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Sylter Strandgut : Was der Insel alles droh(n)t

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der SR-Kolumne Strandgut macht sich Redaktionsleiter Jörg Christiansen Gedanken über Chancen und Gefahren von Drohnen - aus Sylter Sicht.

von
erstellt am 12.Jan.2014 | 14:35 Uhr

Drohnen sind derzeit nicht nur bei Militärs, Geheimdiensten und Päckchen-Lieferanten ziemlich hip. Fast überall wird überlegt, wie sich die ferngesteuerten Flugkörper sinnvoll einsetzen lassen. Nur auf Sylt scheint man den Trend mal wieder zu verschlafen. Dabei gebe es auch auf der Insel Möglichkeiten. Ausgerüstet mit Kamera und Megafon ersetzt so eine Drohne beim Aufspüren widerspenstiger Hundehalter oder Dünenwanderer ein halbes Dutzend Ranger und Naturschutzwarte. Jede Wette: wer in einem einsamen Dünental plötzlich wie aus dem Nichts die Aufforderung hört „Bitte leinen Sie Ihren viel zu dicken Dackel an und verlassen umgehend das Schutzgebiet“, der wird künftig auf dem Pfad der Tugend bleiben. Und welches Strandlokal würde nicht sofort einen fliegenden Eis-Service für Badegäste einrichten, wenn das Handynetz am Strand besser wäre.

Gefahr droht (inselfremden) Flugkörpern allerdings von der hiesigen Jägerschaft. Angesichts fehlender Brut- und Setzzeiten haben die ersten Grünröcke bereits schonungslos ihre Flinten im Anschlag. So lange Drohnen nicht ins Landesjagdgesetz aufgenommen werden – und dafür setzten sich bisher nicht einmal die Grünen ein – müssen die unfruchtbaren Vögel damit rechnen, bei Erreichen der Insel aufs Korn genommen zu werden.

Dabei geht es keineswegs um die nach altem Sylter Strandräuber-Recht als herrenloses Strandgut geltende Fracht der ferngesteuerter Paketboten, sondern einzig und allein um den Schutz der heimischen Tierwelt. Wie schnell kann eine schwangere Auster eine plötzliche Fehlgeburt erleiden, wenn sie sich vor einem dieser drohnenden Flugwesen erschrickt. Ganz zu schweigen von den schweren Traumata der Sylter Fledermäuse, deren Echolot noch nicht auf die für sie unbekannten Flugobjekte kalibriert ist. Da sollte ein kontrollierter Abschuss ja wohl zumindest moralisch erlaubt sein, wenn so ein Viech eines unserer Naturschutzgebiete überfliegt.

Die einzige Chance, das zu vermeiden, dürfte daher wohl eine Flugroute direkt über den Bahngleisen sein. Für diesen Fall – so berichten für gewöhnlich gut unterrichtete und glaubwürdige Quellen – wird seitens der Bahn AG bereits geprüft, ob sich ihr für die Schienen geltendes Hoheitsrecht nicht auch auf den Luftraum darüber bis in eine Höhe von zwei Kilometern ausweiten lässt. Ein kurzes Queren wäre erlaubt, beim Abfliegen wird ein Nutzungsentgelt in Höhe des einfachen Fahrpreises von Niebüll nach Westerland fällig.

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