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Historische Gebäude : Was wird aus der Alten Landvogtei?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Unsichere Zukunft: Früher galt die Alte Landvogtei als amtliche Mitte der Insel. Was jetzt mit dem Gebäude geschieht, ist völlig unklar.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2015 | 05:03 Uhr

Landvögte haben hier über vier Jahrhunderte residiert: Jetzt soll die Alte Landvogtei in Tinnum – die inzwischen in Privatbesitz ist – zu einem Wohnhaus umgebaut werden. Das bis heute erhaltene Reetdachhaus markierte bis zur Einführung der preußischen Gemeindeordnung 1867 die amtliche Mitte der Insel. Anschließend erlebte das älteste Haus des Ortes eine wechselhafte Geschichte. Gerade werden die historischen Gemäuer saniert – bis es fertig ist muss noch einiges gemacht werden.

„Ich erinnere mich noch, wie es früher aussah, mit schönen alten Delfter Fliesen und einem Kachelofen, der von der Küche aus beheizt wurde“, erzählt der Tinnumer Stephan Froeschel. Sein Onkel lebte in den 1960er-Jahren in der Alten Landvogtei und betrieb dort – nachdem das Haus nach dem Krieg vermietet wurde – ein Restaurant. „Das war ganz toll, besonders die alte Stube war fantastisch, und an den alten Holzbalken waren Inschriften zu lesen“, sagt der 67-Jährige. Auch Schweine habe sein Onkel früher im hinteren Teil des länglichen Hauses gehalten. Später sei das mehr als 350 Jahre alte Gebäude von einem Zeitungsvertrieb gekauft worden. Als dieser sich den Unterhalt für das Reetdachhaus nicht mehr leisten konnte, wurde das Gebäude stückweise verkauft und vermietet, erinnert sich der Sylter.

Jetzt gibt es scheinbar neue Pläne für das traditionsreiche Haus, denn seit Kurzem wird hier gebaut: „Hier werden nach der Sanierung in 2014 drei Wohneinheiten entstehen“, lautet die offensichtlich veraltete Information auf der Homepage des mit dem Umbau beauftragten Büros „Igro Planen und Bauregie“. Bevor die Bauarbeiten begannen, stand das Dach des Gebäudes länger offen und war somit Regen und Sturm ausgesetzt. Wem das Haus jetzt gehört und was genau damit passieren soll, weiß auch Manfred Uekermann, Vorsitzender des Tinnumer Ortsbeirates, nicht: „Der Beirat hat immer wieder nachgehakt was mit dem Haus passiert - bisher ohne Erfolg“, sagt er. Gegenüber der Sylter Rundschau äußerte sich das zuständige Planungsbüro auf Anfrage nicht.

Doch nicht nur das Haus selbst, auch die Dokumente, die dort einst gelagert wurden, sind noch heute von Bedeutung: Die als geschichtlich besonders wertvoll geltenden Landvogtei-Akten dokumentieren unter anderem damalige Eigentumsverhältnisse und Steuerlasten, aber auch Kriegseinflüsse und Sturmfluten. Als es am 30. Dezember 1950 im Dachstuhl des Westerländer Rathauses brannte, wurden – neben anderen eingelagerten Unterlagen des Sylter Archivs – auch Blätter aus der Landvogtei vernichtet. „Daher gibt es keine durchgängige Aktenlage von der Landvogtei“, sagt Archivleiterin Andrea Jahn. Ob und wie die Alte Landvogtei wieder ihrem Ursprungszustand angenähert wird und ein neues Kapitel in ihrer wechselhaften Geschichte erlebt, scheint momentan dagegen unklar.

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