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Kolumne Strandgut : Warum Sylter ihren Wohnort so ungern zugeben

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Unser Autor erklärt, warum Kampener im Ausland selten sagen, wo sie wohnen.

Angesichts einer mittlerweile bald ganzjährigen Saison hat das arbeitsame Völkchen der Sylter kaum noch für etwas anderes Zeit, geschweige denn für Urlaub. Wenn es die Insulaner dann doch mal in die Ferne zieht, dann ist für viele der von Sylt-Touristen nahezu verwaiste Januar der Monat der Wahl.

Wer allerdings glaubt, dass er weitab von seiner Heimatinsel gänzlich ungestört ist, der irrt gewaltig. Denn ein Phänomen ist es, dass sich die Sylter überall in die Weltgeschichte zu verstreuen scheinen – die Chancen sind hoch, im Basislager des Mount Everest ebenso mit einem fröhlichen Moin begrüßt zu werden wie auf einer Karibikinsel von den Ausmaßen der Hallig Gröde.

In welchen Urlaubsgefilden auch immer Sylter sich tummeln, so haben sie doch eines gemeinsam: Sie verschweigen nach Möglichkeit ihre Herkunft. Denn aus Erfahrung wissen sie, dass die bloße Erwähnung des Namens Sylt das fremde Gegenüber umgehend zu ausgiebigen philosophischen Betrachtungen animiert. Eine dem Autor bekannte Kampenerin ist von derartigen Sylter Smalltalks im Urlaub inzwischen derart genervt, dass sie bei der Frage nach ihrer Heimat wie beiläufig sagt: "„Och, ich komme aus einem kleinen Dörfchen in Schleswig-Holstein.“

Und die Sylter, die jetzt keinen Urlaub haben? Die genießen die Insel fast ganz für sich. Kein Vordermann an der roten Ampel, freie Parkplätze an jeder Straßenecke, Strandspaziergänge ohne Begegnungen und Restaurants, in denen man von gleich drei Kellnern umsorgt wird, weil die sich wie kleine Kinder freuen, endlich etwas zu tun zu haben. Das ist Sylt für die Seele – und ja auch so ein bisschen wie Urlaub.

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