Richtfest in Hörnum : „Warum sind Sie eigentlich gegen diese Häuser?“

Fast bezugsfertig: Die ersten Holzhäuser in Hörnum verlieren schon die Gerüste. Fotos: sti
Fast bezugsfertig: Die ersten Holzhäuser in Hörnum verlieren schon die Gerüste. Fotos: sti

Beim Richtfest der Holzhäuser in Hörnum gat es kritische Bemerkungen an die Politiker des Ortes, die massiv versuchten, die Bauten für Sylter zu verhindern.

shz.de von
31. März 2017, 04:56 Uhr

Bauen für Sylter gehört auf der Insel zu den wichtigsten und immer wieder geforderten Anliegen der Politik und Verwaltung. Doch obwohl dieses Thema von allen als zentral eingeschätzt wird, erzeugt es auch schon mal heftige politische Auseinandersetzungen, die bis in die Landesministerien getragen werden. So geschehen in Hörnum. Dazu später mehr, denn gestern feierten die Bauherren der architektonisch modern gestalteten und energiesparend auf sehr hohem Niveau ausgestatteten Häuser Richtfest. Ein Grund zum Feiern!

Zufrieden, aber auch kritisch: Projektleiter Bernd Diehle
Zufrieden, aber auch kritisch: Projektleiter Bernd Diehle

Viele der neuen Bewohner der Häuser und Wohnungen – insgesamt werden elf Reihenhäuser zum Verkauf und zwölf Wohnungen zur Vermietung entstehen – kamen in die Straße, die zukünftig An der Heide heißen wird, um vom Zimmermann den Richtspruch zu hören. Unter den Handwerkern und Gästen des Richtfestes war auch Claudia Ebert. Die Unternehmerin ist mit der Projektgesellschaft L24 Investorin des Projektes. Bernd Diehle, Projektleiter, erinnerte in seiner Ansprache zum Richtfest nicht nur an die oft schwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde, „die aber immer von großer Zuverlässigkeit und einem konstruktiven Miteinander geprägt waren“, er bedankte sich auch mit Blick auf Frau Ebert für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, „hier für Sylter zu bauen. Denn ich weiß, dass dies eine Herzensangelegenheit von Claudia Ebert ist. Trotz der nicht ganz einfachen politischen Umstände in Hörnum“. Damit gab sich Bernd Diehle selbst das Stichwort zu einem Thema, „bei dem ich lange überlegt habe, ob ich es hier zur Sprache bringe“, sagte Diehle und schaute sich dabei um, um dann festzustellen, „dass leider keiner von der Hörnumer CDU heute hier ist. Denn ich würde die Vertreter der Partei gerne fragen, warum sind Sie gegen diese Häuser?“

Diehle wollte im Weiteren nicht auf all „die massiven Widerstände“ eingehen, „die dieses Projekt durch die Hörnumer CDU erlebt hat“. Die neuen Bewohner der Häuser, die sich unisono begeistert von den Bauten zeigten und auf ihr neues Zuhause freuen, äußerten am Rande der Veranstaltung ebenfalls ihr Unverständnis über die Diskussion, die das Bauprojekt in Hörnum ausgelöst hat. Manche zeigten sich auch irritiert über die Eingabe der CDU beim Land, die eine Prüfung des Erbbauzins fordert, da der nach Auffassung der Hörnumer CDU mit 185 Euro pro Haus aus Sicht der Partei zu niedrig angesetzt sei. „Wollen die, dass unsere monatlichen Belastungen wachsen?“, war die bange Frage unter den Häuslebauern.

Richtkränze auch wenn vieles schon fertig ist.
Richtkränze auch wenn vieles schon fertig ist.

Durch den Erbbauzins und die Festlegung, dass in den kommenden 20 Jahren ein Verkauf der Häuser nur sehr eingeschränkt möglich ist, will die Gemeinde möglichen Spekulationen mit den Immobilien vorbeugen. „Wir freuen uns, dass wir mit diesen Häusern auch neue Bewohner für Hörnum gewinnen konnten“, zeigte sich Hörnums Bürgermeister Rolf Speth sehr zufrieden mit der Vergabe und Entwicklung des Projekts, das er mit seiner Wählergemeinschaft gegen den Widerstand der Opposition durchsetzen konnte. „Bauen für Sylter, neue Einwohner für Hörnum und darunter viele junge Menschen und Familien, das ist eine Entwicklung, die ich als sehr positiv für den Ort und seine Zukunft einschätze. Natürlich kann man an allem herumkritteln, aber dann schafft man keine Häuser, sondern nur Diskussionsrunden – und in denen kann man nicht wohnen“.

Obwohl gestern Richtfest war, sind die meisten der Häuser längst mit einem Dach versehen, vielfach schon der Innenausbau weit vorangeschritten. Der gesamte Baufortschritt ist nach Auskunft der Projektleitung im Zeitplan. Der sieht vor, dass am 1. Juli die Häuser und Wohnungen bezogen werden können. „Wir haben im Moment zwar noch ein Problem mit der EVS, die für ihre Erschließungsarbeiten einen nicht akzeptablen Zeitplan vorlegt hat, aber wir hoffen sehr, dass auch diese Hürde genommen wird“, ließ Bernd Diehle wissen.

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