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Kommunalpolitik : Was wird aus der Tinnumer Schule?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach dem Abschied von Rektorin Martina Bengsch-Maczik ist eine Fusion der Boy-Lornsen-Schule mit St. Nicolai im Gespräch

von
erstellt am 17.Jul.2017 | 04:39 Uhr

Einige Tränen des Abschieds flossen bei der Verabschiedung von Martina Bengsch-Maczik. Zum Ende des Schuljahres verlässt die 57-Jährige die Tinnumer Boy-Lornsen-Schule und verstärkt ab 1. August als Sonderpädagogin das Kollegin der Westerländer St. Nicolai-Schule. Mit Gesang und Tanz verabschiedeten die Grundschüler ihre Rektorin. Ob ihre Stelle wieder besetzt wird, entscheiden in dieser Woche die Kommunalpolitiker.

Zur Feier des Tages hatten sich die Schüler rote T-Shirts mit dem Aufdruck „Boy-Lornsen-Schule“ übergezogen und das Lied „Ciao, es war schön“ eingeübt. Sogar für Südsee-Flair war gesorgt – dank einiger eifriger Tänzerinnen und hawaiianischer Hula-Musik. Schüler, Lehrer und Elternvertreter mussten sich gleich von vier vertrauten Mitarbeiterinnen trennen: Milena Lauritzen, Heidrun Mylin, Kirsten Reinartz und Martina Bengsch-Maczik. „Die vier begeben sich auf eine spannende Reise und gehen einen neuen Weg“, sagte die stellvertretende und nun auch kommissarische Schulleiterin Christiane Posselt-Schürch.

In die Zeit von Martina Bengsch-Maczik fielen „eine Menge toller Projekte“, würdigte Birgit Michaelis die Rektorin. Im Februar 2002 wurde sie Schulleiterin in Tinnum und startete gleich ein Präventionsprojekt zur Stärkung sozialer Kompetenzen. 2009 wurde die Schule um ein Stockwerk erweitert, der Unterricht vorübergehend nach Keitum verlegt. Seitdem verfüge Tinnum über „eine tolle große Schule und einen tollen großen Schulhof“, erklärte Birgit Michaelis. Als offene Ganztagsschule biete die Boy-Lornsen-Schule eine Betreuung bis 16 Uhr – und sogar ein mit Zertifikat ausgezeichnetes „gesundes Schulessen“. „Du kannst stolz sein auf diese Schule“, sagte Birgit Michaelis mit Blick auf die Schulleiterin. Nun kehre Martina Bengsch-Maczik zurück zu ihren Wurzeln – statt um Organisation, lange Sitzungen und Stundenpläne kümmere sie sich künftig wieder direkt um die Schüler.

„Es war eine gute Zeit für Tinnum“, lobte Bürgervorsteher Peter Schnittgard die Arbeit der Schulleiterin. Die Schülerzahlen gingen deutlich nach oben, Bengsch-Maczik hinterlasse eine moderne Grundschule. Die Rektorin sei „manchmal laut, manchmal feinfühlig – aber immer effektiv“ gewesen. Ihr Abschied sei überraschend gekommen. Ob es eine Neubesetzung der Rektorenstelle gibt oder ob die Organisation geändert wird, müse jetzt die Politik entscheiden.

„Diese Schule bietet ein Zuhause für die Schüler“, sagte die scheidende Schulleiterin. Ohne die Zusammenarbeit vieler Menschen hätte dieses Ziel nicht erreicht werden können. Dabei habe sich die Gemeinde Sylt für ihre Grundschule „trotz enger Finanzen immer sehr, sehr großzügig eingesetzt – dafür sind wir sehr dankbar.“ Die Schließungen der Grundschulen in Keitum, Morsum, List und Hörnum seien „schlimme Einschnitte für die Gemeinden“ gewesen, erinnerte Bengsch-Maczik.

Die Tinnumer Schulleiterin unterrichtete bereits von 1993 bis 2001 an der Westerländer St. Nicolai-Schule. Als Grundschullehrerin war sie zudem ein Jahr auf Hallig Hooge im Einsatz und legte nach dreijähriger Ausbildung das sonderpädagogische Examen ab. Weil das Land derzeit händeringend nach Sonderpädagogen sucht, entschied sie sich in den Osterferien für den Wechsel zurück – in den Förderschulbereich nach Westerland.

Wie es nun an der Boy-Lornsen-Schule weitergehen soll, wird heute Abend im Tinnumer Ortsbeirat und Mittwoch Abend im Schulausschuss der Gemeinde Sylt beraten. Zwei Wege stehen zur Diskussion – entweder die Suche nach einem Nachfolger oder aber eine Fusion mit der Grundschule St. Nicolai. Allerdings sei die Suche nach Schulleitern „derzeit sehr schwierig“, gibt die Schulaufsicht zu bedenken – es gäbe kaum Bewerber. Bei einer Fusion mit der St. Nicolai-Schule würde die Boy-Lornsen-Schule aufgelöst, die Gemeinde Sylt hätte dann eine Grundschule mit drei Standorten (Tinnum, Nordkamp und St. Nicolai). Ein Vorteil wäre der flexible Einsatz der Lehrer – sie könnten zum Beispiel bei Krankheiten am anderen Standort aushelfen.

So eine Vertretungslösung wäre heute schon möglich, halten die Insulaner im Gemeinderat dem entgegen. Die Fraktion fordert in einer Pressemitteilung eine Neubesetzung der Stelle, auch um die letzte eigenständige Schule der Ortsteile im Sylter Osten nicht abzuwerten.

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