Was alles aus dem Burgund kommt

Sommelier Nils Lackner
Sommelier Nils Lackner

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14. Juni 2019, 08:13 Uhr

Geh doch mal in New York los und bestell dir einen „White Burgundy“. Was du bekommst ist keineswegs ein Weißburgunder, sondern ein Chardonnay. Also eine andere Rebsorte. Möchtest Du einen weißen Burgunder ins Glas, solltest Du beim Kellner einen Pinot Blanc ordern. Der Grund für diese Verwechslung liegt an der Bedeutung des Begriffes. Das Burgund ist eine der bedeutendsten Weinbauregionen Frankreichs, beziehungsweise weltweit. Sprechen wir nun von Burgunderweinen, kann das die Weine dieser Appelation meinen. Dies ist im Roten Bereich der Pinot Noir, bei uns Spätburgunder genannt. Weißweine im Burgund werden aus Chardonnay oder Aligoté gemacht. Zu den bekanntesten gehören zum Beispiel Chablis oder Montrachet, beides Chardonnays, welche zum Teil recht hohe Preise erzielen. Neben der Region gibt es aber auch die Familie der Burgundertrauben. Sie alle haben gemeinsam, dass sie vom Pinot Noir abstammen und durch Mutation zu eigenen Rebsorten wurden. Hierzulande bekannte Vertreter sind der Grauburgunder und Weißburgunder, welche beide im Burgund selber gar nicht mehr angebaut werden. Der graue Burgunder besitzt eine ungleichmässige Färbung der Traubenhaut mit rötlichen bis grauen Schattierungen. Daher sein Name. Man kann einen rosafarbenen Wein aus ihm machen, wenn man möchte. Dazu muss man einfach den Saft lange genug nach dem Pressen mit den Schalen in Kontakt lassen, so
dass er sich ordentlich Farbpigmente auslösen kann. Obwohl der Wein eine leicht rosafarbene Tönung bekommt, ist er laut deutschem Weingesetz kein Rosé.

Der Standart-Grauburgunder ist meist moderat in seiner Säure und langweilt deshalb viele Sommeliers, während die Gemeinde der Hobbytrinker ihm nonstop zu frönen scheint. Dabei ist sein Bruder, der Weißburgunder doch viel eleganter, zeigt mehr Bodennoten und hat eine sommerlichere Frische.

Wer keinen Bock auf aggressive Säure hat, trotzdem aber Sommer-Sonne-Sonnenschein trinken möchte, der sollte mal die Rebsorte Auxerrois probieren. Das ist so ein Halbbruder der Burgunderweine, eine Kreuzung mit Heunisch. Macht Spaß, aber tut dem
Säurepegel nicht weh.
Keine der letzten drei Rebsorten werden im Burgund noch angebaut, dafür findet man sie überall sonst.

Die Trauben der Pinot-Familie haben einen weltweiten Siegeszug angetreten. Ob Pinot Grigio, Champagner oder der in Österreich so beliebte Sankt Laurent, sie alle bereiten Genießern weltweit große Freude. Ein gelungenes Beispiel für Migration.



Nils Lackner ist Sommelier und international gebuchter Wein-Dozent. Auch auf seiner Heimatinsel Sylt kann man ihn für Proben, Events oder

Touren durch die Sylter Weinberge buchen: nl@nilslackner.com ,

0152-28759836

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