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Sylter Rundschau

24. November 2017 | 12:33 Uhr

Was macht mein Kind mit Medien?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Rahmen der Familienwochen Sylt fand am Freitagabend eine Diskussion zum Thema Mediennutzung statt

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 05:19 Uhr

„Haben die anderen sich nicht getraut?“ fragte Moderator Ron Glauth mit Blick auf die wenigen Besucher der Veranstaltung „Schau hin – was Dein Kind mit Medien macht“ und sprach damit gleich die Quintessenz des Abends im Alten Kursaal Westerland an.

Der Platz, den die tägliche Mediennutzung im Leben von Kindern und Erwachsenen einnimmt, hat sich mit dem Einzug des Internets und der Smartphones in den letzten Jahrzehnten rasant vergrößert und Auswirkungen auf alle Bereiche des privaten und gesellschaftlichen Lebens. Den Umgang mit Medien zu lernen ist „deshalb eine unabdingbare Voraussetzung, um die Gesellschaft und jeden Einzelnen vor negativen Konsequenzen zu schützen“. Dabei helfen möchte die Initiative „Schau hin“, die 2003 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV Spielfilm ins Leben gerufen wurde. Einig waren sich die Diskutanten Horst-Peter Feldt, Leiter der Schule St. Nicolai und Standort am Nordkamp, André Gatzke, Fernsehmoderator, Kerstin Langer von der Initiative „Schau hin“, Jutta Ringele, Abteilungsleiterin beim Beratungs- und Behandlungszentrum Sylt und Michael Stitz, Leiter des sh:z-medienhauses sylt, darüber, dass die Mediennutzung sowohl Segen als auch Fluch sein kann: Die Demokratisierung der Informationsweitergabe, der schnelle Kontakt untereinander sowie der Zugang zu vielfältigen Informationsquellen wurden positiv bewertet, das Gehetzt sein durch ständige Erreichbarkeit, die Gefahr der Beeinflussung durch falsche Informationen sowie soziale Vereinsamung vor dem Bildschirm gehörten hingegen zum Fluch der Medien. Belegt wurden diese Feststellungen durch Forschungsergebnisse der Initiative „Schau hin“.

Schulleiter Horst-Peter Feldt verwies im Laufe der Diskussion auf den vorgegebenen Erziehungsauftrag des schleswig-holsteinischen Kultusministeriums, Kindern für die digitale Welt das notwendige Rüstzeug an die Hand zu geben und zeigte sich zuversichtlich, dass dieses mit der notwendigen Offenheit und Gelassenheit auch gelingen könne. Jutta Ringele verwies darauf, dass der Kontakt innerhalb der Familie entscheidend sei. Hätten Eltern einen Bezug zu ihren Kindern, würden diese sich auch mit Fragen in Sachen Medien an sie wenden. Wichtig sei vor allem die Vorbildfunktion, die Eltern erfüllen würden und deshalb sollten diese ihren eigenen Umgang mit Medien kritisch beleuchten: „Wenn eine Mutter, die gerade ihr neugeborenes Baby auf den Bauch gelegt bekommen hat, es erst fotografiert und das Bild im Internet postet, bevor sie Kontakt zu ihrem Kind aufnimmt, ist das Verhalten sicher zu hinterfragen.“

Einen weltweiten, gesellschaftspolitischen Aspekt brachte Michael Stitz in die Diskussionsrunde ein. Er verwies positiv auf mögliche Demokratisierungsprozesse im politischen Umfeld aber ebenso auf die Gefahr der unkontrollierten Beeinflussung. Anders als beim analogen Fernsehen sei das Internet interaktiv und könne deshalb intensiver mit Menschen in den Austausch treten, sie dadurch leichter manipulieren oder fehlinformieren.

Zusammenfassend war dieser Abend vor allem für das Publikum, das aus seiner eigenen Erlebniswelt ebenso berichten durfte wie Fragen nach dem Medienverhalten der eigenen Kinder stellen konnte, eine passende fachliche Ergänzung zu den Veranstaltungen der Familienwochen. Doch haben sich diejenigen, die von den Informationen hätten profitieren können, dafür nicht interessiert. Am mangelnden Mut hat es sicher nicht gelegen.

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