht gut zu betreuen.“

In ihrer Galerie hat sie eine Atmosphäre geschaffen, die sich mancher gern für das eigene Zuhause wünschte.
Foto: sr
In ihrer Galerie hat sie eine Atmosphäre geschaffen, die sich mancher gern für das eigene Zuhause wünschte.

Der Wahrheit die Ehre gibt Katharina Herold aber auch zu, „dass es jetzt weiter gehen muss. Ich bin zu jung, um mich endgültig an einem Ort niederzulassen, um dann hier die nächsten Jahrzehnte zu bleiben“. Die Aufträge für die kommenden Monate liegen schon vor, die Kunstschätze der Galerie bleiben über die Herold Galerien in Hamburg und auf Sylt erhalten. Die Galeristen-Familie sieht in dem Schritt der Tochter eine willkommene Erweiterung des Portfolios, wird doch Katharina weiterhin unter dem Label Herold firmieren und sich immer wieder in die Arbeit und Galerien von Bruder Patrick und den Eltern Karin und Rainer einbringen. „Es werden sich viele Gründe finden, immer wieder auf die Insel zu kommen. Sylt ist nicht einfach ein Ort von vielen, in denen ich leben durfte, Sylt ist für mich ein Geschenk gewesen.“

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